Sehr langer Istanbuler Katzen Marathon

Es gibt viele Gründe Istanbul zu lieben. Ein Grund sind die Katzen – zumindest für mich und ich kenne mindestens noch zwei bis drei Personen denen es ähnlich geht. Jahr für Jahr fahre ich also nach Istanbul und freue mich auf die Katzen. Sie sind überall präsent und bestimmen meinen Tagesablauf und mein Tempo. In diesem Jahr hatte ich eine Ferienwohnung mit vielen Fenstern. Geweckt wurde ich am Morgen nicht von den Katzen der Umgebung sondern vom Möwengeschrei vor dem Schlafzimmerfenster.

Die Katzen gegenüber haben sich von der Möwe nicht stören lassen, sondern geduldig auf ihr Frühstück gewartet.

Die Küchenfensterkatze schaut überrascht, denn normalerweise sieht sie wohl den jungen Mann in dessen Wohnung ich gerade wohne.

Nun folgen all die Morgendinge die ich so erledige: Tee trinken, etwas lesen, duschen, trödeln, um dann in schnelle Geschäftigkeit auszubrechen denn ich will um 11:00 beim Yoga sein. Es ist 9:00. Ich laufe ca. 20 Minuten zum Yoga Studio. Aber ich muss immer die Katzenzeit und eine halbe Stunde im Morgen – Café dazu rechnen. Da ist es am besten ich gehe spätestens um 9:15 los. Die Vormittagskatzen machen oft den Eindruck als würden sie noch schlafen, in Wirklichkeit warten sie auf Futter.

Nur der rote Kater gegenüber vom Café ‚Not just Coffee‘ in der Anahtar Sokak in Beyoğlu,  hat schon seinen Platz für den ausgedehnten Vormittagsschlaf eingenommen. Manchmal blinzelt er müde in meine Richtung, meistens dreht er mir aber den Rücken zu.

Fertig mit meinem Kaffee gehe ich weiter und treffe wieder eine Rote mit Fensterplatz die vielleicht einem Vogel oder einem Blatt hinterherschaut.

Auf dem Sprung.

Und dann, jeden Tag so kurz nach 10:00,  habe ich Glück und kann bei der großen Katzenfütterung in der Kumrulu Ykş. zusehen. Die Istanbuler Katzen werden meistens recht gut und auch liebevoll versorgt. Mir sind bei meinen Besuchen in der Stadt der Katzen immer wieder Menschen begegnet, die täglich die Katzen in ihrer Nachbarschaft füttern. Sicherlich nicht überall so regelmäßig und reichlich wie in den Stadtteilen in denen sich viel Touristen*innen aufhalten. Aber auch an den Orten wo die Menschen viel ärmer sind, gehören die Katzen dazu und werden liebevoll versorgt. Dieses Paar jedenfalls, treffe ich jeden Morgen zur selben Zeit und sehe ihnen dabei zu.

Und selbstverständlich kaufe ich regelmäßig diese seltsamen pinken Würstchen und Tüten mit Trockenfutter. Manchmal füttere ich damit die Katzen auf der Straße, aber meistens stelle ich die Tüten an eine Futterstelle.

An der Ecke Emanetçi Sokak, an der ich abbiegen muss, ist so eine Stelle. Ich nenne sie für mich immer der ‚Katzenkiosk‘. Der Kiosk gehört einem alten Mann. Er versorgt dort die Katzen und verkauft Blumen und vielleicht auch alte Zeitschrift, ich bin mir da nicht so sicher. Vormittags füllt sich der Platz um den Kiosk mit wartenden Katzen. Wenn ich dann um die Ecke biege, kommt der Mann oft schon die steile Straße hinauf und bittet um Geld für Katzenfutter. Und so bekommt er dann manchmal Geld und manchmal Futter von mir.

Vorerst bin ich noch nicht beim Yoga angekommen. Ich muss erst die steile Treppe der Hardal Sokak hinunter und an den ‚Hope‘ Häusern vorbei. Oh, und da liegt noch jemand im Blumenkasten.

Die ‚Hope‘ Häuser sind zwei nebeneinander liegende Häuser mit einem Graffiti oben drüber und Oleanderbüschen drumherum.

Ich finde sie passen in die Gegend und sind so richtige Cihangir Luxuswohnungen mit Ausblick.

Doch auch wenn im Eingangsbereich bunte, etwas abgetretene Teppiche und Oleanderblüten liegen, so sind die die dahinter befindlichen Wohnungen leer. Luxuswohnungen die sich niemand leisten kann.

Ein paar Stufen weiter nach unten wird stolz ein Teppich präsentiert.

Und noch ein paar Stufen weiter, in dem sehr kleinen Café auf der Treppe, bekomme ich die erste Yoga Lektion des Tages.

Bevor ich dann aber endlich die aller letzte Stufe herunter springe, jetzt muss ich mich wirklich beeilen, bleibt mein Blick noch ein Mal hängen. Dann ist aber erstmal Yoga-Zeit für mich.

In der Mittagshitze trotte ich all die Stufen wieder hinauf, die ich vor zwei Stunden hinuntergesprungen bin. Auf dem Rückweg ist die Stimmung still und träge und ich laufe an Katzen in unterschiedlichen Stadien des Mittagsschlafes vorbei. Zuerst am Katzen Kiosk. Tiefschlaf in der Kiste, manchmal zuckt ein Schnurrhaar.

Allerorten wird gründlich geschlafen.

Ich werde selbst ganz schläfrig und gehe deshalb nach hause und lege mich auch ein Weilchen nieder und denke an die Geschichten vom Prophet Mohammed. Zur Zeit des Propheten (ca. 570 – 632 n. Chr.) waren Katzen als Haustiere sehr beliebt und es gilt als gesichert, dass Mohammed ebenfalls eine oder mehrere Katzen besessen haben soll. Eine Geschichte, die Mohammeds große Katzenliebe zum Ausdruck bringen soll, geht so:
„Eines Tages wollte der Prophet aufstehen zum Gebet, aber eine Katze lag schlafend auf dem Ärmel seines Gewandes. Um das Tier nicht zu wecken, schnitt er den Ärmel ab und erschien mit beschädigtem Gewand zum Gebet“. Ich finde der grauhaarige Kater macht den Eindruck als stamme er von einer der Linien der Katzen des Propheten.

Und eine andere Geschichte so: Eines Abends als der Prophet betete, kroch eine Schlange zu ihm ins Zimmer. Der Prophet bemerkte das gefährliche Tier aber nicht und betete weiter. Doch eine seiner Katzen wurde auf den Eindringling aufmerksam und lief zu ihrem Herrchen.
Es entbrannte ein Kampf zwischen Katze und Schlange. Schließlich erwischte die Katze die Schlange am Kopf und biss diesen ab. Der Prophet der sein Gebet durch den Lärm inzwischen beendet hatte, nahm die Katze auf den Schoß, bedankte sich bei ihr und streichelte ihr sanft über den Bauch.
Es wird gesagt, dass Mohammed aus Dankbarkeit den Katzen die Fähigkeit schenkte, bei einem Sturz immer auf den Beinen zu landen.

Genug ausgeruht. Weiter geht es mit meiner Katzensafari.

Manchmal habe ich ein Katzen – Tagesthema. Sowas wie Katzen auf Autos…

Katzen auf Mopeds…

Und die zahlreichen unterschiedlichen ‚Kedi evi‘  – Katzen Häuser. Da gibt es zum einen das ordentliche Haus im Grünen.

Oder im verwilderten Garten.

Mit Schutz vor Wind & Wetter und dem berüchtigten Istanbuler Regen.

Ganz einfach, natürlich und unauffällig oder poppig, modern und kuschelig.

Schlicht und funktional.

Leichtbauweise für den schnellen Umzug in eine andere Gegend.

Für Frierkatzen.

Für die Kleinfamilie.

Mit Liebe gebaut und geklebt.

Mit Sonnendach und Veranda.

Selbstverständlich entscheidet jede Katze selbständig ob sie sich in einer Wohnung oder einem Haus oder wo auch immer niederlässt. Diese hat sich für einen Stuhl auf der Terrasse vom Bioladen Balya Organic in der Batarya Sokak entschieden.

Auf den Ausstellungsstücken eines Souvenirladens in der Galip Dede Caddesi, die zum Galata Turm führt.

Sehr vornehm auf Samtsesseln in einer kleinen Gasse in Karaköy.

Auf einem roten Pouf – très chic.

Und einem roten Teppich. Die Körperhaltung allerdings nicht ganz so majestätisch.

Auf dem Weg zur Leb-i-Derya Bar dachte ich, ich wäre falsch abgebogen, so war es aber nicht.

Vor der Dolmabahçe-Moschee sitzen ein älterer Herr und eine Katze. Während ich den Herrn frage ob ich ein Foto von der Katze machen darf, dreht sich die Katze herum und trottet davon. Da hätte ich sie mal besser persönlich gefragt. Ich will mich schon verabschieden, als der Herr sich zur Katze herunter beugt, sie neben sich halb auf sein Bein und halb auf einen der zahlreichen Plastikhocker setzt und sie mit bestimmtem Griff festhält. Mir ist nicht ganz wohl bei dieser Aktion und trotzdem habe ich das Gefühl die Katze ist uns trotz unserer ignoranten Behandlung überlegen.

So oft bin ich schon am Galata Mevlevihanesi Müzesi Müdürlüğü , am Mevlana Museum (kleines, sehenswertes Museum über den Sufi_Orden) vorbei gelaufen. In diesem Jahr habe ich es endlich besucht. Wenn man durch das Eingangstor kommt, ist gleich auf der linken Seite ein kleiner Friedhof. Und dort gibt es natürlich Friedhofskatzen. Diese sieht aus wie die Chefin, sie hat alles im Blick.

Und achtet auf die Kleine die dösend in der Sonne liegt.

Etwas weiter hinten, im Garten neben dem Museum, bleibe ich sehr lange sitzen und beobachte diese Katzenfamilie.

Kein Blick zum Abschied.

Ich finde es wirklich erstaunlich, dass ich mich tatsächlich an so viele der Katzen bzw. der Orte wo ich die Katzen getroffen habe erinnern kann. Selbstverständlich ist das nicht durchgängig der Fall. Wie soll ich mich auch an all die Sicherungskasten-Katzen erinnern. Wobei – diese hier liegt irgendwo in Balat vor einem Haus mit der Nummer 6 – fällt mir gerade ein.

Hier wiederum bin ich ratlos. Vielleicht auf dem Weg zum Yoga…

Auch die Katzen hinter Gittern kann ich nicht durchgehend Stadtteilen oder Straßen zuordnen.

Aber hier! An die kann ich mich erinnern. Auf dem Weg zum allerliebsten  ‚Velvet Café‘, Galata.

Jetzt weiß ich aber wirklich nicht mehr weiter. Nichtsdestotrotz müssen sie gezeigt werden.

Müde geworden?

Nun ist tatsächlich das Ende gekommen. Leider gibt es keinen Preis zu gewinnen. Auch nicht für die, die bis hier hin durchgehalten haben. Aber wer weiß? Vielleicht treffe ich ja jemanden wieder – in Istanbul. Jemanden der oder die einmal selbst die Bekanntschaft der Istanbuler Katzen machen möchte. Dann, ja dann würde ich sehr gerne gemeinsam ein Balık Ekmek an der Galata – Brücke essen und anschließend eine Fahrt mit der Fähre rüber nach Üsküdar unternehmen, um der untergehenden Sonne zuzusehen und dabei Rakı zu trinken. Und vielleicht legt sich dann sogar etwas weiches schnurrendes über die Beine. Klingt kitschig? Egal!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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2 Kommentare

  1. Applaus, Applaus, Applaus!!! Wiiiie großartig. Toll!! Alles toll! Tolle Fotos, tolle Geschichten, tolle Katzen, tolles wunderschönes Istanbul. Den Preis hättest du verdient! Echt wahr. Ich verneige mich!

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