Blick zurück 2020

Ich starte meinen Blick zurück auf 2020 mit einem Foto was noch viel älter ist. Istanbul, August 2015. Die kleine rote Katze schläft auf dem Tisch vom Teegarten. Würde sie die Augen öffnen könnte sie das Wasser vom Bosporus glitzern sehen. Ich bin mit meinen Hobbyfotografinnen- Fotos auch bei Instagram unterwegs. Dort habe ich sage und schreibe 265 follower (bei über 2000 Posts) und für ein Foto bekomme ich so zwischen 25 und 60 Like-Herzen. Und dann plötzlich Mitte August – Zack! 111 Herzen für dieses Foto. Ich mache jetzt einfach weiter mit Katzen. Das war also mein großer Erfolg in 2020. Darüber darf jetzt gerne gelacht werden.

Jetzt beginnt aber der echte Blick zurück. Los geht’s:

Januar

Vor einem Jahr um diese Zeit war ich in Germerode. Es lag zwar nur wenig Schnee, aber trotzdem hatte ich ein paar wunderschöne Tage mit vielen Spazierwanderungen. Die Neujahrsfeier mit den Kolleginnen war lecker und lustig, ich habe nach vielen Jahren wieder begonnen in die Mucki-Bude zu gehen und spinning zu fahren, war auf einer Kochtopf-Party, in der Gemäldegalerie und leider ein paar Tage krank.

Ich hörte aus der Ferne zum ersten Mal von Corona.

Februar

Im Februar war ich mit dem letzten Frauenkurs im Stadtmuseum, wurde in einem Buchladen eingeschlossen, habe viele Spaziergänge unternommen und war mit A.&T. im Kino-leider können wir uns nicht an den Film erinnern, ich hab extra nachgefragt um dann festzustellen: Es war nicht in diesem Jahr sondern 1 Jahr zuvor.

Während ich auf dem Konzert vom falschen Patenkind bin, werden bei einem rassistischen Anschlag in Hanau zehn Menschen ermordet.

März

Anfang März feiert Erica ihren Geburtstag gleich 2x. Ich gehe mit der Gartenchefin zu einer Lesung von Alice Hasters und mit dem Frauenkurs in die Bücherei.

Am 16.März beginnt der erste Corona-Lockdown aber auch der Frühling steht vor der Tür.

April

Am 16. April scheint die Sonne und ich bade zum ersten Mal in der Buga und am 25. April zum zweiten Mal bei einer Wanderung mit den Freundinnen im Stellbergsee. Das Wasser war immer toll kalt. Mit der Gartenfotografin und der Gartenchefin machen wir ein Osterfrühstück im Garten und ich pflanze drei Tomaten auf dem Balkon. All diese Unternehmungen helfen um mit der Pandemie und dem Lockdown irgendwie umgehen zu können.

Mai

Im Mai leide ich an Corona-Überdruss und mache zur Ablenkung Radtouren zum Gut Kragenhof und nach Hann. Münden und eine Geburtstagswanderung mit der Yoga-Freundin. Ich backe 2x Rhabarberkuchen. Und am 18. Mai bekomme ich endlich wieder Yogaunterricht.

Am 25. Mai wird in Minneapolis, Minnesota der Afroamerikaner George Perry Floyd durch einen weißen Polizisten getötet. Die Black Lives Matter Bewegung wird immer größer und stärker.

Juni

Auch in Kassel findet eine Demo gegen Rassismus statt. Es nehmen 3000 Menschen teil und ich bin auch dabei. Mein Yoga-Kurs startet wieder, ich bekomme Besuch von einer Freundin die nun auf Lanzarote lebt und von einer Freundin die ich noch vor 2 Jahren regelmäßig in Istanbul besucht habe und die nun am Möhnesee lebt-wo ich sie leider noch nie besucht habe. Ich sitze in verschiedensten Mohnfeldern und knipse Mohnknospen und Mohnblüten. Erste Umzugsgedanken nisten sich in meinem Kopf ein.

Ganz am Ende vom Juni fahre ich für vier Tage mit den Freundinnen A.&T. zum Seepark Kirchheim. Erster Urlaub im Jahr. Ich genieße es sehr. Besonders das Bad im See jeden Morgen.

Juli

Der Juli besteht aus nicht enden wollenden Umzugsgedanken und Für-und-Wider Abwägungen mit inneren Schwankungen.

Und ich mache einen kurzen Ausflug nach Frankfurt zu den Fantastischen Frauen in der Schirn Kunsthalle und am nächsten Tag in das Museum für Moderne Kunst zu Frank Walter. Eine Retrospektive

August

Dann steht der Umzug vor der Tür und wird mit viel Aufregung und Hilfe der Freund*innen hineingelassen.

Irgendwie zieht sich der Umzug fast durch den ganzen August. Dazwischen feiere ich eine Konfirmation auf einer Wiese, den Geburtstag der Gartenchefin im Garten und veranstalte mit der Yoga-Freundin einen Fuß-Workshop der hauptsächlich im Freien stattfindet.

Am Ende des Monats fahre ich für ein paar Tage nach Hamburg und feiere dort meinen Geburtstag, besuche das Bucerius Kunst Forum mit der David Hockney Ausstellung und den wunderschönen Ohlsdorfer Friedhof.

September

Zurück aus Hamburg feiere ich mit ein paar wenigen Freundinnen meinen Geburtstag, freue mich jeden Tag sehr über meine neue Wohnung und auch darüber, dass die Pflanzen den Umzug von unten nach oben so gut mitgemacht haben.

Ich gehe viel spazieren, bade im See und in der Fulda und mache mit Erica einen Ausflug in den Friedwald und zur Sababurg. Dort gibt es sogar Kaffee & Kuchen – das hat Erica sehr vermisst.

Oktober

Meine allerschönste Oktobererinnerung ist der Urlaub auf Madeira. Ganz besonders die Badezeit am kleinen Stadtstrand im kühlen Meerwasser.

Und natürlich die einsamen Levada-Wanderungen.

November

Am 2. November habe ich zum letzten Mal im Jahr im Buga See gebadet. Es war toll kalt und die Sonne ging schon fast unter. Es beginnt der schon vermutete zweite Lockdown – aber vorerst noch in einer light-Version.

Und ich habe sehr oft Zitronen-Mohn-Kuchen gebacken und viele Spaziergänge unternommen.

Dezember

Die Glockenrebe hatte ihre erste Blüte, die dann nach einem Tag schon auf dem Boden lag. Normalerweise blüht sie ab Ende September.

Kurzer Geburtstagsbesuch bei der Kollegin und ihrer Katze. Sie hat eigentlich zwei Katzen, aber nur eine saß im Korb.

Den 24. Dezember habe ich mit Erica und ohne die übliche alljährliche Christmas-Connection die aus drei weiteren Personen besteht, verbracht.

Und weil Erica so gerne mal meine neue Wohnung sehen wollte, kam sie am vorletzten Tag des Jahres zu Besuch. Chauffiert wurde sie von meiner Cousine. Wir haben leckeren Apple Crumble gegessen.

Alles in Allem bin ich jetzt erfreut, dass ich mir das Jahr mit diesem Rückblick nochmal etwas genauer angesehen habe. Mein Leben hat sich durch Corona und die dadurch besonderen Arbeitsbedingungen und durch die allgemein sehr besorgniserregende Lage auf der ganzen Welt, oft sehr angestrengt, ermüdend, traurig und wütend angefühlt. Deshalb war es umso schöner mir all die schönen Erlebnisse bewusst zu machen. Einige zählen auf, was ihnen geholfen hat mit den Beschränkungen durch die Pandemie umzugehen oder was besonders gefehlt hat. Ich habe auch darüber nachgedacht.

Es gibt nichts, was mich auf besondere Weise durch dieses Jahr geleitet hat, was mich nicht auch schon vorher durch die Jahre geleitet hätte. Der Unterschied ist nur: ich brauche mehr davon. Mehr Yoga, mehr Bäder im kalten Wasser, mehr Natur, mehr lesen, mehr Ruhe. Da ich grundsätzlich vermutlich weniger private Kontakte zu Menschen habe als viele andere, hat mich Sozial Distancing nicht beunruhigt oder beeinträchtigt. Ich habe allerdings auch das ganze Jahr über weiter arbeiten können und hatte somit Kontakte zu Menschen.

Was mir gefehlt hat war das Reisen. Sehr. Das zeigt aber nur meine privilegierte Situation und ich kann es verschmerzen.

Ich setze dieses Foto ans Ende weil durch all die verwelkten Blätter hindurch im Hintergrund die farbige Blüte erkennen lässt. Das ist für mich der Blick ins neue Jahr.

Ich danke allen die hier regelmäßig vorbei schauen und kommentieren oder Herzen verteilen. Ich freue mich immer sehr, sehr darüber. Meine herzlichsten Wünsche an Euch und ein fröhliches, gesundes, buntes, entspanntes und spannendes neues Jahr.

Wer sehen möchte, was ich alles gelesen & gesehen habe in diesem Jahr: Hier ist eine lange Liste.

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