Istanbul – Von Innen nach Außen

Nachdem ich ein paar Tage hin&her überlegt habe, wie ich mit der Istanbuler Fotoflutwelle umgehen soll, die sich in den letzten Jahren angesammelt hat, habe ich mich für das „Steter Tropfen höhlt den Stein“ Prinzip entschieden. Ich werde also stetig und vermutlich bis an mein Lebensende oder Bogginglust-Ende, meine Istanbul- und auch andere Fotos abarbeiten. Wem das langweilig erscheint: einfach ignorieren. Weiter geht es jetzt mit den Aussichten. Damit meine ich alles, was ich gesehen habe, wenn ich aus den zahlreichen Fenstern meiner Wohnung geschaut habe. Zuallererst, früh am Morgen und schon vom Bett aus, habe ich die Möwe gehört und dann auch gesehen. Da das Bett direkt am Fenster stand, war das Möwengetöse nicht nur ganz besonders lautstark, sondern auch der Blick ganz besonders vorwurfsvoll. „Raus jetzt aus dem Bett du faules Stück Touristin“ habe ich verstanden. Und so bin ich aufgestanden und habe festgestellt, dass der Tag anderswo schon längst begonnen hatte. Gegenüber rechts.

Über mir.

Gegenüber links.

Der Gemüseladen hat begonnen, seine Waren aufzubauen.

Der Herr aus dem Laden mit den Gips-Büsten wartet auf seinen Çay.

Der Mann, der für die Elektrizität im Viertel zuständig ist, hat seine Tasche aufgehängt und ist dann erstmal für eine Weile verschwunden.

Eine Katze ist wach und starrt mich an.

Eine andere Katze schläft auf dem Dach, schräg gegenüber.

Dort wo der Oleander so schön blüht und links abbiegen verboten ist.

Wenn ich aus dem Küchenfenster schaue, kann ich weit den Hügel hinauf bis zur Kirche gucken.

Wenn ich aus dem Schlafzimmerfenster schaue, sehe ich weit den einen Hügel hinunter, über das Goldene Horn und wieder einen Hügel hinauf bis zur Moschee.

Und wenn ich nicht ganz so weit schaue, dann sehe ich diesen Balkon.

Auf den gleichen Balkon habe ich schon geschaut als ich 2014 für fünf Wochen in Istanbul war und ganz in der Nähe gewohnt habe. Auf dem Bild so rechts mittig mit den Antennen zu sehen.

Später am Tag, wenn die Hitze sich über die ganze Stadt gelegt hat, weht die Gardine nicht mehr im Wind, sondern hängt müde aus dem Fenster.

Auch die Wäsche wurde schon hereingeholt. Vielleicht wird befürchtet, sie könnte in der Sonne zu Staub zerfallen.

Unten im Wasserladen sind Fenster und Türen geschlossen.

Eine anneanne  (Großmutter) wartet vielleicht darauf, dass die Enkeltochter zu Besuch kommt.

Wird es noch später, kehrt die Geschäftigkeit zurück.

Ein Tisch ist flott aufgebaut und eine Nachbarin zum gemeinsamen Sitzen schnell gefunden.

Die Möwen rufen sich ein İyi akşamlar zu. (Und ich ärgere mich einmal mehr über die Sensorflecken.)

Der kleine Tisch und die Stühle haben Feierabend.

Noch einmal rasen viele Autos die Straße hinunter und halten mich wach. Aber irgendwann kann ich dann auch einschlafen.

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