KW 46 – Was ich gemacht habe als ich vergessen wurde

Am Samstag habe ich Samstagsdinge erledigt: Lange schlafen, Wäsche waschen, lesen, staubsaugen, lesen, lesen, Kaffee trinken, lesen, einkaufsfein machen. Um mich anzumelden habe ich bei Erica angerufen. Aber sie ging nicht dran. Ich fahre los und finde den Sonnenschein so schön. In Obermeiser angekommen drücke ich auf die Klingel. Nichts passiert. Nochmal klingeln. Immer noch nichts. Seltsam. Ich hole den Schlüssel aus dem Auto und nun ist mir etwas seltsam ängstlich zumute. Ich schließe die Haustür auf und rufe laut. Keine Antwort. In der Küche ist der Ofen an und knistert vor sich hin. Erica’s Hausschuhe stehen ordentlich neben dem Tischbein, das Kreuzworträtsel liegt an seinem Platz und der Bleistift daneben. Ich laufe rufend durchs ganze Haus. Niemand da. Weil auch der Haustürschlüssel und die gute Jacke nicht da ist, ist Erica vermutlich ausgegangen und hat mich vergessen. Ich klingele beim Nachbarn. Der ist auch nicht da. Dann soll ich wohl nicht einkaufen sondern spazieren gehen. Ich fahre zum Gut Laar an dem ich schon oft vorbei gefahren bin und von dem Erica immer mal erzählt hat. Und weil ich mich ja immer erst ein wenig informiere nachdem ich etwas entdeckt habe, weiß ich erst jetzt, dass ich mich zu einer Mühlenbesichtigung hätte anmelden müssen. Mehr als das rostige Mühlrad bekomme ich also von der Mühle nicht zu sehen. Dafür entdecke ich viele andere Dinge.

Laar wurde 1322 zum ersten Mal erwähnt und gehörte zum Gerichtsbezirk der Herren von der Malsburg. Sie verkauften das Gut 1691 an den hessischen Landgrafen Karl. Später wechselte es noch einige Male den Besitzer und seit 1902 gehört das Gut zu dem auch ein Schloss gehört den Nachfahren von Wilhelm von Starck.

Ein Stück weiter oben ist eine Mauer mit einem Zaun darauf. Ich vermute einen Friedhof.

Ein Blick über den Zaun gibt mir Recht. Und weil das Tor nur verriegelt, aber nicht abgeschlossen ist, ziehe ich den Riegel bei Seite und öffne die Tür. Sehr weit lässt sie sich nicht öffnen aber ich passe hindurch.

Hier finden sich die Gräber der verschiedenen Gutsherren und deren Angestellten.

Ich setze mich ein wenig in die Sonne und schaue mir die Grabsteine an.

Hier mag ich die Blumen oben rechts und links. Und was wohl das TEP unten bedeutet?

Auf einem Grab liegen die wohl letzten Ringelblumen des Jahres.

Ich zwänge mich wieder nach draußen.

Ich laufe am Wald entlang durch die Sonne. Dabei denke ich daran, das ich die gleichen Wege entlang gehe auf denen meine Eltern früher oft gelaufen sind und werde etwas sentimental.

Die blauen Schlehen sehen so schön aus…

… und die rotorangen Hagebutten.

Der Frost ist auch schon angekommen.

Die Mücken tanzen in der Sonne.

Barfuß geht noch – trotz Frost.

Zuerst höre ich sie nur. Doch dann sind sie auch zu sehen. Die Gänse auf dem Weg in den Süden. Ich habe das Gefühl sie fliegen in die falsche Richtung. Solle mir mal einen Kompass anschaffen.

Da der Weg am Wald entlang leider kein Rundweg ist, drehe ich irgendwann um. Außerdem habe ich noch etwas vor. Ich bin zu Beginn an alten Häusern vorbei gekommen. Da will ich mich etwas umsehen.

Vielleicht haben hier die Angestellten gewohnt.

Ich finde eine Tür die offen steht und stehe in einem Badezimmer.

Ich mag es wenn sich alles etwas unwirklich und vergangen anfühlt.

Auf der Veranda.

Die Gläser kenne ich. Darin wird Honig verkauft. Auch heute noch.

Vor dem Häuschen steht ein altes Auto ohne Kennzeichen aber mit einer umhäkelten Klopapierrolle.

Die Sonne steht tiefer, mir wird etwas kalt und ich gehe zum Auto zurück. Es steht direkt vorm Schloss. Denn ein Schloss gibt es auch.

Das Schloss wurde um 1790 erbaut und dahinter liegt ein großer Park mit einem Teich. Der Frosch gehört nicht zum großen Teich sondern gleich rechts neben dem Eingang war wohl ein ganz kleiner Teich – mit Seerosen, stelle ich mir zumindest so vor.

Sehr gerne möchte ich einmal einen Termin zu einer Mühlenbesichtigung verbreden und dann traue ich mich hoffentlich auch danach zu fragen ob ich vielleicht einmal einen Blick ins Schloss werfen darf. Ich bin schon einmal im Frühjahr drumherum gelaufen. Leider ist dort alles vergittert und verriegelt.

Als ich wieder zu Hause bin rufe ich noch einmal bei Erica an. Sie geht immer noch nicht ans Telefon und das wundert mich dann doch. Ist sie in den Urlaub gefahren und hat vergessen es mir zu erzählen? Am Sonntag erreiche ich sie nach mehreren Versuchen dann gegen halb 11 Uhr. „Ach ich war doch gestern in Niedermeiser. Da haben wir gesungen auf einer goldenen Hochzeit. Du bist doch in Berlin dieses Wochenende.“ sagt Erica. Ich bin nicht in Berlin. Und auch nicht anderswo. Sie hat es einfach verwechselt und geglaubt ich wäre an diesem Wochenende nicht da, könnte dafür aber am nächsten Wochenende kommen. Da kann ich aber leider nicht. Deshalb verabreden wir uns für Dienstag. Und weil ich die Tochter von Erica bin, ist es nicht schlimm vergessen zu werden. Erica ist 85 Jahre und darf vergesslich sein und ich bin in den Wechseljahren, da kann ich mir auch nicht besonders viele Dinge merken.

**Alle Informationen über das Gut Laar, haben ich – sehr originell und nach langer Recherche von hier.

 

 

 

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