Schlagwort: Istanbul

Letzte Tage in Istanbul

Vor noch nicht ganz einem Jahr, im August 2021, war ich in Istanbul und habe dort meine sehr langjährige Freundin Smilla von Smilla’s blog getroffen. Was wir dort alles erlebt haben, ist hier und hier zu sehen. Aber sie ist früher abgereist und ich hatte noch ein paar Tage alleine in der großen Stadt. Natürlich wollte ich sehr schnell, als ich zurück war, auch noch meine Erlebnisse verbloggen – aber immer kam etwas dazwischen. Im März diesen Jahres kam dann der tief in mir schlafende Ehrgeiz, den ich schon fast vergessen hatte, zum Vorschein. Er sagte, ich solle doch wenigstens bevor ein Jahr vorüber ist den Blogpost fertig machen. Nun hat es 4 Monate gedauert. Aber hier kommt er nun angezockelt.

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Alte und neue Wege, Baustellenkontrolle, tiefgründige Gespräche und Fährenglück

Foto: Smilla Dankert

Am nächsten Morgen werde ich in der muffigen Ferienwohnung wach. Ich trinke Tee im Bett und bin etwas wehmütig, weil mir das Cihangir Yogastudio fehlt. Es ist nicht nur einfach geschlossen, sondern auch das Schild am Haus wurde entfernt. Vermutlich ist Corona der Grund dafür. In einem weiter entfernten Stadtteil gibt es noch eine Filiale, aber der Weg ist zu weit um dort jeden Vormittag hin zu fahren. Das finde ich sehr, sehr schade, denn der Yogaunterricht hat mir dort so viel Spaß gemacht, meinen Tag strukturiert und ist seit all den Jahren für mich so eng mit meinen Istanbul Besuchen verbunden. Deshalb bin ich etwas traurig und fühle mich ein klein wenig verloren.

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Eine unliebsame Überraschung, ein freudiges Wiedersehen, ein Nachmittag in Balat und ein Balık Dürüm am Abend

Foto: Smilla Dankert

Ich beginne gleich mit der unliebsamen Überraschung, weil es das Erste war, mit dem meine Istanbul Tage begannen. Nach den Tagen auf der Insel fuhr ich mit der Fähre nach Eminönü, rollkofferte über die Galata Brücke, stieg in die Tram und an der nächsten Station wieder aus und stand kurze Zeit später vor dem Haus mit meinem Apartment. Die Schlüsselübergabe mit dem Inhaber vom Lebensmittellädchen gegenüber klappte prima und so stand ich wenige Minuten später in meinem Apartment. Und sah erstmal nichts. Oder sehr wenig. Eigentlich nur die Umrisse der Möbel. Denn es war sehr dunkel im Zimmer. Dabei war es 13:30 und die Vorhänge waren offen. Aber zu den Fenstern kam wenig bis kein Licht hinein und einen Blick hinaus gab es auch nicht. Wenn ich mich weit genug aus dem Fenster neigte und den Kopf verdrehte, konnte ich sehr weit oben ein dreieckiges Stück Himmel sehen. Außerdem hat es sehr, sehr unangenehm nach Rauch gerochen und ein benutzter Aschenbecher stand auch auf dem Tisch. Die Wohnung war also ein Griff daneben. Da hat es auch nichts genützt, dass sie ansonsten hübsch eingerichtet war. Das hat mir erstmal die Ankunftsfreude etwas getrübt. Und nein, ich gehöre nicht zu der Sorte Ach ich schlafe da ja nur Menschen. Da wo ich schlafe muss ich mich wohl fühlen und das konnte ich dort leider nicht. Weil es aber nun nicht zu ändern war, wollte ich bitte nicht mehr darüber nachdenken. Und um nicht mehr daran erinnert zu werden gibt es auch kein Foto.

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Auf den Spuren von Kaybid

Boğazkesen Caddesi, Beyoğlu

Jedesmal wenn ich Istanbul besuche bin ich voller Vorfreude. Ich freue mich über die Katzen die an jeder Ecke auf mich zu warten scheinen, auf die wilde bunte Menschenmischung, auf das leckere Essen, den Bosporus und die Boote die immerzu hin und her fahren, die steilen Straßen, den Regen und den wilden Wind dazu der die aufgereihten Mopeds schepperdischepperkrawumm eines nach dem anderen umwirft, den Lieblingspark, die Cafés, das Lieblingsyogastudio und es könnte noch lange so weiter gehen. Worauf ich mich außerdem noch immer freue und wofür ich genausooft stehen bleibe wie für die unzähligen Katzen, sind die vielen kleinen und großen Kunstwerke in den Straßen.

Kadıköy
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41 KW Oktober 2019 – Die Woche in Katzen und was es sonst noch zu sehen gibt in Istanbul

Kurz hab ich gedacht ich erzähle die Woche in Katzen und sonst nichts. Das klappt aber nicht. Denn wenn ich anfange die Fotos zu sortieren fallen mir wieder all die schönen Momente ein und ich will sie nicht zur Seite schieben und den Katzen die Bühne überlassen – obwohl es jede einzelne verdient hätte, ist ja klar. Also kommen hier gleich viele Katzen vor, aber auch Menschen und allerlei anderes Zeug. Und es gibt sogar, ich kann mir nicht erklären wie es passieren konnte, einen Tag an dem ich überhaupt keine einzige Katze geknipst habe. Auch nicht mit dem Handy – ich habe extra nochmal nachgesehen. Los geht es hier mit:

Montag

Am Montag ist Waschtag. Bei mir und auch anderswo.

Es ist 9 Uhr, ich bin auf dem Weg zum Yoga und noch nicht alle sind munter.

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40 KW Oktober 2019 – Anreise unter erschwerten Bedingungen

Nun entsteht hier zwar so eine kleine Lücke zwischen den Ballonerlebnissen am Montag Morgen in Göreme und meiner Ankunft in Istanbul (es fehlen 3 Tage), aber mir ist gerade mehr danach über meine Zeit in Istanbul zu schreiben. Die fehlenden Kappadokien Erlebnisse kommen einfach etwas später. Meine Fahrt nach Istanbul war diesmal sehr viel anstrengender als in den letzten Jahren. Ich bin am Mittwoch Abend um 19:45 in Göreme losgefahren. Ungefähr 11,5 bis 13 Stunden sollte die Fahrt dauern. Letztendlich waren es 12,5 Stunden. Und eigentlich hätte es auch ganz entspannt sein können, ich hatte einen tollen Einzelplatz, für Getränke und Kekse etc. ist in den Metro Bussen gesorgt und es gibt regelmäßig alle 2-3 Stunden einen Toiletten Stop. Allerdings hatte ich diesmal vergessen meine Ohrstöpsel in meinen kleinen Rucksack zu packen. Sie waren nun in der Reisetasche im großen Busbauch und da kam ich nicht dran. Das hatte leider zur Folge, dass ich nicht schlafen konnte. Nicht schlafen können ist für mich eine wirklich schlimme Sache. Ich werde unleidlich, fühle mich schrecklich und schrappe latent an einem Tränenausbruch entlang. Leider war es nun nicht zu ändern und irgendwie geht es dann doch auch immer. Schlecht eben. Deshalb war die Ankunftsfreude etwas getrübt und von Müdigkeit überdeckt. Am Otogar Esenler, der Endstation in Istanbul, mußte ich dann noch eine Weile auf den Transferbus nach Taksim warten. Dabei habe ich dem Kind sehr neidisch beim munter sein zugesehen.

Nach 20 Minuten kam der Bus und brachte mich nach Taksim. Weil ich mein Apartment erst ab 10:30 beziehen konnte, habe ich mir ein Café gesucht, Kaffee getrunken und Leute geschaut. Und wurde immer erschöpfter. Dann bin ich die ganze İstiklal Caddesi von Taksim bis nach Şişhane entlang gerollkoffert, das ist ein ganz schönes Stück, bis ich am Apartment war. Schlüsselübergabe ging schnell, auspacken ging schnell und dann dachte ich eigentlich ich lege mich mal kurz für 15 Minuten hin. Wie kam ich nur auf 15 Minuten? Es wurden fast 2 Stunden. Das war aber auch wirklich nötig. Genügt hat es nicht. Mein Bett ist toll groß und oben am Kopfteil steht ‘Yatak’, das bedeutet Bett. Ich bekomme also die volle Unterstützung beim Vokabeln lernen.

Weil ich den Tag nicht verschlafen will, mache ich mich auf den Weg zu einer ersten Erkundungsrunde Richtung Galata Brücke. Auf dem Weg begegnet mir eine Schlange. Warum ich mich über die Schlange so sehr gefreut habe, erzähle ich demnächst ausführlicher.

Plötzlich bemerke ich wie hungrig ich bin. Gegenüber vom Fähranleger Karaköy gibt es Gözleme und so setze ich mich zum Essen auf die gemütlichen Polster, sehe dem Kaffee-Mann beim Kaffee kochen zu und esse dabei Ispanaklı Gözleme, Gözleme mit Spinat. Gleich geht es mir besser.

Und die Fahrt über den Bosporus nach Kadıköy tut mir auch gut. Ein wenig Wind um die Nase wehen lassen macht mich gleich munterer und das blitzeblaue Wetter auch.

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Sehr langer Istanbuler Katzen Marathon

Es gibt viele Gründe Istanbul zu lieben. Ein Grund sind die Katzen – zumindest für mich und ich kenne mindestens noch zwei bis drei Personen denen es ähnlich geht. Jahr für Jahr fahre ich also nach Istanbul und freue mich auf die Katzen. Sie sind überall präsent und bestimmen meinen Tagesablauf und mein Tempo. In diesem Jahr hatte ich eine Ferienwohnung mit vielen Fenstern. Geweckt wurde ich am Morgen nicht von den Katzen der Umgebung sondern vom Möwengeschrei vor dem Schlafzimmerfenster.

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Istanbul – Von Innen nach Außen

Nachdem ich ein paar Tage hin&her überlegt habe, wie ich mit der Istanbuler Fotoflutwelle umgehen soll, die sich in den letzten Jahren angesammelt hat, habe ich mich für das „Steter Tropfen höhlt den Stein“ Prinzip entschieden. Ich werde also stetig und vermutlich bis an mein Lebensende oder Bogginglust-Ende, meine Istanbul- und auch andere Fotos abarbeiten. Wem das langweilig erscheint: einfach ignorieren. Weiter geht es jetzt mit den Aussichten. Damit meine ich alles, was ich gesehen habe, wenn ich aus den zahlreichen Fenstern meiner Wohnung geschaut habe. Zuallererst, früh am Morgen und schon vom Bett aus, habe ich die Möwe gehört und dann auch gesehen. Da das Bett direkt am Fenster stand, war das Möwengetöse nicht nur ganz besonders lautstark, sondern auch der Blick ganz besonders vorwurfsvoll. „Raus jetzt aus dem Bett du faules Stück Touristin“ habe ich verstanden. Und so bin ich aufgestanden und habe festgestellt, dass der Tag anderswo schon längst begonnen hatte. Gegenüber rechts.

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Dienstag, 24. Juli 2018 – Ach ach……der Abschied ist schwer

Bisher war oft der vorletzte Tag vor der Abreise der schwerste. Völlig gehetzt wollte ich immer alles noch mindestens einmal sehen, essen, tun und fühlen und war innerlich mit der Verabschiedung beschäftigt. Diesmal war ich gestern recht entspannt und dachte mir immer: „Alles ok. Ich komme ja wieder. Kein Grund zum Aufregen.“ Heute war dann nun der letzte Tag und der war nicht so entspannt wie ich ihn mir gewünscht hätte. Er fing heute Morgen um 4:30 mit einem wild blitzenden und laut krachendem Gewitter an, was fast eine Stunde gedauert hat und von Regenmassen begleitet war. Die Straße vor meiner Tür war zu einem Fluss geworden und trotzdem peitschte ein Taksi nach dem anderen durch das Wasser die Straße hinunter. Gegen 11 Uhr hatte es sich dann ausgeregnet und so ging ich dann aus dem Haus. Auf dem Weg zum türk.alman. kitabevi, in dem es auch ein feines Café gibt, bin ich an diesem schönen Vogelkäfig vorbeigekommen. Glücklicherweise saß kein Vogel drin. Und irgendwie kam er mir auch bekannt vor. Entweder ein Déjà Vu oder er stand im letzten Jahr auch schon vor dem kleinen Antiquitäten-Laden.

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Die vier wissbegierigen Freundinnen

Neslihan, Seher, Hatice und Kübra

Ich sitze vorm Velvet Café Galata, habe gerade Menemen gegessen und einen Cappucino getrunken. Dabei habe ich die vier jungen Frauen am Nebentisch beobachtet und überlegt, wie ich sie am besten ansprechen und fragen kann, ob ich sie fotografieren darf, als Seher plötzlich an meinem Tisch steht. Wir lachen uns zuerst einfach nur an und sie überlegt und ringt nach englischen Worten. Dabei schaut sie immer mal hinter sich und erhofft sich dort Unterstützung von ihren Freundinnen – zumindest interpretiere ich es so. Und so kommt dann eine nach der anderen und dann stehen alle um meinen kleinen Tisch herum und sehen mich neugierig, im besten Sinne, an. Und dann legt Seher, die in dem Moment die mutigste ist, so richtig los. Sprachlich unterstützt wird sie besonders von Neslihan. „Woher kommst du? Was machst du hier? Bist du alleine hier? Wo wohnst du? Hast du Kinder? Hast du einen Mann? Was bist du von Beruf?“ Schlag auf Schlag kommen die Fragen herausgesprudelt, nur immer mal kurz unterbrochen von der Suche nach den richtigen Vokabeln. Die lassen sich aber dank Google translate leicht finden. Ich jedenfalls kann nicht so schnell antworten, wie die Vier ihre fehlenden Vokabeln in die Smartphones tippen. Zwischendrin haben sie mich an ihren Tisch eingeladen, denn der ist viel größer als der, an dem ich sitze. Hinzu kommt noch die Besonderheit: Mein Tisch steht direkt in der Kurve, auf der Straße, der kleinen Gasse, in der sich das Velvet Café befindet. Das bedeute,  immer wenn z. B. ein Lieferwagen kommt, kommt die Bedienung angesprungen, nimmt den Tisch, trägt ihn kurz nach rechts oder links, jedenfalls aus dem Weg und wenn das Auto dann vorbeigefahren ist, wird der Tisch wieder abgestellt. Ich kenne das Prozedere mittlerweile, denn ich bin ja seit 6 Jahren 1x jährlich für ca. 10 Tage Stammkundin. Wenn die Bedienung nicht in der Nähe ist, nehme ich den Tisch, stelle ihn an der Seite ab und lege die Füße schnell hoch.

Aber nun sitze ich ja am Nebentisch und kann auch einmal ein paar Fragen stellen. Und so erfahre ich, dass alle Vier aus Mersin kommen und jetzt gemeinsam tatiler (Ferien) in Istanbul machen. Sie wohnen bei Sehers Onkel. Sie gehen gemeinsam zur Schule und machen im nächsten Jahr Abitur. Danach möchten sie ein Erasmus Jahr machen. Aber da muss man erstmal abwarten, ob es klappt mit dem Abitur, befindet Neslihan. Jetzt folgt die erste Runde gegenseitiger Fotos. Ich beteuere, keinesfalls einfach irgendein Foto von ihnen zu veröffentlichen. Das stößt auf verständnislose Blicke und der Aufforderung, ruhig Fotos zu zeigen. Und ich glaube nur aus diesem Grund wurde ich dann ganz höflich gefragt, ob ich damit einverstanden sei, dass sie unser gemeinsames Gruppenfoto bei Instagram veröffentlichen.

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