43 KW Oktober 2019 – Wiedersehensfreuden in Berlin

Ich starte die Woche am Montag guter Dinge und bin auch wieder ganz gesund. Im Büro erledige ich Liegengebliebenes und am Nachmittag gehe ich endlich wieder zum Yoga.

Dienstag sozialarbeite ich bis 17 Uhr. Das ist zu lange für mich denn ich hab ja eine, selbst gewählte, 30 Stunden Stelle. Schließlich will ich noch genug Zeit für all die anderen Dinge haben die ich gern tue. Am Dienstag ist das: auf dem Sofa liegen, lesen und später noch schnell die Reisetasche packen.

Nach der Arbeit am Mittwoch setze ich mich in den Zug und ab geht es nach Berlin. Ich besuche Freund*innen und gehe zu einer Tagung. Nach der Ankunft, in schöner Tradition, hole ich Pizza für die Freundin und mich, Spaßbier gibt es auch und wir sitzen den ganzen Abend nicht in der Küche, was sehr ungewöhnlich ist. Es gibt nämlich auch einen roten Salon und der ist sehr schön aber nicht immer zugänglich weil er manchmal als Ateliererweiterung dient. Zur Zeit ist aber Platz im Salon uns so sitzen wir dort und essen, trinken und erzählen bis spät am Abend. Als ich ins Bett gehe sehe ich: Das Schwein neben meinem Gästebett, was glaube ich eine Sau ist, hat Gesellschaft bekommen. Ich freue mich.

Am nächsten Morgen kann ich ausschlafen, Yoga turnen, lesen, trödeln Kaffee trinken. Erst Mittags mu ich mich auf den Weg zum Auf dem Weg zum Tagungsort machen und komme an Schwänen vorbei. So wie ich sie ansehe stecken sie ihre Köpfe ins Wasser. Unhöflich finde ich das.

Das Wetter ist sehr trüb, irgendwie gefällt mir das und ich finde es schön am Wasser entlang zu laufen.

Wie gut, dass ich schon Kaffee hatte, hier bekomme ich keinen. Aber ich mag die Farben.

Dann biege ich um die Ecke und freue mich den Lieblingsturm endlich einmal wieder zu sehen. Das Wetter ist immer noch trüb und womöglich muss ich die Kamera dringend zur Reinigung bringen. Das Foto mag ich trotzdem und eigentlich auch gerade wegen der Fusseln.

Weil ich nicht so richtig einschätzen konnte wie lange ich zur Alten Feuerwache laufe, bin ich zu früh. Aber ich habe Glück weil ich direkt auf in große Baustelle hinein laufe. Der Axel Springer Bau ist zwar fast fertig, aber eben noch nicht ganz. Ich laufe einmal drumherum.

Neben der Baustelle ist eine kleine Straße und dort ist ein Café. Vor dem Café sitzen viele Bauarbeiter (Bauarbeiterinnen kann ich nicht erkennen) mit Neonwesten und Helm auf dem Kopf und überall riecht es nach Baustelle. Und weil ich noch Zeit habe, will ich einen Kaffee. Im Café ist richtig was los. Es ist 12:30, also beste Mittagszeit. Das Angebot ist vielseitig: Pizzaecken, Bockwurst mit Kartoffelsalat, Rührei, Muffins, Brownies, Pringles, ein riesiges Teesortiment, Schokolade, Kekse, allerlei verschiedene Kaffeespezialitäten und selbstverständlich auch Kuhmilch, Sojamilch, Hafermilch, Reismilch….dazu noch diverse Kaltgetränke und in den kleinen grünen Flaschen ist Pfefferminzlikör. Kannte ich bisher nicht. Die Bedienung ist sehr nett und lustig und der Umgangston ist rau und herzlich und es werden verschiedene Sprachen gesprochen. „Hier ist der Cappuccino. Da hinten haben wir noch Kakao und Zimt und weiß der Geier was…“. Da will ich unbedingt am nächsten Tag nochmal hin. Jetzt muss ich aber schnell los sonst komme ich zu spät.

Ich war, so zwei Wochen nachdem ich aus dem Urlaub zurück gekommen bin, noch nicht wieder so richtig reiselustig und habe dementsprechend keine rechte Lust auf die Tagung. Die zwei Vorträge die ich dann hören darf sind wirklich interessant und darüber freu ich mich sehr. Auf dem Heimweg ist es schon richtig dunkel und ich wünsche mir Straßenlaternen am Kanal entlang, ich sehe kaum wohin ich trete. Am Abend gibt es Kartoffeln aus dem Garten, Rotwein und Schokolade, wir sitzen in der Küche und ich gehe etwas früher ins Bett weil der Wecker um 7 Uhr klingeln wird. Im Bett wartet der kleine Vogel, der hatte hier im letzten Jahr schon einmal einen Auftritt.

Ganz früh laufe ich am Freitag wieder am Wasser entlang. Und am Minigolf Platz.

Die Sonne scheint und der Turm schaut um die Ecke.

Kurzer Besuch im Baustellen Café und pünktlich um 9 Uhr sitze ich im Tagungsraum. Sehr interessanter Vortrag und nette Menschen kennengelernt.

Heimweg mit Umwegen am Nachmittag. Am Fuchs vorbei.

Goldglitzernde Fahne.

Der Abend verläuft anders schön als gedacht. Einkauf für’s Abendessen im Basement vom Karstadt am Hermannplatz, einmal durch die Kalender- und Bücherabteilung und nicht durch die Wäscheabteilung denn ich habe Hunger und brauche diesmal keine Wäsche. Abendessen mit Minette. Wir trinken diesmal ernstes Bier statt Spaß – Bier, Spaß haben wir trotzdem.

Samstag um 9:30 bin ich in Charlottenburg verabredet. Auf dem Weg zur U Bahn finde ich diese „Klassiker auf vier Rädern“ im Laub neben dem Spielplatz.

In der Körtestraße streckt ein blauer Hund seine Nase in die Luft.

Häkelgardine und Gebimsel aus Paietten, Knöpfen und Troddeln.

Ich treffe mich mit den Freundinnen in einem CaféBuchKäseBrotGeschirrAllerlei Laden. Wir haben uns im Dezember zum letzten Mal gesehen und deshalb gibt es viel zu erzählen. Wir haben es schön zusammen und lecker und am Ende finden 4 große Tafeln Schokolade ihren Weg in meine Tasche. Von Charlottenburg fahre ich zur Zitadelle Spandau. Denn dort ist die Ausstellung Just Love zu besichtigen.

Leider ist fotografieren nicht erlaubt. Das ist sehr schade, denn das Licht ist ideal und wirft so schöne Schatten. Kurz bin ich endtäuscht, laufe dann aber freudig grinsend durch die Ausstellung. Es ist toll so viele der Portraits die ich so sehr gerne mag in den schönen Ausstellungsräumen zu sehen. Weil es ja nun keine Ausstellungsfotos gibt, mache ich schnell zwei Fotos von den Aquarellen auf meiner Kommode für hier unten drunter. Und hier kann man auch ein paar Ausstellungsfotos besichtigen.

Martina Minette Dreier
Martina Minette Dreier

Anschließend laufe ich über das Gelände und durch die Sonne bis zum Zeughaus in dem sich das Stadtgeschichtliche Museum Spandau befindet. Zuerst sehe ich ein Heizkissen und muss sogleich an Erica denken.

Etwas weiter hinten stehe ich vor der Vitrine mit der Uniform des „Mädchen in Uniform“ , dem Film mit Romy Schneider und Lilli Palmer von 1958, der hier gedreht wurde (wer ihn nicht kennt kann hier nachsehen) und der einer der ersten Filme mit einer lesbische Liebesgeschichte war, den ich gesehen habe.

Nach dem Museum traue ich mich, auf den Juliusturm zu steigen. Also ich traue mich nicht nur, sondern es gelingt mir auch. Während ich die ganze Zeit direkt vor meine Füße starre und atme, steige ich die Wendeltreppe hinauf und dann noch alle anderen Treppen, die an der Innenwand vom Turm liegen und etwas mehr Platz bieten. Oben angekommen atme ich ein paar Mal tief durch und schaue mich um und bin recht stolz auf mich. Runterklettern geht dann etwas leichter.

Zurück am Südstern treffe ich mich mit Minette und wir spazieren zusammen über den Friedhof auf dem mich im Juli der Platzregen überrascht hatte.

Für kurze Zeit bleiben die Schuhe an den Füßen und die Kamera im Rucksack. Aber wirklich nur für kurze Zeit.

Gießkannentreffen.

Engelsflügel.

Mittlerweile ist es 17:30 und so laufe ich zur Abendverabredung, kaufe unterwegs zu viel Falafel und Makali beim Lieblingslibanesen und verbringe den Abend mit C. in der Küche. Auch wir haben uns schon eine Weile nicht gesehen, jedenfalls nicht allein und in Ruhe. Noch ein schöner Abend. Eigentlich bin ich zu müde um zu meinem Bett zu laufen. Als ich auf der Straße bin ist aber noch so viel schönster orientalischer Trubel auf der Sonnenallee, dass ich ganz vergesse ein Taxi anzuhalten. Minette ist ausgegangen und so stehe ich in der Küche, warte darauf dass das Wärmflaschenwasser heiß wird und schaue mir den Löwen von allen Seiten an. Er ist auch neu eingezogen. Als ich kurze Zeit später im Bett liege ist es 22 Uhr. Sicher machen sich gerade viele Menschen ausgehfein. Ich hingegen liege sehr gerne früh im Bett und knipse um 23 Uhr das Licht aus.

Um halb 9:00 werde ich wach vom Regengeplätscher. Also habe ich insgesamt 9,5 Stunden geschlafen. Das war wohl nötig. Ich lese im Bett bis 10 Uhr und überlege ob ich eine Runde um den Block laufe. Draußen regnet es immer noch. In der Küche steht Minette und kocht Kaffee, so ein Glück da kann ich einfach in der Küche bleiben und es schön haben. Später noch schnell meine Sachen packen. Ich muss noch nicht mal irgendwas aufräumen, obwohl ich doch schon das ganze Wochenende von vorne bis hinten bedient wurde. Ein letzter Blick durch den rosa Salon und dann muss ich wieder Abschied nehmen, was mir zunehmend schwerer fällt.

Am Bahnhof bin ich Zeugin einer großen Kranparty und bin ganz hingerissen.

Im Zug lese ich T.C. Boyle „Der Samurai von Savannah“ und beschließe mittendrin aufzuhören. Das Buch macht mir keinen Spaß, schon „Wassermusik“ hatte mir keinen Spaß gemacht (Die einzige Frau die dort vorkommt, mutiert nach der Hochzeit von einer neugierigen, an Biologie interessierten jungen Frau zu einem konservativen Hausmütterchen und ich habe innerlich immer meine Augen verdengelt). Gute Entscheidung. Zurück in Kassel packe ich die Tasche aus, sortiere Fotos, nehme ein Wannenbad bei offenem Fenster und lege mich mit einem neuen Buch ins Bett.

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