KW28 – Teil II, Drei Tage Fethiye und wie ich fast einen Sonnenstich hatte

Am Donnerstag bin ich gemütlich mit dem kleinen Bus für sehr kleines Geld nach Fethiye gefahren. Fast immer am Meer entlang und am Ende noch ein wenig durch die Hügel und Täler. Sehr schön war das. Und sehr schön war dann auch meine kleine Dachwohnung. Sie hatte ein Terrasse die fast größer war als das Zimmer. Toll. Sofort eine kleine Handwäsche gemacht.

Dann knipsend durch die Wohnung gelaufen.

Yoga am Morgen. Bis um 10:30 war es noch schattig auf der Terrasse.

Nachdem ich am Donnerstag dem freundlichen Vermieter noch entrüstet beteuert habe: „Ach nein, bei dieser Hitze will ich keinesfalls 1,5 Stunden bis zu einem Strand laufen. Ich war in Kaş jeden Tag am Strand, hier will ich mich nur ein wenig umsehen und viel lesen.“ Also nach dieser Aussage, hab ich mir dann am Donnerstag Vormittag gedacht ich schaue mal ob es in Fethiye einen schönen Friedhof gibt. Es gab zwei Friedhöfe die auch zu Fuß zu erreichen waren. Der erste in 30min und der zweite in ca. 60min. Und nicht nur jetzt im Nachhinein sondern schon währenddessen habe ich mich gefragt was um Himmels Willen mich zu diesen unüberlegten Dingen treibt die ich manchmal unternehme. Die Antwort ist: eben genau die Unüberlegtheit. Zu Beginn ging es immer an der Strandpromenade entlang. Da war es ganz hübsch und der Wind hat ein wenig geweht. Irgendwann in der Vergangenheit war es wohl mal stürmisch und hat eine Blüte hinnweggepustet.

Nach 45 Minuten brauchte ich eine Pause. Ein Frühstück hatte ich auch noch nicht gehabt nur Kaffee. Während der Pause habe ich beschlossen den Sessel den ich habe in dieser schönen Farbe beziehen zu lassen.

Weiter gelaufen. Eine kleine, verstaubte, heiße Straße entlang.

Eine große, noch verstaubtere und heiße Straße entlang. Und danach wurde die Straße noch größer, verstaubter, heißer und führte…. wohin noch mal?

Es war nicht zu ergründen wo der Friedhof war. Ich bin gelaufen und gelaufen. So lange bis ich mir Sorgen um meine Gesundheit gemacht habe – und das will was heißen. Ich hatte auch so das Gefühl als wäre ich schon zu weit gelaufen und hätte vorher mal abbiegen müssen. Immerhin waren von den 60min schon 90min herum. Hm. Mein Kopf war heiß, meine Beine müde und geschwollen, ich fühlte mich schlapp. Und dann, kaum zu glauben, habe ich beschlossen umzukehren. Und für den Rückweg sogar ein Dolmuş erwogen. Zuerst habe ich einfach auf dem Absatz kehrt gemacht und bin zurück getrabt. Aber es war wirklich heiß. Also so richtig. Und an der Ecke war eine Haltestelle. In das nächste (oder den nächsten?)Dolmuş gestiegen und zurück gefahren. Kein Friedhofsbesuch. Dafür aber vielleicht einen Sonnenstich. Den wollte ich nun schnellstens mit viel Wasser verhindern. Also habe ich mich in ein Lokal gesetzt. Außer mir war dort niemand und die Bedienung deshalb wohl sehr erfreut. Dort habe ich Wasser bestellt. Viel Wasser. Am Ende waren es vier große Gläser, jeweils mit Eiswürfeln und Zitronenscheiben, sehr lecker und ein frischer Orangensaft. Ich war am nächsten Tag nochmal do. Es wurde unaufgefordert ein Wasser vor mich gestellt und wir haben gelacht.

Und so bin ich in Fethiye nur noch sehr langsam durch die Straßen gelaufen, habe hier und da geknipst, viel Wasser getrunken, an verschiedenen Eisläden Cappuccino-Eis probiert und mich ansonsten ausgeruht. Mich über bunt gekleidete Menschen gefreut.

Kleine Brüder sind manchmal wie Kletten.

Melonenlieferung.

In einem Café saßen vor mir zwei Mädchen. Vielleicht so 13 Jahre alt. Die etwas Größere hatte Geburtstag und ist vielleicht 14 Jahre geworden. Sie hatten so viel Spaß miteinander. Ein Kopf lag vor lauter Lachen immer auf dem Tisch und manchmal auch beide Köpfe gleichzeitig. Kurze Zeit später kamen noch zwei Freundinnen dazu. Sie waren auch eher schon 14 Jahre und so ging es eine Weile etwas ruhiger und erwachsener zu. Das Geburtstagskind telefonierte zwei mal aufgeregt mit ihrer Mutter um nach dem Verbleib des Kuchens zu fragen. Der Kuchen, der eine große, verzierte Torte war, wurde dann auch von der Mutter und der Schwester der Mutter, sowie zwei 8 Jährigen Mädchen und einem ca. 1 jährigen Mädchen unter großem „Hallo“ vorbei gebracht. Es wurde geküsst und gelacht und viel Radau gemacht und dann verschwanden sie und die Teenager waren wieder unter sich. Alle vier bestellten einen Iced-Latte, die Bedienung servierte den Kuchen mit einer Kerze oben drauf, „Happy Birthday“ wurde gesungen und die Kerze anschließend ausgepustet. Die waren allesamt so toll und lustig. Besonders toll war das T-shirt der 13jährigen: „Techno Teenager“ – in rosa mit schwarzer Schrift.

Der Sonntag bereitete mir etwas Unbehagen. Denn ich musste meine Dachwohnung um 12 Uhr verlassen und erst am Abend um 21 Uhr fuhr mein Bus nach Istanbul los. Und bei dem Gedanken, so in weiter Ferne einen ganzen Tag kein zuhause zu haben und womöglich auch in Istanbul nicht sofort meine Wohnung beziehen zu können, war mir etwas flau. Aber ich habe ja meine, besonders in solchen Dingen sehr patente, Freundin Smilla. Die hat mir einfach – zack – ein Hotelzimmer mit Pool gemietet und geschrieben: „So, du hast ein Zimmer mit Doppelbett und Meerblick. Du kannst da deine Tasche hinbringen und ne Runde schwimmen. Und dann bummeln. Und dann zurück und ruhen. So halt.“ Und ganz genauso hab ich es gemacht und das war eine wirklich gute Entscheidung. Nochmals ein großes Dankesehr!

Am Ende des Tages bin ich dann zum otogar gefahren. Dort fahren die Busse in alle Himmelsrichtungen ab. Und hier steht meiner. Bereit für die lange Fahrt nach Istanbul. Zwölf Stunden sollte es diesmal dauern. Proviant hatte ich schon gekauft. Wasser hatte ich natürlich auch dabei. Da mussten dann nur noch die Stützstrümpfe angezogen werden und dann konnte die große Fahrt beginnen.

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