23 KW Juni 2020 – Es gibt noch viel zu lernen oder Warum meine Auseinandersetzung mit Rassismus nicht enden soll

Pfingstmontag mit schönstem Sommerwetter. Ich fahre schon um halb 10 los, damit ich vor den vielen Menschen die ich an einem Feiertag erwarte, am Bühl in Ahnatal Weimar ankomme. Das stellt sich als eine wirklich weise Idee heraus. Außer mir sind schon einige Menschen da, aber ich habe noch 1 Stunde lang einen recht leeren See zum schwimmen, bevor es so voll wird, dass ich um halb 12 wieder meine Sachen packe. Den Rest des Tages verbringe ich lesend, bloggernd und rumlungernd auf dem Balkon.

Dienstag ist es zunächst etwas hektisch und später turbulent an der Arbeit. Dazwischen mache ich aber einen ‚Sprach Spaziergang‘ mit einer Teilnehmerin und das macht viel Spaß. Nach der Arbeit bringe ich die Kamera zur Reinigung und freu mich schon jetzt darauf mal wieder Fotos ohne zahllose Sensorflecken zu knipsen zu können.

Mittwoch eile ich von hier nach da und versuche allen Anforderungen gerecht zu werden. Das gelingt mir mäßig. Auf dem Heimweg komme ich an einem alteingesessenen Haushaltswarengeschäft vorbei. Leider wird es demnächst schließen und hat deshalb großen Ausverkauf. Ich kaufe mir eine Edelstahl Espressokanne für 3 Tassen und eine weitere für den Schrebergarten und freue mich darüber. Finde es aber sehr schade, dass der Laden schließen wird.

Die Yoga – Freundin hat mir eine Hortensie geschenkt. Sie heißt ‚Red Beauty Lila‘ und ich finde sie wunderschön. Ich hatte sie im letzten Jahr im garten der Freundin sehr oft geknipst und durch sie fand ich, dass Hortensien nicht langweilig sondern wunderschön sind. Ich habe sie in einen großen Topf verpflanzt weil im Hinterhofgarten bisher kein Platz ist.

Donnerstag unterrichte ich meine Yoga – Gruppe in zwei Etappen jeweils 60 Minuten. Das ist ungewohnt kurz, aber macht trotzdem Spaß. Aus hintereinander zwei kleine Gruppen zu unterrichten ist schön.

Während ich noch im Büro bin fragt die A. ob wir uns am Nachmittag beim Yoga sehen und anschließend essen gehen. Das finde ich eine schöne Idee und bin froh, dass ich vom Einkauf mit Erica so früh zurück komme, dass es klappt. Weil wir die letzten zwei Freitag immer Pizza essen waren, will ich gerne wieder Pizza essen. Ich mag ja Monotonie auf dem Teller und auch in vielen anderen Bereichen meines Lebens. Wir laufen also Richtung Pizzeria und halten dann am vietnamesischen Restaurant. Am nächsten Freitag werden wir daran vorbei laufen und Pizza essen gehen.

Am Samstag um 12 Uhr findet auch in Kassel vorm Hauptbahnhof, wie auch in vielen anderen Städten, die NEIN ZU RASSISMUS! Demo statt. Ich bin vor der Gartenchefin da und schaue zu wie sich der Platz vorm Hauptbahnhof füllt ….

…. und füllt …

und zu einer Minute des Schweigens ist der ganze Platz vor dem Bahnhof schon voller Menschen.

Während die verschiedenen Redner*innen sprechen, füllt sich der Platz und die umliegenden Straßen auf 3000 Menschen.

Meine Auseinandersetzung mit Rassismus – meinem eigenen und dem in Deutschland oder auch grundsätzlich überall auf der Welt, kommt immer in Schüben. In diesem Jahr war der Februar, der der BLACK HISTORY MONTH ist, ein Anlass, verschiedene Bücher schwarzer Autorinnen zu lesen, die ich hier schon einmal verlinkt habe.

Neu dazu gekommen sind diese Sachbücher:

Alice Hasters, Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten

Reni Eddo-Lodge: Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche

Noah Sow: Deutschland Schwarz Weiß, Der alltägliche Rassismus

(Werbung weil Verlinkung und ohne Auftrag)

Und weil es nicht genügt, sich einmal mit Rassismus zu beschäftigen und dann zu glauben ‚So nun weiß ich worum es geht und was zu tun bzw. zu lassen ist und warum‘ lerne ich immer mehr dazu und werde immer wieder angehalten mich mit meinem eigenen Rassismus zu beschäftigen. So habe ich zum Beispiel von Noah Sow gelernt, dass die Bezeichnungen ‚Farbige*r’/’farbig‘, die oft aus sog. Höflichkeit benutzt werden, keine korrekten sondern rassistische Bezeichnungen sind, die auf historischen Rassentheorien und rassistischen Ansichten beruhen. “ ‚Farbig‘ soll in Deutschland in der Regel auch als eine ‚höflich gemeinte‘, weil schwächere Form von Schwarz dienen. Damit soll ‚abgeschwächt‘ werden, dass jemand Schwart ist, und genau das ist das Problem: Wir haben es hier eindeutig mit einem Euphemismus zu tun. Ein Euphemismus ist eine stark beschönigende Bezeichnung für etwas, dessen ehrlicher Name uns zu verstörend erscheint. (……….) Solche Euphemismen werden üblicherweise dann verwendet, wenn es etwas zu beschönigen gibt. Das ist einer der Gründe, warum ‚farbig‘ bei vielen Menschen nicht besonders gut ankommt, denn es ist ein Euphemismus von ‚Schwarz‘, und das heißt, dass der, der das Wort verwendet, ein Problem damit hat.“ (aus Noah Sow, Deutschland Schwarz Weiss). Ein anderer Grund ist, dass „farbig“ impliziert, dass weiß der „Normalzustand“ ist und ein „farbig“ das Konstrukt einer „Abweichung von Weiß“. Dies ist nur ein Aspekt warum der Ausdruck ‚farbig’/ ‚Farbige*r‘ rassistisch ist. Noah Sow schreibt noch über verschiedene andere Bezeichnungen. Sehr lesenswert.

Dann gibt es auch noch ein paar spannende Instagram Accounts die mir Anregungen und Hinweise zur Auseinandersetzung geben:

Tupoka Ogette dort spricht sie z.B. über Menschen die ihr sagen: „Ich mache keinen Unterschied, ob jemand schwarz, rot , grün oder gelb ist. Für mich sind alle Menschen gleich!“ und was daran problematisch ist. Und ein Buch hat sie auch geschrieben: exit RACISM

Josephine Apraku finde ich auch toll. Sie hat sich eine Instagram-Challenge (#kritische Weiß_heiten) überlegt, die mit den Worten „Liebe weiße Mitmenschen (…….) Jeden Tag bis zum 6. Juli gibt es Fragen zur rassismuskritischen Selbstreflexion…“. Die erste Frage lautet: Wann ist dir das erste Mal bewusst gewesen, dass du weiß bist? Die Fragen können im eigenen Account oder unter ihrem Post veröffentlicht werden. Oder man beantwortet sie einfach für sich zu hause.

Say My Name – Webvideoreihe, Richtet sich an junge Frauen zwischen 14 und 25, Themen sind Vielfalt, Respekt, Emanzipation, Gleichheit, Solidarität. Auch als Instagram Account. Was mir daran besonders gefällt ist, dass alle englischen Zitate auch immer übersetzt werden.

Und noch ein paar Links zu Artikeln:

Mely Kiyak über Rassismus via BUDDENBOHM & SÖHNE

Verbannt und vertrieben via BUDDENBOHM & SÖHNE

Aminata Touré: „Es fehlt nicht an Schwarzen, die sprechen, sondern an Weißen, die zuhören“. via Vorspeisenplatte (dort gibt es noch andere Texte, allerdings auf in englisch und da bin ich nicht so gut)

Soweit vorerst zum Thema Rassismus. Ich bleibe dran und hoffe viele andere auch, denn mit einem #blackouttuesday in den sozialen Medien ist es bei Weitem nicht getan.

Den Rest vom Samstag verbringe ich, nach dem Platzregen während der Demo, von dem ich klatschnass geworden bin, mit zwei Wärmflaschen auf dem Sofa. Sonntag schlafe ich lange, dann Yoga, Tee und lesen auf dem Balkon.

Dann finde ich in der Küche zwei sehr reife Bananen. Damit soll man ja Bananenkuchen backen lese ich immer mal irgendwo. Das tue ich. Während der Kuchen abkühlt, finde ich einen Gang über den Friedhof eine gute Idee.

Eine junge und mir noch unbekannte Katze liest in einem steinernen Buch.

Der Adler ist auch neu hier.

Mein alter Bekannter, der Gorilla, ist noch da und beleidigt weil ich ihn so lange nicht besucht habe. Ich erzähle ihm die Neuigkeiten aus der Welt und über Vieles ist er sehr erschrocken.

Und auch mein Freund der Hase sitzt endlich mal wieder mitten auf dem Weg.

Eine Amsel singt sehr laut.

Und eine andere Amsel hat lässt den Engel schlafen.

Auf dem Heimweg dreht sich die kleine Windmühle sehr schnell im Wind.

Und dann sitzt da noch eine Hummel an der Pflanze die ich nicht kenne. Sie hat später glänzende schwarze Beeren wo jetzt noch die Blüten sind.

Zuhause esse ich Kuchen und vergesse ein Foto zu machen. Er sieht aber gut aus. Danach bloggere ich los. Und das ist tatsächlich manchmal richtig etwas Arbeit fällt mir neuerdings auf. Besonders wenn ich noch anfange Bücher etc. zu verlinken. Und damit ich mitbekomme, ob das was ich hier von mir gebe, auch irgendwem gefällt, gibt es jetzt ein kleines Herz am Ende von jedem Post. Das hat mir die Susanne Vasel dort hingebaut, sie kümmert sich darum, dass hier alles so aussieht wie es aussieht und auch funktioniert. Und im Laufe der letzten Inspektion die bei einem Blog Update heißt (hab ich gerade gelernt), hat sie mir das Herz in die Ecke montiert. Da bin ich nun mal gespannt, ob es bemerkt und genutzt wird. Darüber würde ich mich sehr freuen.

Hinterhofhimmel zum Sonntagabend.

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