Madeira – Von Camacha nach Monte

Für den nächsten Morgen hatte ich mir zunächst schwimmen im Pool vorgenommen. Es sprühregnete und windete aber so sehr, dass alle Liegestühle aufeinandergetürmt und der Pool mit rotweißem Band gesperrt wurde. Schade. Stattdessen also Yoga, Balkontee und -kaffee, in den Sprühregen gucken und dabei überlegen, ob ich trotzdem meine erste Levada – Wanderung starte. Levadas sind künstlich angelegte Wasserkanäle und sie durchziehen die ganze Insel. So eine Wanderung am Wasser entlang klingt für mich sehr verlockend.

Na klar. Rucksack gepackt und los. Zuerst mit dem Bus zum Busbahnhof von Funchal. Dort einen Kaffee trinken, denn der Bus nach Camacha fuhr erst in 30 Minuten. Dann in den Bus gestiegen und die steilen Berge hinauf und hinunter gekurvt und geruckelt, bis ich nach nochmal 30 Minuten in Camacha ankam. Ich hatte noch Zeit schnell ein Foto von den ersten zwei Balkonen zu machen, bevor der Regen losging und ich schnell die Regenjacke von ganz unten aus dem Rucksack zog.

Zunächst bin ich etwas herumgeirrt. Das Schild ‚Levada da Serra do Faial‘ hatte ich übersehen.

Blumen und Vogel aus Plastik im Käfig. Es mag zwar aussehen wie strahlender Sonnenschein, geregnet hat es aber trotzdem.

Die Straße ging sehr steil nach oben und ich brauchte immer mal eine kleine Fotopause.

Manchmal wurde der Regen so stark, dass ich kurz an umkehren dachte. Aber nun hatte ich den richtigen Weg gefunden, die Sonne schien wieder, also weiter.

Hier gehe ich nicht geradeaus zur Bar sondern biege nach links ab zur stillgelegten ‚Levada da Serra do Faial‘.

Wer sich nun fragt, warum ich mir ausgerechnet eine stillgelegte Levada ausgesucht habe: hab ich wohl überlesen im Wanderführer. Dort rechts wo alles so schön grün ist und unter der Treppe und hinter der Treppe ist die Levada zunächst unter Betonplatten und Metallgittern versteckt.

Bald sind weit und breit keine Häuser mehr zu sehen und ich durchlaufe ein weites Tal. Der Regen ist wieder stärker geworden und ich lasse die Kamera über eine längere Strecke im Rucksack.

Dann wieder Sonnenschein und bunte Blumen.

Recycling aus Fahrradreifen.

Ich hatte schon fast geglaubt, es gäbe keine Katzen auf Madeira.

Noch mehr Recycling. Fahrradzaun.

Vor Katzenfreude hätte ich beinahe verpasst hier abzubiegen.

Irgendwann überquere ich einen kleinen geteerten sehr steilen Weg. Ich bleibe eine Weile stehen, weil es fast gefährlich ist die Straße zu überqueren. Dabei sieht es so lustig aus, wie die Kastanien mit dem Wind die Straße herunter kullern.

Kurze Zeit später riecht es sehr streng nach Ziegenkäse und ich wundere mich. Bis mich dieser Ziegenbock etwas gelangweilt ansieht.

Das sind wohl weder die berühmten Lorbeerbäume von Madeira noch Eukalyptus. Schön fand ich sie trotzdem.

Und auch wenn die Levada stillgelegt ist, ist es schön dort entlang zu laufen und etwas Regenwasser sammelt sich ja auch.

Die Sonne ist wieder da.

Ich bin immer noch auf dem richtigen Weg sagt die blaue Markierung. Es ist die erste und einzige Markierung die mir begegnet.

Hübsche Schoten. Was der Baum wohl für einen Namen hat? Er kommt mir zumindes bekannt vor.

Das ist jetzt aber wirklich Eukalyptus.

Kein echtes Hindernis.

Und dort unten glitzert ist das Meer.

Genau an dieser Stalle kam der Zeitpunkt, an dem ich einfach nicht weiter mit Schuhen laufen konnte.

Sehr große Fußfreude. Ich hätte schon viel früher die Schuhe ausziehen sollen.

Orangene Samen einer unbekannten Frucht.

Farn schmiegt sich an feuchten Felsen.

Zaun.

Vorerst das Ende vom Barfußglück.

Kleiner Tausendfüssler.

Ab hier suche ich fast eine halbe Stunde nach dem richtigen Weg.

Dabei habe ich, wie im Wanderführer beschrieben, die Hausruine erreicht und auch das Fußballstadion von Coupana gesichtet. Und dann biege ich in die Zufahrt zum Coupana Hills Resort ab, statt vorbeizulaufen.

Also wieder zurück und nochmal genau lesen und suchen.

Und finden. Hier ist sie, die ‚Levada dos Tornos‘. Nicht stillgelegt sondern voller Wasser und an ihr laufe ich nun sehr lange entlang.

Ich laufe entgegen ihrer Fließrichtung und sie fließt rechts von mir und nicht links wie auf dem Foto. Ich muss mich nur manchmal umdrehen und schauen woher ich komme. Zunächst laufe ich durch das Coupana Hills Resort. Was toll klingt und schön aussieht ist 2016 abgebrannt.

Es ist aber immer noch Privatgelände und nur der Levadaweg darf benutzt werden.

Rostige Federn

Kleines Ding mit rostigen Schrauben.

Zu gerne wäre ich durch die Ruine geklettert.

Da ich aber schon verbotenerweise unter der Absperrung hindurchgekrochen war, obwohl mir kurz zuvor zwei Männer auf einem der Bungalow Balkone begegnet waren, bin ich umgekehrt und brav an der Levada weiter entlang gelaufen.

Kleine Blume.

Samenstand der kleinen Blume.

Zwischendurch habe ich immer mal meine Beine ins kalte Wasser baumeln lassen. Schuhe brauchte ich hier nicht mehr.

Schon wieder eine unbekannte Blüte.

Hummel an Schmucklilie, deren wissenschaftlicher Name Agapanthus ist. Also wenn ich dann schon mal was weiß muss ich auch damit protzen.

Und dies hier sind Montbretien. Den wissenschaftlichen Namen Crocosmia crocosmiiflora hab ich gerade abgeschrieben.

Über etwas rutschige Steine bin ich auch gelaufen. Mit Schuhen.

Stimmt. Ich bin nun Fan von Levada Wanderungen.

Katze auf dem heißen Blechdach.

Ab hier war mein Ausflug nicht mehr ganz so entspannt. Kurz nach der kleinen Lampe wurde ich von Hunden bebellt. Als ich stoisch weiter lief und mich gerettet wähnte, kamen zwei der Hunde laut bellend hinter mir her. Ich hab sehr geschwitzt. Glücklicherweise hat mir keiner von ihnen in die Wade gebissen. Dann hatte ich eine Weile den Eindruck ich hätte mich verlaufen. Ich konnte mich nicht mehr an der Levada orientieren, weil sie unter einem Haus verschwunden war. Ich war aber auf dem richtigen Weg. Der war aber jetzt ein echter Weg und steinig und steil und bereitete mir immer mal Schweißausbrüche. Aus der Ferne sah ich eine Brücke über einem Abgrund und murmelte mir Zuversicht und Mut zu. Umkehren war keine Option. Ich verstaute alles unnötigen Dinge wie Kamera und Wasserflasche im Rucksack und benutzte sämtliche Gurte um den Rucksack an mir zu befestigen und schritt festen Schrittes aber ängstlichen Herzens voran. Die Brücke war breiter als vermutet und ich musste etwas über mich lachen. Und der Rest des Weges war beschwerlich aber nicht gefährlich.

In Monte angekommen gab es Pizza mit Blick auf die Seilbahn.

Nach der Pizza habe ich sehr müde an der Bushaltestelle gesessen und auf den Bus gewartet. Die Seilbahn hatte schon lange geschlossen.

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