KW 48 – Eine Dienstreise ins Vergnügen

Mit der Aussicht auf eine halbe Dienst- und die andere Hälfte Vergnügungsreise begann die Woche sehr beschwingt. Montag, Dienstag und Mittwoch also vorfreudiges so-dahin-arbeiten. Am Mittwochnachmittag warte ich am Bahnsteig auf die Kollegin, die in vorletzter Minute angerollkoffert kommt. Sie lacht mich ein wenig aus, denn meine Rollkoffertasche ist recht groß. Ich habe aber keine andere. Kann ja nicht für jede Gelegenheit die passende Tasche haben. Die Fahrt ist im Nu vorüber und so rattere ich mit meiner zu großen Rollkoffertasche durch Neukölln zur lieben M. Wir haben uns im Juni zum letzten Mal gesehen und ich freue mich sehr.  Auf dem Weg dort hin sind die Fenster hell erleuchtet.

Und weil ich so ein Gewohnheitstier bin und die Pizza von um die Ecke so lecker ist, hole ich uns Pizza, wir sitzen in der Küche und erzählen bis halb 1. Am nächsten Morgen werde ich trotzdem früh wach und habe Zeit zum trödeln und im Café sitzen. Dann mache ich mich auf den Weg zum Estrel Congess Center und sehe zwei Zwillingspärchen und einen Mops, etwas gequetscht, in einem Schaufenster sitzen. Keine Zeit sie zu befreien denn die Kollegin erwartet mich pünktlich.

Es ist so schlimm kalt und ich wünschte, ich hätte eine Strumpfhose unter der langen Hose. Ostwind und so. Hatte ich vergessen. Ich fahre wegen intensivem aus dem Fenster schauen eine Station zu weit mit dem Bus. Macht nichts, so kann ich mir die große Baustelle genauer ansehen.

Die Kollegin erwartet mich schon und so hören wir zwei Vorträge, nehmen an Workshops teil und werden bestens und eigentlich ununterbrochen mit kleinen Häppchen, Kuchen, Kaffee, Tee, Mittagessen, wieder Kuchen usw. versorgt. Der Service ist tiptop. Bis zum nächsten Tag um 13 Uhr mittags esse ich nichts mehr. Es gibt ja Menschen, die am Abend ausgehen wenn sie in Berlin sind. Ich nicht. Ich sitze gerne in der Küche oder im Sommer auch auf dem Balkon und erzähle mit der M. Am Freitag muß ich um 9 Uhr bei der Tagung sein, habe aber noch Zeit für ein schnelles Foto. Sehr gerne esse ich Linsenköfte, aber es ist eindeutig viel zu früh dafür und satt bin ich ja auch noch.

Um 15 Uhr ist der dienstliche Teil der Reise vorüber und die Vergnügungsreise geht weiter -nicht das ich nicht an den vorherigen Abenden schon viel Vergnügen gehabt hätte und mit der Kollegin ist es auch immer sehr vergnüglich. Ich fahre zum lieben C. Leider hatten wir nicht so viel Zeit wie ich mir gewünscht hätte, denn er war schon dabei für seine Reise nach Kassel zu packen. Haben wir schlecht abgesprochen. Nächstes Mal wird alles anders. Eine schöne Zeit hatten wir trotzdem. Anschließend bin ich gründlich durch mein Lieblingskaufhaus, das Karstadt am Hermannplatz, gelaufen.

Die Ausbeute war beachtlich. Meine Liste der Bücher, die ich gerne lesen möchte ist nun noch länger. Ich habe keins gekauft aber viele Titel fotografiert. Ich war in der „Bunte Schachteln“- Abteilung und habe mir Schachteln in allen möglichen Größen und Farben angesehen. Ich bin durch die Damenbekleidungsabteilung gelaufen und habe nun neue, total fetzige, schwarze Socken. In der Sportabteilung habe ich nichts gekauft und auch nichts fotografiert. Am Ende bin ich ins Erdgeschoß gefahren. Dort gibt es eine Theke an der Käse, Wurst und Antipasti verkauft wird. Und zwei sehr begabte Verkäuferinnen die ihren Beruf sehr ernst nehmen. Weshalb ich am Ende immer alles in der Tasche habe was ich kaufen wollte, plus noch mindestens zwei weitere Sorten Oliven, dicke Bohnen oder Käseaufstrich, die mir empfohlen wurden. In anderen Lebenslagen kann ich sehr gut nein sagen. Dort gelingt es mir schwerlich. Ganz zum Schluss bekommt man noch irgendetwas zum Probieren geschenkt. In einer kleineren Menge. Weshalb ich dann am nächsten Tag noch einmal hingehen musste, um genau davon ein wenig mehr zu holen. Und dann sah ja auch der Auberginenaufstrich noch so lecker aus….. Leider sind all die Plastikdosen sehr doof. Mir fällt auch nicht so recht, ein was man daraus noch basteln könnte. Wir hatten also wieder einen sehr schönen leckeren Abend. Sekt war diesmal auch im Spiel.

Am Samstag ging es immer so weiter in der Küche. Nur der Sekt wurde durch Kaffee ausgetauscht. Um 14 Uhr wollte ich aber doch noch hinaus ins wilde Leben. Ich hatte mir eine Ausstellung im C/O Berlin ausgesucht. Es war der letzte Tag der Ausstellung und ich bin so froh, das ich noch dort gewesen bin. Die Fotografien sind schwarzweiss. Es gibt eine Portrait Serie sehr alter und kranker Menschen, Fotografien von AIDS-Patienten, Paare, Selbstportraits mit seiner Frau und Aufnahmen aus Boston, New York und Camebridge in den 1970er und 1980er Jahren. Außerdem ein Fotoprojekt von seiner Frau Bebe und ihren drei Schwestern die er seit 1975 über 42 Jahre lang, jedes Jahr fotografiert hat. Ich habe dabei oft an eine Freundin gedacht die auch 3 Schwestern hat und der die Ausstellung sicher gefallen hätte.

Später hatte ich Lust auf einen Spaziergang. Der ging am Tiergarten vorbei. Ich konnte nicht an den Kamelen vorbei ohne auf Zehenspitzen über den Zaun zu knipsen.

Die Krähen haben mich eine Weile begleitet. Im Tiefflug und mit Getöse.

Es war schon etwas dämmerig und so war ich nicht wirklich gut orientiert und sehr überrascht als ich irgendwann nach oben geschaut habe.

Immer weiter bin ich gelaufen. Menschen beim fotografieren fotografiert.

An beleuchteten Baustellen an denen U-Bahnen vorbei brausen entlang.

Bis ich dann letztendlich wieder bei M. angekommen bin. Im Hausflur kann ich durch das kleine Fenster schon die Innenhofwandbeleuchtung der Nachbarin sehen. M. sagt  jedes Jahr ab dem 1. Dezember findet das Schauspiel statt und dauert bis in den Januar hinein. Sie freut sich schon immer darauf und das kann ich gut verstehen und bin auch ganz begeistert. Unser Abend verläuft so wie die Abende zuvor, es wird nur noch etwas später.

Sonntag werde erst um 10 Uhr wach und habe eine Nachricht von zwei Freundinnen, die ich einige Jahre nicht gesehen habe. Sie sind gerade um- und auch wieder zusammen gezogen. Und wir wollen uns unbedingt noch sehen, auch wenn mein Zug schon um 14 Uhr fährt. Also springe ich aus dem Bett, beeile mich sehr, trinke keinen Tee mehr sondern schaue nur noch einmal zum und auch aus dem Küchenfenster – keine Lightshow am Morgen – und dann verlasse ich überstürzt die Wohnung ohne mich noch richtig verabschieden zu können. Ich lasse nur einen abgerissenen Zettel auf dem Küchentisch liegen und bin etwas traurig.

Und auch wenn es nur ein Blitztreffen war, war es doch sehr schön die Freundinnen nach so langer Zeit einmal wieder zu sehen. Wir versprechen uns einen nächsten Besuch, und zwar nicht erst nach Jahren. Und dann muss ich auch schon zum Bahnhof, der adventlich geschmückt ist.

Dort treffe ich die liebe Kollegin wieder und wir fahren mit nur einem kleinen Zwischenfall (in Hannover ist der Strom ausgefallen, deshalb mögen wir doch bitte alle in einen anderen Zug steigen) zurück nach Kassel. Dort gibt es Suppe und ich liege früh im Bett.

 

 

 

 

 

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