Mit der Kusttram am Meer entlang bis zu den Dünen

Weil die Freundin neulich fast entrüstet fragte, wo denn die Fotos von der Küstenstraßenbahn, der Kusttram, wären: Hier sind sie.

Am letzten Tag hatte ich Lust möglichst weit und lange mit der Kusttram zu fahren und barfuß laufen wollte ich auch gerne. Dazu hatte ich mir das Naturreservat De Westhoek ausgesucht. Da hinten kommt meine Tram angefahren.

Die Fahrt dauerte ca. 1:30 Std. Ich fuhr diesmal bis De Panne Esplanade. Danach kommen nur noch 3 Stationen und die 4 ist die Endstation.

Von der Haltestelle bis zum Eingang vom Dünengebiet lief ich ungefähr 15 Minuten durch ein Wohngebiet.

Ab dann ging es barfuß weiter. Bodenbelag Nr. 1

Kleine rote Spargelbeeren.

Sehr viele Sanddornbüsche.

Habe ich gleich probiert. Schön lecker und sauer.

Unbekannter Strauch mit kleinen weißen Beeren oder Blüten oder was auch immer das war. Sehr hübsch.

Weil ich einen mutigen Tag hatte, bin ich hier abgebogen und durch ein Gebiet mit wilden und zahmen Weidentieren gelaufen. Mir war auf die ersten Meter ziemlich aufgeregt zumute. Ich mag zwar wilde und zahme Weidetiere, hab aber trotzdem immer Respekt.

Mir ist allerdings kein einziges Tier begegnet. Aber als ich um eine Kurve kam, lag auf einer Bank ein schlafender Mann. Das hat leider so eine Art Panikanfall ausgelöst (mir ist vor sehr vielen Jahren bei einem Spaziergang an einer spanischen Steilküste mal ein Mann auf einem Moped begegnet und es nahm kein gutes Ende). Mit sehr laut klopfendem Herzen ging ich sehr schnell weiter und war froh barfuß zu sein und keine Geräusche beim Laufen zu machen. Erst als ich das Weidegebiet verlassen hatte und nach einer Weile Menschen aus der Ferne sehen konnte, wurde ich wieder ruhiger.

Nach dem Schreck hatte ich für längere Zeit keinen Hunger, aber irgendwann machte ich dann doch eine Pause und habe Apfel, Möhre und Brot gegessen und Kaffee getrunken.

Danach ging es mit Bodenbelag Nr. 2 weiter.

Es fühlte sich an, als wäre gleich hinter der Düne das Meer. So war es aber nicht.

Nasser Sand, Bodenbelag Nr. 3

Eine Düne hinunter und um die Ecke: Ein zahmes Weidetier hinter einem Zaun.

Durch den Wald, Bodenbelag Nr. 4

Kaum war ich aus dem Wald hinaus, lagen die Schienen vor mir und da kam auch schon die Tram angebimmelt.

Ich hatte mir schon auf dem ganzen Hinweg Gedanken über Straßenbahnfotos gemacht. Dabei war schnell klar: Um Straßenbahnfotos zu machen, darf ich nicht in der Bahn sitzen.

Deshalb bin ich an der Haltestelle Sint-Laureins, vor Westende, wieder ausgestiegen.

Ich hab überlegt und mich umgesehen wie ich mal irgendwie nach oben kommen könnte. Und dann stand da einfach diese Wendeltreppe vor mir, die ein alter Wasserturm ist.

So ein Glück.

Und es ist prima zu sehen, wie die Tram wirklich an der Nordsee entlang fährt. Das tut sie natürlich nicht durchgehend. Zwischendrin ist zwischen Straßenbahn und Nordsee auch immer mal die eine oder andere Hochhausfront.

Für mehr Fotos bin ich sehr lange und weit am Strand entlang gelaufen, Bodenbelag Nr. 5.

Und an der langen Hochhausfront von Westende vorbei.

Auf hartem Pflaster, Bodenbelag Nr. 6.

Manchmal passierte lange nichts.

Da kam endlich wieder eine angefahren.

Nochmal weiter laufen, Bodenbelag Nr. 7 – ich war übrigens immer noch barfuß.

Die Sonne stand immer tiefer.

Und dann kam eine Bahn nach der anderen. Zumindest hat es sich so angefühlt. Vielleicht hatte ich aber vom vielen Laufen und Warten kein Zeitgefühl mehr.

Es ging Schlag auf Schlag. Und zwar aus beiden Richtungen.

Kurze Pause. Im Sommer fährt die Tram alle 10 Minuten und im Winter alle 20 Minuten. Hier gibt es übrigens noch mehr Infos wie z. B. dass die Küstenstraßenbahn mit 67 km die längste Straßenbahnlinie der Welt ist.

Für ein Foto aus der anderen Richtungen überquerte ich nochmal die Schienen und lief am Strand entlang.

Haltestelle Raversijde Domein. Die nächste Tram Richtung Knokke wollte ich gerne nehmen. Ich war mittlerweile sehr erschöpft und mir wurde auch etwas kalt.

Aber bis ich wieder vom Strand zurück und dann sogar zur Haltestelle gerannt war, hatte ich meine Tram verpasst.

Also hatte ich Zeit in Ruhe Strümpfe und Schuhe anzuziehen und auch noch ein paar Fotos zu knipsen.

Da kam sie endlich.

Und so saß ich drin, schaue aufs Meer und verabschiede mich von dem schönen Tag und der schönen Woche.

Von meiner Haltestelle Renbaan aus lief ich nicht etwa zum Strand, für ein Abschiedsgetränk, sondern sofort ins Ferienapartment.

Ich war zu hungrig und müde und die Reisetasche musste ich ja auch noch packen.

Später lag ich dann glücklich im Bett und fand, es war ein toller Tag und die Straßenbahn Fotografie hatte Spaß gemacht. Und war auch so anstrengend. Da wurde die Bewunderung für die Freundin in Köln noch größer, die so oft ihr rotes Klapprad mit ihrer ganzen Fotoausrüstung bepackt, um Bahnhöfe, Züge und Straßenbahnen und noch vieles mehr zu fotografieren und damit ihr Brot verdient.

Und weil sie Züge und Straßenbahnen und wilden Wind und die Nordseeküste so besonders gerne mag, schenke ich ihr jetzt diesen Blogpost. Aber alle anderen dürfen natürlich auch sehr gerne mitschauen. Für dich, Smilla.

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