Madeira – Wilder Wind und Sonnenschein auf São Lourenço

Grund 1 für meine Wanderung über die Halbinsel: Der kurze Anfahrtsweg von nur einer Stunde. Ich habe mich schon am ersten Tag gegen eine Auto entschieden. Zu steil und zu kurvig die ganze Insel. Außerdem fahre ich nicht besonders gerne Auto. Grund 2: Die Felsenküste von São Lourenço wird im Wanderführer als wildromantisch beschrieben und ist ein Naturschutzgebiet.

Ich war vor 8 Uhr wach, habe Yoga geturnt, Tee getrunken, ein paar Runden im Pool geschwommen, duschen, Balkonkaffee. Das ganze Programm. Und dann ging es los.

Die Busse vom Hotel hinein nach Funchal fahren recht oft. Danach stehe ich meistens an irgendeiner Bushaltestelle und warte auf den Bus der mich zum Zielort bringen soll. Dabei schaue ich so herum.

Diesmal warte ich nur 10 Minuten auf den Bus.

In Machico muss ich umsteigen. Mein Bus fährt erst in einer halben Stunde.

Ich laufe am Fluss entlang Richtung Meer.

Biege aber dann ab in eine der kleinen Gassen der Altstadt.

Auf den ersten kurzen Blick finde ich Machico richtig schön und klein und ruhig gegen das quirlige Funchal. Vielleicht fahre ich hier in den nächsten Tagen noch einmal hin.

Heute ist mein Ziel aber die Halbinsel. Und die erreiche ich dann auch nach einer weiteren Busfahrt.

Zuerst fühlt sich der Weg ganz entspannt an und von wildem Wind ist noch nichts zu spüren.

Das ändert sich aber schon bald. Zuerst scheint die Sonne und mir ist ganz schön heiß.

Kurz darauf und weiter oben ist der Wind wirklich wild.

Und ich bin sehr froh über die gut gesicherten Wege.

Zu sagen gab ich erstmal nicht mehr viel außer vielleicht: beeindruckend und wirklich wildromantisch hier.

Ein paar kleine Pflanzen gibt es auch.

Ich dachte, es gäbe hier mehr Mutproben für mich, aber ich bekomme alle Wege am Abgrund gut hin.

Nachdem sich die Eidechsen so um das Stück Apfelsine streiten, bekomme ich auch etwas Hunger und mache eine Pause.

Während der Pause denke ich: „Ach jetzt nur noch schnell da hoch und den Ausblick genießen, war ja wirklich nicht wild bis jetzt“.

Wie gut sind manchmal doch so naive Gedanken, sonst hätte ich mich vielleicht nicht auf den Weg nach ganz weit oben begeben.

Ich kletterte jedenfalls weder Gämsengleich noch flitzte ich Eidechsenhaft den Berg hinauf. Stattdessen war ich nach jeweils 6 bis 8 Schritten, manchmal waren es auch nur 5, so sehr außer Atem, dass ich anhalten musste. Dabei brannte die Sonne auf mich ein und der Wind pfiff mir um die Ohren.

Und natürlich war es dann toll, als ich oben war.

Und der Blick war wunderschön und es fühlte sich frei und weit an in mir und um mich herum.

Aber ich musste auch wieder nach unten. Und die Eidechse wollte mit und verkrabbelte sich so in meinen Rucksack, dass ich sie nur mit Mühe herausschütteln konnte. Danach machte ich mich allein an den Abstieg.

Morro do Furado

Der Abstieg war dann weniger mühselig als der Aufstieg. Unten angekommen warf ich noch einen Blick zurück und hinauf, schüttelte den Kopf und murmelte ein „Ich bin doch verrückt“ vor mich hin.

Auf dem Rückweg freu ich mich, den anstrengendsten Teil nun hinter mir zu haben und mein Blick fällt wieder auf die kleinen Dinge.

Zum Beispiel auf diese gelben, stacheligen Früchte, die etwas wie Tomaten aussehen aber Stacheln wie Stachelbeeren haben. Was mag das nur sein?

Und weil ich noch viel Zeit habe, bis der Bus zurück fährt, mache ich ein paar Fotos.

Und klettere viele steile Stufen nach unten.

Denn unten ist das Meer und dort bleibe ich eine Weile erschöpft in der Sonne liegen.

Bis ich dann wirklich los muss. Noch ein letzter Blick.

Der Bus kommt gerade um die Ecke als ich an der Haltestelle ankomme. Aber ich habe noch viel Zeit um mir am mobilen Kiosk Wasser zu kaufen, denn zuerst wird noch die große Frontscheibe vom Busfahrer geputzt.

Die Rückfahrt dauert 1,5 Stunden und ich bin müde und glücklich als ich ankomme. Ich koche Nudeln mit Tomatensoße und dazu gibt es ein Bier.

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