Am Sonntag werde ich von seltsamen Geräuschen geweckt. So eine Art dumpfes Zischen und dann wieder einen Moment Ruhe. Ich werde langsam wach und mir fällt ein, dass es womöglich die Ballone sein könnten. Im Reiseführer steht sie machen Geräusche. Ich rechne nicht wirklich damit welche zu sehen als ich aufstehe und aus dem Fenster sehe, immerhin bin ich nur im 1 Stock und das ist nicht sehr weit oben. Aber ich ziehe den Vorhang zu Seite und bin sehr überrascht. So schön sieht das aus wie die Ballone herumschweben. Ich koche mir einen Tee, sitze im Bett und schaue dabei aus dem Fenster. Es ist halb 7 Uhr. Um 7 Uhr laufe ich barfuß durch das nasse Gras im Garten. Ganz schön kalt. Dann teste ich das Wasser im Pool. Viel wärmer als das Gras. Also zieh ich mich um und ziehe anschließend eine Weile ein paar Bahnen und schaue dabei immer wieder nach oben und freue mich.
Anschließend eine heiße Dusche, nochmal Tee und ein Blick aus dem Fenster. Es fliegen immer noch Ballone am Himmel herum aber die Nachbarin scheint es nicht zu beeindrucken. Sieht sie ja auch jeden Tag.
Nur mal so als Vorwarnung: Es folgen, vielleicht ermüdend, viele Fotos.
Der Anreisetag war lang (von 7 bis 22 Uhr) aber trotzdem kurzweilig. Ich hatte ja viel zu gucken und mein Buch ist ausgesprochen spannend und wirklich toll. Nach meiner Ankunft in sehr kurzer Zeit das Zimmer verwüstet und dann hoch ins Rooftop Restaurant. Der Magen knurrt. Dort gab es Live – Musik. Schnulzige Liebeslieder (vermute ich mal) und ein großer Teil vom Publikum konnte mitsingen und hat es auch getan. Ich leider nicht. Sehr schön war das und ich hatte Spaß. Das Essen war auch lecker. Ich habe etwas bestellt was Şakşuka hieß und gedacht ich bekomme irgendwas mit Tomaten, Aubergine und Ei, denn ich konnte mich erinnnern, dass Aubergine Patlıcan heißt. Ich bekam aber Aubergine in kleinen Stücken in Öl gebraten. Auch sehr lecker. Gerade nochmal nachgesehen und gelernt es gibt noch eine dritte Variante mit gebratener Aubergine in Joghurt Soße. Das hätte ich auch genommen. Aber es war eindeutig nicht das Şakşuka wie ich es aus Jordanien kenne – ich bin ja auch in der Türkei. Geschlafen habe ich danach leider schlecht. So spät essen bekommt mir wohl nicht. Hier unten ist die Hotelzimmerromantik des ersten Morgen zu sehen.
Die originelle Methode das Fenster zu öffnen ist nicht von mir. Hätte aber so sein können. Da klemmt eine Wasserflasche zwischen Fenster und Fensterbrett. Ist nicht so gut zu erkennen.
Es gibt viele Gründe Istanbul zu lieben. Ein Grund sind die Katzen – zumindest für mich und ich kenne mindestens noch zwei bis drei Personen denen es ähnlich geht. Jahr für Jahr fahre ich also nach Istanbul und freue mich auf die Katzen. Sie sind überall präsent und bestimmen meinen Tagesablauf und mein Tempo. In diesem Jahr hatte ich eine Ferienwohnung mit vielen Fenstern. Geweckt wurde ich am Morgen nicht von den Katzen der Umgebung sondern vom Möwengeschrei vor dem Schlafzimmerfenster.
Nachdem ich ein paar Tage hin&her überlegt habe, wie ich mit der Istanbuler Fotoflutwelle umgehen soll, die sich in den letzten Jahren angesammelt hat, habe ich mich für das „Steter Tropfen höhlt den Stein“ Prinzip entschieden. Ich werde also stetig und vermutlich bis an mein Lebensende oder Bogginglust-Ende, meine Istanbul- und auch andere Fotos abarbeiten. Wem das langweilig erscheint: einfach ignorieren. Weiter geht es jetzt mit den Aussichten. Damit meine ich alles, was ich gesehen habe, wenn ich aus den zahlreichen Fenstern meiner Wohnung geschaut habe. Zuallererst, früh am Morgen und schon vom Bett aus, habe ich die Möwe gehört und dann auch gesehen. Da das Bett direkt am Fenster stand, war das Möwengetöse nicht nur ganz besonders lautstark, sondern auch der Blick ganz besonders vorwurfsvoll. „Raus jetzt aus dem Bett du faules Stück Touristin“ habe ich verstanden. Und so bin ich aufgestanden und habe festgestellt, dass der Tag anderswo schon längst begonnen hatte. Gegenüber rechts.
Bisher war oft der vorletzte Tag vor der Abreise der schwerste. Völlig gehetzt wollte ich immer alles noch mindestens einmal sehen, essen, tun und fühlen und war innerlich mit der Verabschiedung beschäftigt. Diesmal war ich gestern recht entspannt und dachte mir immer: „Alles ok. Ich komme ja wieder. Kein Grund zum Aufregen.“ Heute war dann nun der letzte Tag und der war nicht so entspannt wie ich ihn mir gewünscht hätte. Er fing heute Morgen um 4:30 mit einem wild blitzenden und laut krachendem Gewitter an, was fast eine Stunde gedauert hat und von Regenmassen begleitet war. Die Straße vor meiner Tür war zu einem Fluss geworden und trotzdem peitschte ein Taksi nach dem anderen durch das Wasser die Straße hinunter. Gegen 11 Uhr hatte es sich dann ausgeregnet und so ging ich dann aus dem Haus. Auf dem Weg zum türk.alman. kitabevi, in dem es auch ein feines Café gibt, bin ich an diesem schönen Vogelkäfig vorbeigekommen. Glücklicherweise saß kein Vogel drin. Und irgendwie kam er mir auch bekannt vor. Entweder ein Déjà Vu oder er stand im letzten Jahr auch schon vor dem kleinen Antiquitäten-Laden.
Ich sitze vorm Velvet Café Galata, habe gerade Menemen gegessen und einen Cappucino getrunken. Dabei habe ich die vier jungen Frauen am Nebentisch beobachtet und überlegt, wie ich sie am besten ansprechen und fragen kann, ob ich sie fotografieren darf, als Seher plötzlich an meinem Tisch steht. Wir lachen uns zuerst einfach nur an und sie überlegt und ringt nach englischen Worten. Dabei schaut sie immer mal hinter sich und erhofft sich dort Unterstützung von ihren Freundinnen – zumindest interpretiere ich es so. Und so kommt dann eine nach der anderen und dann stehen alle um meinen kleinen Tisch herum und sehen mich neugierig, im besten Sinne, an. Und dann legt Seher, die in dem Moment die mutigste ist, so richtig los. Sprachlich unterstützt wird sie besonders von Neslihan. „Woher kommst du? Was machst du hier? Bist du alleine hier? Wo wohnst du? Hast du Kinder? Hast du einen Mann? Was bist du von Beruf?“ Schlag auf Schlag kommen die Fragen herausgesprudelt, nur immer mal kurz unterbrochen von der Suche nach den richtigen Vokabeln. Die lassen sich aber dank Google translate leicht finden. Ich jedenfalls kann nicht so schnell antworten, wie die Vier ihre fehlenden Vokabeln in die Smartphones tippen. Zwischendrin haben sie mich an ihren Tisch eingeladen, denn der ist viel größer als der, an dem ich sitze. Hinzu kommt noch die Besonderheit: Mein Tisch steht direkt in der Kurve, auf der Straße, der kleinen Gasse, in der sich das Velvet Café befindet. Das bedeute, immer wenn z. B. ein Lieferwagen kommt, kommt die Bedienung angesprungen, nimmt den Tisch, trägt ihn kurz nach rechts oder links, jedenfalls aus dem Weg und wenn das Auto dann vorbeigefahren ist, wird der Tisch wieder abgestellt. Ich kenne das Prozedere mittlerweile, denn ich bin ja seit 6 Jahren 1x jährlich für ca. 10 Tage Stammkundin. Wenn die Bedienung nicht in der Nähe ist, nehme ich den Tisch, stelle ihn an der Seite ab und lege die Füße schnell hoch.
Aber nun sitze ich ja am Nebentisch und kann auch einmal ein paar Fragen stellen. Und so erfahre ich, dass alle Vier aus Mersin kommen und jetzt gemeinsam tatiler (Ferien) in Istanbul machen. Sie wohnen bei Sehers Onkel. Sie gehen gemeinsam zur Schule und machen im nächsten Jahr Abitur. Danach möchten sie ein Erasmus Jahr machen. Aber da muss man erstmal abwarten, ob es klappt mit dem Abitur, befindet Neslihan. Jetzt folgt die erste Runde gegenseitiger Fotos. Ich beteuere, keinesfalls einfach irgendein Foto von ihnen zu veröffentlichen. Das stößt auf verständnislose Blicke und der Aufforderung, ruhig Fotos zu zeigen. Und ich glaube nur aus diesem Grund wurde ich dann ganz höflich gefragt, ob ich damit einverstanden sei, dass sie unser gemeinsames Gruppenfoto bei Instagram veröffentlichen.
Woran mein Blick hängen bleibt? Hier zum Beispiel an dem Spaß, den das Mädchen beim Springen über die Pfützen hatte, an dem tollen Kleid und den Rattenschwänzen. Zum Glück war ich gerade fertig mit meinem Balık Dürüm, bei Mehmet Usta in Karaköy.
Es sollte regnen am Nachmittag, da ist es gut, wenn man gleich am Morgen die Gummistiefel anzieht, besonders wenn man Elefanten auf dem T-shirt hat, denn die mögen ja auch Wasser.
Nach der etwas beschwerlichen Anreise bin ich am Montag letztendlich erst um 13 Uhr in meinem Ferienapartment angekommen. Ich war so irr&wirr und übermüdet und sehr froh darüber das mein Apartment ein echter Glücksgriff ist. Das war bisher aber eigentlich immer so. Und allein bin ich auch nicht. Es wohnt außer mir noch ein Elefant hier – was ja schon mal ein sehr gutes Zeichen ist. Dazu kommt noch eine Katze,
ein Hase und eine Gans und hinten in der Ecke wohnt der Elch.
Am Donnerstag bin ich gemütlich mit dem kleinen Bus für sehr kleines Geld nach Fethiye gefahren. Fast immer am Meer entlang und am Ende noch ein wenig durch die Hügel und Täler. Sehr schön war das. Und sehr schön war dann auch meine kleine Dachwohnung. Sie hatte ein Terrasse die fast größer war als das Zimmer. Toll. Sofort eine kleine Handwäsche gemacht.
So wie der erste Tag in Kaş, ging es fast die gesamten nächsten fünf Tage weiter. Ich mag ja Rituale für meinen Alltag und auch im Urlaub geben sie mir erst Mal ein stabiles Gefühl. Wenn mir zwischendrin doch was anderes in den Sinn kommt, dann ändert sich eben Alles. Weil es wirklich sehr heiß war, bin ich jeden Morgen so zwischen 7 oder 8 Uhr aufgewacht. Gerne hätte ich mal länger geschlafen – ging aber nicht wegen schlimmer Hitze. Und jeden Morgen habe ich trotz schlimmer Hitze Yoga geturnt. Da hab ich gar nicht nachgedacht ob es zu heiß ist, sondern einfach losgelegt mit strecken und dehnen. Und weil ich beim Yoga schon den Badeanzug an hatte, bin ich danach sofort in den Pool für eine minimale Abkühlung. Toll war, das ich jeden Morgen allein im Pool und auf der Terrasse war, denn alle anderen Gäste haben noch geschlafen. Danach Kaffee mit Buch im Liegestuhl. Und dann freute ich mich jeden Morgen auf den tollsten Moment des Tages. Das ist der Moment wenn ich zum ersten Mal in das kühle Wasser tauche. Jeden Morgen meine größte Freude. Denn wegen des kühlen Wassers, was stellenweise sogar richtig toll kalt war, hatte ich mir Kaş für ein paar Badeurlaubstage ausgesucht.