13 KW März 2020 – Eine ganze Woche Frühling

Die ganze Woche jeden Morgen -2 bis -4 Grad. Ich bin mit Handschuhen und Sonnenbrille zur Arbeit geradelt und im Laufe des Tages wurde es immer wärmer – bis zu 17 Grad. Das war sehr toll.

Am Montag fand ich es noch seltsam, nicht einfach ins Büro fahren zu können wenn ich will, sondern im Kopf haben zu müssen, dass ich mit 10 Stunden in der Woche hinkommen muss. Am Mittwoch hatte sich die Stundenzahl dann auf 15 Stunden erhöht und am Freitag war ich bei 24 Stunden angelangt. Wenn ich meine Resturlaubstage genommen habe und auch meine Überstunden abgebaut sind, das wird in ca. 2 Wochen der Fall sein, werde ich also erst einmal 24 Stunden arbeiten. Eigentlich war ich mit 15 Stunden ganz zufrieden, denn gerne hätte ich mal eine Zeitlang mehr Zeit. Aber es gibt tatsächlich einiges zu tun und außerdem sollte ich froh sein arbeiten zu dürfen. Einiges soll und kann ich im home office machen und für den Rest fahre ich zur Arbeit. Dort habe ich ein eigenes Büro und es sind gerade immer nur maximal 4 Personen auf der Büroetage erlaubt. Ich habe also einen fast unveränderten Alltag.

Was mir große Sorgen bereitet und worüber ich mir viele Gedanken mache: All die Schulkinder, die jetzt Zuhause sind und dort mit Unterstützung der Eltern ihre Hausaufgaben machen sollen. Schon Kolleginnen und Freundinnen berichten wie schwierig das sehr oft ist und was für Ansprüche die Schulen dabei haben. Von ellenlangen Hausaufgaben – E-Mails, auszudruckenden Aufgaben oder sogar Forderungen nach Scannen der erledigten Hausaufgaben die dann zur Kontrolle zurückzusenden sind, ist dort die Rede. Dann fallen mir die Familien ein mit denen ich zum großen Teil in Kontakt bin und die oftmals weder einen Computer oder Laptop zuhause haben, maximal ein Tablet und viele nur ein Smartphone und in den wirklich allerseltensten Fällen einen Drucker. Zudem verstehen viele die gestellten Aufgaben nicht, was zwar sehr oft an fehlenden Sprachkenntnissen liegt, aber auch oft daran, dass sich noch nicht viele Schulen mit dem Thema „Einfache Sprache“ auseinandergesetzt haben. Denn Deutsch als Muttersprache allein, genügt oft nicht um die häufig sehr kompliziert geschriebenen Briefe zu lesen die in den Schulranzen der Kinder stecken. So wird letztendlich die Herkunft weiterhin über den Bildungserfolg der Kinder entscheiden und die Schere sich immer weiter öffnen.

Im Hinterhofgarten sieht es seit Montag anders aus als sonst. Das Nachbarskind darf ja nicht in den Kindergarten und die Kinderspielplätze und kleine Parkanlagen sind auch geschlossen. Deshalb wurde der Hinterhofgarten in eine Baustelle verwandelt. Das passiert natürlich sonst auch immer mal. Das ungewöhnliche daran ist, dass die Baustelle am Abend nicht abgebaut und aufgeräumt wird, sondern so stehen bleibt. Mir gefällt das, denn ich mag Baustellen sehr gerne.

Am Dienstag habe ich Erica ihre Einkäufe gebracht, diesmal ganz ohne Streit. Wir sind sogar eine halbe Stunde zusammen spazieren gegangen. Erica auf der einen Straßenseite und ich auf der anderen. Durch die neue Straße die gerade entsteht weil mehr Menschen aufs Land ziehen und dafür mehr Häuser gebaut werden. Vor einer Haustür stand der Storch und bringt ein neues Kind ins Haus herein.

Leider hat Erica über den Winter erschreckend an Kondition verloren und wir konnten nicht sehr weit laufen. Deshalb habe ich auf dem Rückweg einen Umweg über den Dörnberg gemacht. Das war eine sehr gute Entscheidung, denn das Wetter war unglaublich und so konnte ich einmal barfuß auf die Helfensteine klettern und mich dort in die Sonne legen.

Ich hab einen echten Zwerg mit oranger Zipfelmütze gesehen. Er rief laut nach seiner Mutter.

Ich wusste nicht, dass dort auch Golf gespielt wird.

Mittwoch hatte ich Arbeitsärger und habe am Nachmittag zur Ablenkung zwei Bananen-Schokoladenkuchen gebacken. Die habe ich am nächsten Tag an der Arbeit verschenkt – ich faste noch.

Beim Spaziergang am Donnerstag mit der Gartenfotografin habe ich den kleinen Koffer gefunden. Daneben war zu lesen: „Suchen ein neues Zuhause und jemand der mit ihnen spielt.“

Schnuller gefunden.

Kleiner Hundestuhl und Drucker zu verschenken.

Schöner Zaun.

Am Freitag hatte ich einen Urlaubstag. Ich war auf dem Markt und habe für die Kollegin, die immer noch in Quarantäne ist, eingekauft. Neben ihrer Wohnungstür wohnt ein goldener Hirsch.

Und im Treppenhaus hängt eine riesige Disco – Kugel um die ich sie glühend beneide.

Im Hinterhofgarten ist in der Zwischenzeit die neue Nachbarskatze vorbei gekommen. Sie scheint sich schon recht heimisch zu fühlen. Ich freue mich und hoffe zukünftig auf regelmäßige Katzenbesuche.

Jeden Morgen, also auch am Freitag, habe ich lange auf dem Balkon gesessen und Tee getrunken und anschließend eine Stunde Yoga geturnt. Die Schachbrettblume hab ich neu weil ich die vom letzten Jahr im Garten vergraben habe. Leider hatte ich sie bis Freitag noch nicht gefunden. Erst am Samstag habe ich sie unter ein paar großen Tulpenblättern entdeckt. Sie sind noch winzig klein.

Am Nachmittag fahre ich zur Yoga – Freundin bei der ich immer mal im Yoga – Haus Ferien machen darf und wir laufen fast zwei Stunden lang barfuß und im großen Abstand voneinander um den Ahlberg drumherum.

Samstag fahre ich in den Schrebergarten und treffe dort die Gartenchefin mit dem falschen Patenkind. Das Patenkind überrascht mich mit seiner Frage danach was er denn tun könnte. Oh toll, Unkraut jäten will er gerne. So ca. 7 Minuten lang. Dann hat er das Unkraut/ den Feldsalat geerntet und keine Lust mehr. „Unkraut jäten ist langweilig.“ Achso, war mir noch nicht klar. Oben ist deshalb die typische Körperhaltung eines 12jährigen bei der Gartenarbeit zu sehen.

Nach dem Schrebergarten werkele ich noch etwas im Hinterhofgarten und setze mich dann zum lesen auf mein Sommerlager am Balkon. Für Sonntag waren wieder kältere Temperaturen angesagt und das machte sich dann schon langsam bemerkbar und so zog ich um an den Küchentisch.

Später am Abend versperrt mir eine kleine Spinne den Weg zum Sofa. Also bleibe ich in der Küche sitzen.

Heute Morgen war es dann tatsächlich richtig kalt. Gegen Mittag kam kurz die Sonne heraus und ich dachte schon: „Oh Schreck, nun muss ich wohl doch spazieren gehen statt auf dem Sofa zu sitzen.“ Kurze Zeit später war sie dann aber wieder verschwunden. Ich begann Kuchen zu backen.

Während der erste Kuchen im Ofen war (es werden wohl zwei Kuchen), habe ich schnell mal Deocreme ausprobiert. Hätte ich nicht beim ersten Versuch versehentlich Zitronensäure statt Natron untergemischt – die beiden Packungen sehen sich wirklich zum verwechseln ähnlich, na gut ich hätte bei der zuckrigen Konsistenz darauf kommen können, dass etwas nicht stimmt, hab ich aber nicht bemerkt – wäre die Deocreme wirklich ruckzuck fertig gewesen. So habe ich eben 2 Versuche gebraucht. War aber letztendlich nach 20 Minuten fertig. Wenn das Deo jetzt auch noch tolle Wirkung zeigt bin ich sehr zufrieden.

Beide Kuchen sind mittlerweile auch fertig gebacken und abgekühlt. Den einen habe ich der Nachbarin gebracht. Sie arbeitet in einer Klinik und sie und die Kolleg*innen bekommen gerade keine Schokoladengeschenke von den Patient*innen. Deshalb ist großer Schokoladenmangel im Stationszimmer. Dabei ist Schokolade besonders in Corona-Zeiten besonders wichtig. Vermutlich wird sich auch noch herausstellen, dass man durch regelmäßigen Schokoladenkonsum gegen den Virus immun wird.

Mein Fastentagebuch zeigt heute Tag 21. Ich habe immer noch nicht beschlossen das Fasten zu brechen. Aber immerhin hab ich auf dem Markt schon mal ein paar Äpfel gekauft. Es scheint so als würde mein Unterbewusstsein ein Fastenbrechen planen. Ich bin gespannt.

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