KW31 – Stadt, Land, Fluss und wie es dazu kam, dass ich im Fluss schwimme

Wenn ich überlege was ich in dieser Woche gemacht habe dann fällt mir zuallererst die Fulda ein. Und dabei bleibt es dann auch. Denn ich habe die Fulda entdeckt. Natürlich kannte ich sie schon immer, denn ich wohne seit 37 Jahren in Kassel und auch vorher hatte ich schon von ihr gehört. Abe in diesem Jahr habe ich sie zum ersten Mal als Badefluß erlebt. Vorher war sie einfach der große Fluss der durch Kassel fließt. Im Winter habe ich sie manchmal vollständig vergessen. Im Sommer, auf dem Weg in den Schrebergarten dachte ich: „Ach, dich hatte ich ja ganz vergessen. Schon schön das du hier so groß und breit entlangfließt.“ Und wenn ich manchmal, eher selten, an ihr entlang Richtung Nordstadt geradelt bin, dachte ich sogar: „Toll, hier sind ja sogar Schiffe, es fühlt sich an wie Urlaub in einer anderen Stadt.“ Eben in einer Stadt am großen Fluss. Aber nun, nun habe ich entdeckt das man im großen Fluss auch schwimmen kann. In den letzten Jahren hatte ich schon bemerkt, das dort immer mal Menschen drin schwimmen, aber ich hab immer gedacht es wäre total gefährlich und womöglich auch verboten. Man darf in der Fulda rudern, paddeln, Kajak fahren, angeln ….aber schwimmen eben nicht unbedingt. Weil es ein total gefährlicher reißender Strom ist. Quatschgedanken eben.  Und dann komme ich aus dem Urlaub zurück und die Kollegin S. erzählt: „In der Türkei war ich ja diesmal nicht am Meer, aber seit ich wieder hier bin war ich jeden Tag mit M. in der Fulda.“ M. ist ihre Tochter, 4 Jahre alt. Da wurde ich dann doch neugierig, denn wenn eine Vierjährige in die Fulda geht dann kann ich das ja wohl auch. Außerdem wurde noch berichtet das das Wasser eher kühl sein sollte. Und kühles, am liebsten ja sogar kaltes, Wasser finde ich toll. Ist aber leider gerade nirgendwo zu finden. Die Schwimmbäder sind mir zu voll und das Wasser dort zu warm, an der Buga ebenso. Am Dienstag war ich im Bühl in Ahnatal/Weimar: viel zu voll und auch das Wasser total warm. Und nun also die Fulda. Am Donnerstag nach der Arbeit war es dann so weit. Wir sind zu S. geradelt, sie hat ihre und M’s. Badesachen gepackt, dann haben wir M. abgeholt und los ging es ans Fuldaufer. Es war einfach toll und das Wasser kalt. Große Begeisterung. Es gibt viele Möglichkeiten ins Wasser zu steigen. Man kann allein am Ufer sitzen oder sich einen Platz in Gesellschaft suchen. Perfekt. Und so habe ich am Freitag die Thermoskanne mit Kaffee eingepackt und bin vor dem Büro ins Wasser gesprungen.

Und anschließend mit der Kaffeetasse in der Hand zugeschaut was sich so am und auf der Fulda tut.

Am Samstag dann gleicht noch einmal an einer anderen Stelle.

Dort hatte ich mich dann auch zum Frühstück verabredet. Es gab ein kleines türkisches Frühstück denn ich war mit der liebsten H. verabredet die so lange in Istanbul gelebt hat und nun zurückgekehrt ist. Ich habe ihr von meinem diesjährigen Istanbul Urlaub erzählt und was sich schon wieder alles verändert hat und wir haben über die Situation in der Türkei gesprochen.

Nun freue ich mich dauernd sehr darüber in einer Stadt mit Badefluss zu wohnen. Toll. Toll. Toll.

Am Sonntag, was ja heute ist, bin ich aber nicht sofort am Morgen losgestürmt um zu baden sondern auf dem Balkon sitzen geblieben. Dort habe ich gelesen und viel in die Luft geguckt und Kaffee getrunken. Dann ist mir eingefallen: „Der Balkon wird im Oktober zu einem Wintergarten umgebaut. Ohje! Sehr wahrscheinlich sind das nun die letzten Glockenreben über die ich mich freuen kann. Ab Oktober wird alles anders.“ Die Blüten der Glockenrebe sind zuerst wieß und werden dann lila.

Und schon ging es los und ich habe wild alles geknipst was dort gerade grünt und blüht. Die Calla aus Amsterdam hat nun 6 Blüten.

Löwenmäulchen.

Hier trinke ich fast jeden Tag Tee oder Kaffee. Auch im Winter, dann mit Wolldecke. Ich bin also hin-  und hergerissen über die Neuerung. Ich finde es toll und dringend nötig, das alle im Haus neue Fenster bekommen. Es leuchtet mir aber nicht unbedingt ein, warum die Loggia eine Verglasung bekommen soll und dann ein Wintergarten ist. Da es aber nicht zu ändern ist, freue ich mich über jeden Moment, den ich bis dahin dort verbringen kann.

Nach der Balkonknipserei habe ich eine kurze, aber blitzschnelle Reinigung der fast ganzen Wohnung vorgenommen. Anschließend Frühstück.  Kleine Kissen, Decke und Teller aus Marokko, großes Kissen und Menemen-Pfännchen aus der Türkei und Topflappen: deutsche Häkelkunst von Erica.

Und dort fuhr ich dann anschließend auch hin. Zu Erica. Denn am ersten Sonntag im Monat findet das Wald-Café statt. Dort gibt es selbstgebackenen Kuchen, Bratwurst und Getränke. Los geht’s. Auf dem Weg liegen viele abgebrochene Äste noch von den wilden Herbstwinden. Erica sagt:“Hier würde dein Vater sich freuen und gleich mit dem Auto hinfahren und das ganze Holz holen“. Wir klettern über das Holz und lassen es liegen. Aber ich nehme mir vor im Herbst mit Erica spazieren zu gehen und Tannenzapfen zu sammeln denn damit macht sie den Ofen in der Küche gerne an.

Erica geht gern ins Wald -Café weil sie dort Leute trifft, Kuchen essen und plaudern kann.

Ich gehe gerne dort hin weil wir vorher durch den Wald spazieren, weil es dort Kuchen gibt und wenn man am Café vorbei und den Hang nach unten geht, an die Warme kommt. Die Warme ist ein kleiner Fluss der in der Diemel mündet. Zumindest habe ich immer geglaubt es ist ein Fluss denn die Nebel oder Nebelbeeke ganz in der Nähe von unserem Haus entlang fließt, ist viel kleiner. Aber im großen Internetz steht, ist die Rede von der Warme auch als Warmebach. Wirklich groß ist sie ja nun auch nicht.

Was mir aber am wichtigsten ist: das Wasser ist recht kalt und ich kann hindurchlaufen. Und das tue ich auch immer wenn wir im Wald sind. An manchen Stellen geht mir das Wasser bis über die Knie.

Die Stühle standen beim letzten Mal noch nicht dort.

Da hat sich doch tatsächlich wieder etwas Springkraut eingeschlichen.

Danach bin ich durstig und hole mir Wasser im Café. Ganz hübsch ist es auch drinnen, auf jedem Tisch stehen frische Rosen. Trotzdem sitze ich am allerliebsten draußen unter den Bäumen.

Auf dem Rückweg bemerken wir, das sogar im Wald der Boden überall aufgerissen ist vor Trockenheit.

Kommen an einem Busch mit Beeren vorbei. Leider wissen wir beide nicht was das für Beeren sind. „Die sehen giftig aus“ sagt Erica.

Während ich ein schwitzendes Schaf, den Mais, ein Stoppelfeld, vertrocknete Gräser, und vertrocknete Blumen knipse, macht Erica eine Pause.

Dann laufen wir an den Schlehenbüschen vorbei, bei denen ich immer an meinen Opa denken muss. Der sagte mal als ich noch ein Kind war: „Hier, probire ma ne Schlei.“ Die hat für mich damals sehr seltsam geschmeckt und den Namen dieser Beere fand ich genauso seltsam.

Zurück in Kassel werden die Blumen gegossen, die Füße gründlich gereinigt, die Tasche für morgen gepackt und noch ein wenig in den Abendhimmel geschaut.

 

 

 

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