Sorgenvoller Blick

 

Gestern Abend haben mich die neuesten Nachrichten aus Istanbul sorgenvoll auf meine Stadt des Herzens blicken lassen. Eine LBGTI+Filmvorführung wurde verboten. Die Veranstaltung sollte im Rahmen eines  Kurzfilmwettbewerbs stattfinden. Das Verbot wurde u.a. damit begründet, dass die Veranstaltung eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und Moral darstelle. (mehr dazu bitte hier entlang)

Die Situation in der Türkei macht mir Sorgen, sie macht mich traurig und wütend. Auch aus ganz egoistischen Gründen denn ich hatte mir gewünscht, irgendwann ein Jahr in Istanbul zu verbringen.  Ich frage mich auch, mich warum Menschen wie ich die öffentliche Ordnung, Sicherheit und Moral gefährden. Und ich frage mich warum Meşale Tolu und so viele andere, immer noch im Gefängnis sitzen und warum es immer mehr werden.

Zum Trost und mit Wehmut betrachte ich einmal wieder,  meine vielen Istanbul Fotos. So viele schöne Erinnerungen. Einer meiner Lieblingsorte ist der Karacaahmet Mezarlığı, Karadscha Ahmad Friedhof auf der asiatischen Seite, in Üsküdar. Der Besuch genau dieses Friedhofes gehört zu jedem meiner Istanbul Besuche dazu, er ist schon zu einem richtigen Ritual geworden. Da ich bisher immer auf der europäischen Seite vom Bosporus gewohnt habe, ist schon der Weg zum Friedhof eine Freude. Ich laufe einen Berg hinunter, steige in die tram, laufe einmal über die Galata Brücke, weil es so schön ist , ich könnte stattdessen auch eine Haltestelle später aussteigen. In Eminönü angekommen  steige ich auf die Fähre nach Harem und genieße die Kurze Überfahrt, ganz egal wie das Wetter ist. Dort beginnt die letzte Etappe. Es geht immer den Berg hinauf, bis ich vor einem der vielen Eingänge zum Friedhof stehe.

Als ich zum ersten Mal hier war bin ich bis zu dem Eingang gelaufen, an dem auch gleich rechts die Şakirin Moschee ist.

August 2016

Ein Besuch der Moschee gehört seit dem immer dazu. Einen schönen Bericht und tolle Fotos gibt es bei Rena Hoffmann zu sehen.

August 2016

Anschließend laufe ich, schon auch mal drei Stunden, über den Friedhof.

Er ist wirklich groß und bei jedem Besuch entdecke ich Bereiche die ich noch nicht kenne.

In diesem Jahr war ich schon im Juni dort und so gab es sogar noch viele Blumen die geblüht haben, das hat mich sehr gefreut.

Denn bei den letzten Besuchen waren die Blumen schon immer in der großen Sommerhitze vertrocknet.

Außer Krähen sieht man nicht so viele Tiere hier.

Deshalb war ich überrascht einen Hund anzutreffen. Ein wenig ängstlich war ich auch. Denn von wilden Hunden hört man ja nicht immer nur Gutes. Aber die Ohren. Bestimmt ein sehr freundlicher Hund.

Spuren von Arbeit. Ich hatte dazu gleich die Geschichte von Derdâ und Derda im Kopf, sie wird mir sicher in Zukunft immer einfallen wenn ich auf einem Istanbuler Friedhof bin.

Es gibt einen Hauptweg auf dem Friedhof, auf dem auch Autos fahren dürfen.

Und dann noch viele einfache, kleine Wege, die auch manchmal immer schmaler werden, vor einem Grab enden, über das man dann drüber klettern muss oder vor einem Baum, wo er dann ein jähes Ende hat.

Verabschiedet werde ich von einer Krähe. Sie fliegt und hüpft eine ganze Weile neben mir her.

Ich laufe nicht den gleichen Weg zurück, denn den finde ich meistens gar nicht mehr. Also nehme ich einen anderen Weg und es wird um mich herum wieder lebhafter.

Aber dann komme ich an einem Bretterzaun vorbei, werfe einen Blick hinter die Zaunlatten und entdecke noch einen sehr kleinen Friedhof.

Erlebt habe ich noch viel an diesem Tag im Juni. Aber mein Abend geht jetzt langsam zu Ende und so verlasse ich, mit noch mehr Wehmut als gestern, all die schönen Erinnerungsräume. Zum Trost brauche ich noch eine Istanbuler Katze –  hilft bei Kummer.

 

Die Worte des Tages war:

Karga – Krähe

Mezarlığı – Friedhof

ölmek-sterben

 

 

 

 

 

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