Regenbogentage in Köln

Samstag am Morgen: lange schlafen, Yoga, sehr ausgiebig frühstücken, dabei erzählen mit I.&M. und Einkaufsbummel durch Nippes. Zuerst zum Unverpackt Laden der Tante Olga heißt. Ich bin etwas neidisch, denn in Kassel hat der Laden, in dem man ohne Verpackung einkaufen konnte, leider nach ca. einem Jahr wieder geschlossen. Neben Tante Olga hat der Schneider Tüzün seinen Laden, er hat eine kleine Puppe im Schaufenster.

Ich stöbere noch in zwei Buchhandlungen herum und entscheide mich für ein weiteres Buch zum Thema Füße: „Gut zu Fuss ein Leben lang – Trainieren statt operieren: Die besten Übungen aus der Spiraldynamik“ von Dr. med. Christian Larsen (Werbung unbezahlt und ohne Auftrag). Jetzt noch schnell etwas Obst und Gemüse kaufen. Und am Schaufenster vom Friseurgeschäft halten und die Barbies bestaunen.

Zu Hause ausruhen vom nichts tun.

In die Luft gucken und lesen.

Und dann wird es Zeit mich für den Dyke*March fein zu machen.

Falls sich jemand fragt, was denn ein Dyke* March überhaupt ist: Der Dyke*March ist eine Demonstration für mehr lesbische Sichtbarkeit auf den Straßen und in der Öffentlichkeit. 1981 begannen in Vancouver, Kanada die ersten Dykes für mehr Sichtbarkeit auf die Straße zu gehen und für mehr Stolz, Power und Sichtbarkeit zu  demonstrieren. Die Demos breiteten sich auf verschiedene Städte aus und mündeten 1993 in die erste große Lesbendemo die sich als Dyke March bezeichnete und in Washington stattfand. Es folgten weitere Städte und Länder, bis 2013 der erste deutsche namentliche Dyke March in Berlin stattfand (selbstverständlich gab es auch schon vor 2013 Demonstrationen für mehr lesbische Sichtbarkeit in Deutschland und anderswo). Köln folgte 2015, Hamburg 2016 und so hat sich im Laufe der letzten Jahre die Tradition der Dyke*Marches in immer mehr Städten verbreitet. Seit seinen Ursprüngen in den USA findet der Dyke March immer am Vorabend zu den großen CSD-Demonstrationen statt. Der Dyke*March war von Anfang an als Ergänzung gedacht, nicht als Alternative zur CSD Parade der jeweiligen Stadt. Hier gibt es mehr Infos zu den Dyke*Marches in Berlin , Köln, Rhein-Neckar (mit einer kleinen und schön einfachen geschichtlichen Erklärung und Zusammenfassung). Und hier beginnt er nun, mein

Ich bin mit A.&T. verabredet und fahre zum Roncalli Platz. Weil ich zu früh bin, laufe ich umher und höre in der Ferne dumpfes Getrommel.

Ich laufe immer Näher in die Richtung aus der die Trommelmusik kommt und sehe die ersten Menschen die sich auf der Mauer und der Treppe niedergelassen haben um den Trommelnden zuzuhören.

Etwas später treffe ich A.&T., wir sitzen noch ein wenig hinterm Dom und schauen zu wie sich immer mehr – ich nenne jetzt einfach alle mal Lesben, auch wenn es eine bunte Mischung verschiedenster Menschen war – einfinden. Und fast pünktlich um 17 Uhr geht es dann los.

Weil wir alle Drei Trommeln so gerne mögen, laufen wir zu Beginn sehr nah neben den Queerelas, der Frauensambaband. Und in dem Straßenabschnitt unter der Domplatte, wo die Trommeln so schön laut dröhnen und ich das Gefühl habe mir wird mein Herz geschlagen,  habe ich dann auch die tollsten Momente der zwei Regenbogentage. Am liebsten wäre ich mit den Queerelas immer wieder hin und her gelaufen um diese Momente auszudehnen. Aber natürlich ging der March einfach weiter und das war toll. Nur eben die schönsten Momente hatte ich dort. Ganz herzlichen Dank dafür.

Ganz unten nach der Unterführung sind wir, auf der Domplatte sind alle die uns zusehen und hoffentlich auch mit uns feiern und ganz obendrüber zwei tolle Kräne. Und nebendran den Dom nicht zu vergessen.

Giraffe.

Seepferdchen.

Regenbogenengel.

Zuschauerinnen am Wegesrand.

Mitläuferinnen mittendrin.

Irgendwann sind wir erschöpft, die A. kränkelt ein wenig und mir ist kalt und ich hab Halsschmerzen und hungrig sind wir alle drei. Wir suchen uns ein türkisches Schnellrestaurant aus. Ich esse Falafel wie am Vortag, diesmal ohne Hummus und dann laufen wir zum Straßenfest. Auf dem Weg treffe ich Verwandtschaft.

Kurz danach verabschiede ich mich von den Beiden weil ich keine Lust mehr auf Menschenmassen habe und ich friere mittlerweile immer mehr denn es ist sehr windig und kalt geworden. Die Einhörner wehen mir durchs Bild.

Ich hatte von M. gehört, das es in Köln auch die kleinen Mosaike von Invader gibt und freue mich deshalb über diese Entdeckung.

Am Abend den Dom bestaunen.

Ich treffe I., die schon zu Hause ist, wir sitzen zusammen und erzählen uns unsere Erlebnisse, noch ein letzter Blick vom Balkon in den Abendhimmel und dann gehen wir ins Bett.

Ich schlafe gut, bin um 8 Uhr wach, trinke Tee und turne erst allein und dann gemeinsam mit M. etwas Yoga. M. hatte sich gewünscht, das ich ihm meinen Sonnengruß zeige und so üben wir gemeinsam und haben es gut dabei.

Duschen, frühstücken und los geht’s zur großen CSD Parade. Sie beginnt um 12 Uhr auf der Deutzer Brücke. Ich bin zu spät. Aber ein paar andere auch. Noch nicht fertig mit den Vorbereitungen.

Ich laufe vom Bahnhof am Rhein entlang zur Brücke und finde es einen tollen und beeindruckenden Anblick von unten. Und später auch von oben.

Während ich auf der Brücke stehe versuchen A.&T. und ich uns irgendwo zu verabreden. Merken aber schnell was für ein absurdes Unterfangen das ist, wünschen einander viel Spaß und so laufe ich in den nächsten 4 Stunden allein neben der Parade entlang. Ich bin kurz neidisch auf diese tolle Hose.

Meine Ohren möchte ich nicht gegen diese eintauschen oder mit ihnen ergänzen.

Über alle Grenzen hinaus.

Wir sind wirklich viele, nicht nur durch die Spiegelung im Schaufenster.

Und so ist auch das Motto: Viele. Gemeinsam. Stark.

Stolz.

Zwei Seiten.

Ich hab lange keinen Iro gesehen.

„Sie wollte heute unbedingt ihr Seejungfrauen-Kostüm anziehen“ sagt der Vater, als ich um ein Foto bitte. Das leuchtet mir sofort ein.

Ich bin mir nicht sicher ob dies auch eine Seejungfrau ist, aber die Schuppen am Kostüm erinnern daran.

In diesem Second Hand Laden hätte ich noch passende Kleidung finden können.  Aber meine Schleife im Haar musste genügen.

Bewundernswert waren die Swinging Sisters. Ich habe sie erst recht spät entdeckt und noch immer sind sie leichtfüßig durch die Straßen getanzt.

Beieinander stehen und den besten Platz teilen.

Gruppenfoto zur Erinnerung.

Viele Stunden bin ich neben der Parade gelaufen. Stehen geblieben um mit zu tanzen, oder schnell weiter gegangen wenn die Musik nicht so mein Geschmack war. Ich hab viel gelacht, geschwitzt, hatte zwischendrin Kopfschmerzen und Hunger und hab zu wenig getrunken. Glücklich und voller wilder Eindrücke warte ich auf die S-Bahn, schaue der Gruppe zu die vielleicht gerade Fotos über Sozial Media in der Welt verbreitet und mir fällt noch einmal das Plakat ein: Dyke Power beyond borders. So soll es sein.

Am nächsten Tag finde ich im meiner Hosentasche noch Paraden Überbleibsel und freue mich. Und nun hatte ich ja ein paar Tage Zeit um meine Eindrücke so in mir zu bewegen. Dabei habe ich gemerkt: Ich finde CSD Paraden toll und habe Spaß an all den bunten Menschen, finde die Kostüme großartig und alles was gezeigt und preisgegeben wird. Mein zuhause und aufgehoben fühle ich mich beim aber beim Dyke*March.

 

 

 

 

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6 Kommentare

    1. Hihi. Ich habe ein sehr großes Interesse an Füssen. Und die stecken meistens in Schuhen. Meine leider auch. Und gibt es nicht tolle Schuhe? Und all die lustigen Socken haben mir auch Spaß gemacht.

  1. Socken!
    Stimmt, das hab ich gar nicht bedacht.
    Vermutlich weil ich da textil nicht sonderlich breit bespielbar bin.
    Aber ich glaub das koennte eine neue Freizeitbeschaeftigung werden.
    Sockfieldwork.
    Brillant.

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