47 KW November 2020 – Tatenlos herumsitzen

Es passierte nicht so viel in der letzten Woche. Ich war zu müde und antriebsschwach. Und hatte keine Ideen. Und keine Energie. Und an Kreativität hat es mir auch gemangelt. Auch wenig Kochlust. Und überhaupt keine Backlust. Im tatenlos herumsitzen und aus dem Fenster schauen war ich richtig gut. Arbeiten musste ich trotzdem.

Es gab noch ein unausgepackte Kiste. Darin hab ich drei alte Handy’s gefunden. Das in der Mitte hatte ich am allerleibsten.

Ich war im Unverpackt Laden und habe Reis, Rosinen, Walnüsse und Haferflocken gekauft.

In der alten Wohnung hatte ich insgesamt zwei Bilder an den Wänden. Ich wollte die Wände nicht kaputt machen indem ich Nägel hinein hämmere. Plötzlich brauche ich Herkunftsfamilienfotos. Dafür nehme ich sogar die kleinen Löcher in Kauf, die die Nägel hinterlassen, falls ich sie mal ab- oder umhänge. Schief sind sie natürlich auch.

Auch ganz plötzlich und unverhofft finde ich Lichterketten sehr toll. Und zwar so richtig und am liebsten überall. In der Küche hängen nun schon mal drei.

Ich mag die verwelkten Blätter vom Glücksklee im Badezimmer.

Ich habe ein verletztes Pony auf dem Bürgersteig gefunden. Jede Hilfe kam zu spät.

Ich hab die Yoga-Freundin in Mariendorf besucht. Wir wollten vielleicht spazieren gehen oder ein Yoga Video drehen oder Yoga turnen. Weil ich zu spät war, hab ich mich in den Wintergarten gelegt. Die Nachmittagssonne schien herein. Ich bin einfach liegen geblieben und hab nichts getan. Später haben wir Tee getrunken und etwas Yoga geturnt. Die Freundin sehr viel mehr als ich.

Das Bett hat sein Winterkleid bekommen. Ja, ich hab Bettwäsche, die ich nur ab November/ Dezember auf dem Bett mag. Sie knistert schön und ist überhaupt nicht weich und kuschelig.

Zum Totensonntag war ich mit Erica im Friedwald.

So schön sieht es dort gerade aus.

Danach waren wir zuerst bei meiner Oma am Grab und danach am Jüdischen Friedhof Niedermeiser. Es gibt nur noch drei Steine. Einen Gründungsstein von 1853, ein zweiter Stein erinnert an Siegmund Rosenberg, gefallen 1916 in Verdun. Der dritte Stein wurde nach 1945 aufgestellt: „Hier ruhen die Gebeine der Juden von Niedermeiser. Zeuge sei dieser Gedenkstein für alle Grabsteine, die einst an diesem Ort standen und durch Nazi-Terror vernichtet wurden. 1938-1945.“ Erica sagt: „Hier waren früher viel mehr Grabsteine und eine schöne Hecke war um den Friedhof herum. Die Nazis haben alle Grabsteine rausgerissen und da unten hin geworfen“.

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2 Kommentare

  1. Schön.
    Danke fürs Schreiben und festhalten und fotografieren.
    Ich kenne diese Stimmung auch sehr gut. Ich habe aber keine Winterbettwäsche, da bin ich etwas neidisch.

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