Hauptstadtspaziergänge

Nach einer gemütlichen Zugfahrt, bin ich in die große Stadt gefallen. Und da war so richtig was los. Ich hab mich sehr überrumpelt gefühlt von all den vielen Menschen. Auf dem Weg zur Freundin hab ich überlegt ob es wohl schon immer so viele Menschen waren, oder ob es mir wegen dem Corona-Menschen-Entzug nur so vor kommt. Etwas später erfuhr ich, dass es der erste Abend ohne Ausgangsbeschränkung und mit geöffneter Außengastronomie war.

Weil die Freundin auf einer kleinen Feier war, habe ich nur schnell meine Tasche abgestellt und bin staunend durch die Straßen gelaufen. Hab im Lieblings- Karstadt am Hermannplatz viele dicke Spargelstangen gekauft und bin dann die Sonnenallee entlang zu C. gelaufen.

Wir haben keinen Spargel gegessen, sondern erzählt wie es uns seit unserem letzten Treffen in Kassel ergangen ist und dann bin ich in der Dämmerung zurück gelaufen. Es war ein sehr toller Himmel über der Sonnenallee.

Noch später dann, gerade als ich das Licht ausgeknipst hatte, kam die M. nach Hause. Also bin ich nochmal aufgestanden und wir haben bis nach Mitternacht in der Küche gesessen. Das liebe ich sehr und dazu war ich ja auch angereist. Wahlweise sitzen wir auch auf dem Balkon. Leider war das Wetter nicht immer passend.

Über mir das fliegende Schwein, habe ich in jeder Nacht gut geschlafen und bin morgens unternehmungslustig aufgewacht.

Der Morgenspaziergang sollte mit einem Corona-Test beginnen, damit ich mich sofort ins eins der zahllosen Cafés setzen könnte, wenn ich Kaffee-Lust bekam. Am Kottbusser Tor gab es die neue Moschee (Mevlana Moschee) und direkt daneben ein kleines Testcenter. Einmal die Treppe hinauf, am Reisebüro vorbei und noch eine Treppe höher. Ich war die einzige Person am Samstagmorgen. Und hätte nicht der Mensch der die Tests durchführt auf dem Teppichboden gelegen und ein wenig vor sich hin gedöst, wäre ich nach 5 Minuten fertig gewesen. So hat es 10 Minuten gedauert.

Während ich auf das Ergebnis warte, laufe ich durch die Straßen und knipse etwas rum. Negativ.

Eine Stunde später dann kam ich mir seltsam und verwegen vor. So lange war es her, dass ich draußen in der Sonne vor einem Café saß und aus einer echten Tasse Cappuccino trank.

Auf dem Rückweg kaufe ich Kuchen und sitze dann mit M. erzählend in der Küche. Kaffee gibt es auch nochmal.

Weil das Wetter sonnig ist, zieht es uns raus und wir laufen zum großen Friedhof an der Bergmannstraße.

Eigentlich wollten wir noch weiter laufen bis zum Alten St.-Matthäus Kirchhof aber es beginnt zu regnen. Also erstmal einen Platz im Trocknen suchen – und finden.

Weil das nasse Gras so verlockend aussieht habe ich keine Lust mehr weiter zu laufen sondern schlage vor, dass wir die Schuhe ausziehen und durchs nasse Gras und Moos laufen. Damit ist die M. sehr einverstanden und ich freue mich.

Wir sehen viele Engel, Vögel, ein Eichhörnchen und begeistern uns über das besonders schöne, nasse Moos. Und beißen mal von den Tannenspitzen etwas ab. Ganz lecker, sie schmecken etwas nach Sauerampfer.

Ein kleines Friedhofs-Café finden wir auch. Unbewirtschaftet.

Nach dem Friedhofsspaziergang trenne sich unsere Wege. Ich wollte noch durchs Karstadt am Hermannplatz laufen und uns dann ganz unten in der Lebensmittelabteilung leckere Dinge zum Abendessen kaufen. Leider war es nicht so nett, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich musste am Eingang mein negatives Testergebnis vorzeigen und lief anschließend durch fast völlig menschenleere Gänge. Das hat sich alles sehr trostlos angefühlt und so bin ich schnell nach unten, habe eingekauft und bin dann zurück gelaufen. Ich hatte mittlerweile großen Hunger und das Abendessen war uns dann ein Fest.

Mein Sonntagmorgenziel war das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas.

Dazu bin ich etwas länger als 1 Stunde zum Brandenburger Tor gelaufen. Dort wurde ich dann leider gestoppt. Alles war gesperrt aufgrund verschiedenster Demonstrationen. Da hätte ich mich mal vorher besser informieren sollen. Ich war etwas enttäuscht.

Weil ich aber in weiser Voraussicht im Park am Landwehrkanal einen Corona – Test gemacht hatte (Es gibt praktischerweise fast überall kleine Teststationen), hab ich mir einen Platz in der Sonne gesucht.

Beim Cappuccino trinken dem Spatz zugeschaut.

Und so war ich gestärkt für den Rückweg. Der sollte aber ein etwas anderer sein als der Hinweg. Ich lief am Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen. Dort lag eine einzelne Rose.

Kurz danach bin ich in einen kleinen Weg nach rechts abgebogen um nachzusehen, ob es das Café noch gab, in dem ich damals als die A. und ich uns kennenlernten und ich sie zum ersten Mal in Berlin besuchte, mit ihr zusammen saß. Es war noch da. Allerdings geschlossen.

Der Rückweg zog sich ganz schön lang hin.

Lange lief ich dieser älteren Dame hinterher, dachte dabei an Erica und wurde ein wenig sentimental.

Am Nachmittag lief ich mit der M. nicht mehr ganz so weit. Ich war erschöpft und so saßen wir erzählend auf der Parkbank. Erst kurz vor der Wohnung fielen wieder Regentropfen. Den Rest des Tages verbrachten wir mit einem kleinen Nachmittagsschlaf und Abendessen zum Tatort. Ich hatte sehr, sehr viele Jahre keinen Tatort mehr gesehen und habe deshalb immer mal Fragen gestellt.

Ein letzter Spaziergang am Montagmorgen.

Ich ging wieder zuerst in ein Testzentrum, diesmal mit kleiner Warteschlange vor der Tür, danach mal rechts und dann linksrum um Häuserblocks und am Ufer entlang und zwischendurch ins Café. Nicht so lange diesmal weil ich mit der M. noch ausgiebig auf dem Balkon sitzen wollte.

Und dann musste ich doch viel zu früh die Tasche packen und mich verabschieden.

Weil ich in keinem Museum und keiner Ausstellung war, damit wäre ich nach so langer Zeit überfordert gewesen, saß ich im Zug und malte mir schon mal den nächsten Besuch aus. Und der sollte vielleicht vor dem 15. August stattfinden weil dann eine Ausstellung endet, die ich gerne sehen würde. Und zum Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas würde ich dann auch noch einmal laufen.

Woran ich mich in Zukunft wieder gewöhnen muss/darf oder wie auch immer: Menschenmengen. Leicht wird das nicht.

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Ein Kommentar

  1. Schön klingt das alles! Und schöne Fotos.
    Ich würde auch gerne mal wieder so eine Fernreise machen…
    aber das mit den Menschenansammlungen wird sich für mich eine Herausforderung werden!

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