Dezember-die erste Hälfte

Weil mir der Dezember in diesem Jahr so lang erscheint, teile ich ihn in zwei Hälften.

Die erste Hälfte begann ja an einem Freitag. An Freitagen fahre ich oft zu E. und dann kaufen wir zusammen ein. An diesem Freitag war ich außerdem noch im kleinen Dorfblumenladen verabredet. Ich wollte dort bei der lieben H. vier Adventskränze abholen, die ich dort seit einigen Jahren immer bestelle, weil sie besonders schön sind. Und weil die Kollegin und die Nachbarin die Kränze auch so hübsch finden, bestelle ich nun immer vier davon.  Und so sieht er dann aus, das Kamel ist von der besten Kollegin, die sogar Kamelplätzchen für mich gebacken hat.

Die H. befand sich noch in der Mittagspause und so spazierte ich durch das Dorf in dem ich aufgewachsen bin und stellte fest, dass ich mich überhaupt nicht mehr auskenne, dabei ist das Dorf wirklich klitzeklein und übersichtlich. Diese beiden jedenfalls kannte ich nicht, dabei sehen sie aus als gehören sie zur gleichen Familie.

Am Abend war ich, sehr ungewöhnlicherweise, auf einem Konzert. Noch ungewöhnlicher war es, dass ich auf einem Konzert vom unechten Patenkind war (er ist kein echtes Patenkind, weil ich nicht in der Kirche bin, trotzdem fühle ich mich irgendwie patentantenähnlich, aber auch nicht wie eine Tante, ach egal). Und eine gute falsche Patentante bin ich auch nicht. Ich war noch niemals bei einem Fußballspiel und der J. ist immerhin im Oktober 10 Jahre alt geworden, ich hätte also genug Gelegenheiten gehabt. Ich war vor ein paar Jahren 1x bei einer krippenspielähnlichen Veranstaltung-da war er noch im Kindergarten. Aber ich backe seit 10 Jahren immer Geburtstagskuchen und die sind meistens wirklich gut und besonders auch hübsch anzusehen. Und nun also ein Konzert. Und dann frage ich mich immer warum ich nicht öfter zu solcherlei Veranstaltungen mitkomme. Denn es war richtig schön. Und rührend. Und lustig. Der J. hat leider nur sehr kurz gegeigt. Vielleicht so 10min. denn er gehörte zu den ganz vorderen Anfängern. Das Konzert fand in einer weiterführenden Schule statt und er besucht noch im letzten Jahr die Grundschule. Alle musizierenden Kinder der Grundschule waren zu den „Großen“ in die weiterführende Schule eingeladen. Falls also die Geigenliebe anhält, bin ich im nächsten Jahr bestimmt wieder dabei.

Gleich am 2. Dezember wurde einer der Adventskränze von der Kollegin abgeholt und dabei ausgiebig Kaffee getrunken und erzählt, wir hatten uns lange nicht gesehen weil ich die letzten zwei Novemberwochen ja krank war.

Den Rest des Tages verbrachte ich mit der lieben K. Wir machen seit September 2016 gemeinsam eine Yoga-Therapie Ausbildung und hatten eine Aufgabe bekommen. Mit dieser Aufgabe haben wir uns den ganzen Nachmittag beschäftigt. Am Ende sollte ein individuelles Programm dabei herauskommen was wir einen Monat lang jeden Tag üben sollen. Noch vor zwei Monaten hätte ich gejammert und gemault denn ich bin wirklich keine Kandidatin für eine sogenannte „home practice“. Ich bin schlicht zu faul dazu. Im Urlaub ist es anders, aber im Alltag, wenn der Wecker um 6 Uhr klingelt, dann will ich weiterschlafen und sonst nichts. Zumindest war es bisher so. Das hat sich allerdings geändert und ich weiß noch nicht einmal wirklich wieso. Ich bin im Oktober aus Marokko zurückgekehrt und habe einfach nicht aufgehört morgens zu turnen und zu atmen. Ich habe mir sogar von einer Freundin einen Kopfstandhocker (ja sowas gibt’s) ausgeliehen um ihn zu testen und seit dem mache auch noch jeden Morgen einen Kopfstand. Mit so einem Hocker ist der Kopfstand wesentlich angenehmer für meine, nicht mehr ganz so taufrische, Halswirbelsäule. Und was soll ich sagen, es macht total viel Spaß und ich bin danach wirklich wach. Ach was, werden sich nun die meisten denken.  Hier unten ist ein Stück vom Kopfstandhocker.

Den habe ich mir geschenkt. Denn am zweiten Adventswochenende war der letzte Termin unserer Yoga-Therapie Ausbildung. Und tataaaa! Ich habe mein Zertifikat bekommen. Und freue mich so sehr. Ich habe in den letzten 12 Jahren immer irgendeine Aus-, Fort- oder Weiterbildung gemacht. Und mir nie  wirklich Gedanken darüber gemacht. Und diesmal war es zum ersten Mal so das ich dachte: „Meine Güte, ich habe wirklich schon viele Sachen gemacht und gelernt“. Ich war sogar zum ersten Mal so etwas wie stolz darauf. Was alles passiert wenn man älter wird. Auch schön.

Es gab den ersten Schnee des Jahres. Der hat mich natürlich gleich wieder zum Gorilla auf den Friedhof getrieben.

Die Sterne wurden ausgepackt und aufgehängt und sahen besonders hübsch aus weil draußen alles weiß war, zumindest für zwei Tage. Der Schnee fiel jeweils am ersten und zweiten Wochenende. Und an den darauffolgenden Montagen war er wieder weggetaut und ich konnte gemütlich mit dem Fahrrad zur Arbeit radeln.

Wir hatten eine wirklich tolle Weihnachtsfeier mit unserem, in diesem Jahr sehr gewachsenen, Teilteam. Zum ersten Mal haben wir nicht alles selbst gemacht, sondern uns in ein nettes Café eines Kollegen (manche Kollegen haben zusätzlich zum Job noch ein Café, erstaunlich) eingeladen. Wunderbar entspannt war das.

Und lecker natürlich auch.

Was nicht so schön war: An einem Mittwoch kam ich aus dem Büro, es war schon ein wenig dunkel und ich hab mich gewundert warum mein Fahrrad so komisch fährt. Ich hatte eine Platten. Mit Reifen habe ich scheinbar zurzeit kein Glück. Also habe ich das Fahrrad durch die kleine Kasseler Innenstadt bis zum Fahrradladen geschoben. Und auf dem Weg dort hin habe ich mir überlegt, dass dies wohl das Zeichen ist, mir Reifen mit Speiks zuzulegen. Hatte ich in all den Jahren noch nie. Aber ich bin seit einiger Zeit tatsächlich ängstlicher beim Fahrrad fahren. Nun fahre ich also mit Speiks durch die Straßen. Speiks machen ein tolles, knisterndes Geräusch und ich fühle mich sicherer.

Vorgestern habe ich meine Weihnachtsdeko noch etwas erweitert. Seit zwei Wochen liegt auf dem kleinen Klapptisch des Import-Export-Gebrauchtes Klimbimladen, an dem ich jeden Tag vorbei fahre, eine Schachtel mit toll türkisen Baumkugeln. Ich war bisher immer so schön in Fahrt und hatte keine Lust abzusteigen und sie mir mal anzusehen. Vor zwei Tagen hab ich angehalten. 8 ganze Kugeln und 2 kaputte Kugeln für 1€. Da kann man nicht meckern, sondern sollte zugreifen. Sie hängen jetzt in der Küche.

Ein Tag an dem der Wecker nicht um  6 Uhr geklingelt hat. Ich konnte mit 2 Wärmflaschen und einer Wolldecke auf dem Balkon Tee trinken und mir die Lichterkette im Fenster gegenüber ansehen. Ich finde sie sehen aus wie die Taler der Goldmarie. Und sie passen zu meiner zukünftigen finanziellen Situation.

Was auch noch schön ist: Ich werde mit sehr großer Wahrscheinlichkeit bald sehr reich werden. Ich habe seit ca. 7 Jahren einen Geldbaum. Oder auch Pfennigbaum. Der hat noch niemals geblüht. Ich wusste auch nicht das die überhaupt blühen. Und jetzt blüht er plötzlich. Da liegt ja wohl klar auf der Hand, wie es in Zukunft um meine Finanzen bestellt sein wird.

Und heute ist der dritte Advent. Es gibt nichts zu berichten. Kein Foto. Nichts Wildes erlebt. Stattdessen aufgewacht und beschlossen faul zu sein. Den ganzen Tag. Nach der ausdrücklichen Erlaubnis auch wirklich faul sein zu dürfen, große Entspannung verspürt. Eine halbe Stunde später angefangen die großen Tüten mit aussortierter Bekleidung ins Auto zu tragen. Altpapier weggebracht. Waschmaschine angestellt. Yoga geturnt und Kopf gestanden. Gestaubsaugt. Kaffee getrunken. Gelesen. Hier bei der tollen Fee, die so besonders schöne Fotos macht. Sie schreibt heute darüber wie schwer es ihr gefallen ist, sich für ein 30 Stunden Woche zu entscheiden und warum es trotzdem die richtige Entscheidung ist. Ich arbeite schon immer 30 Stunden in der Woche. In all meinen Jobs die ich hatte. Und ich habe kein Kind oder eine andere Entschuldigung. Und habe mir nie Gedanken darüber gemacht, ob es vielleicht zu wenig ist, ob ich faul bin, oder am Ende zu wenig Rente bekomme (werde ich sicherlich). Ich habe auch zwischendrin mal mehr als 30 Stunden gearbeitet. Aber das wollte ich nie auf Dauer, denn dann hätte ich ja viel zu wenig Zeit für all die anderen Dinge, die ich auch so gerne tue. Darüber habe ich beim Wäscheaufhängen nachgedacht. Anschließend wieder gelesen. Diesmal bei dem  Fräulein read on.  ,denn das Beste hebe ich mir gerne bis zum Schluss auf. Sie erzählt die wundersamsten, schönsten, traurigsten, fröhlichsten und lustigsten Geschichten die ich kenne.

Und fast ganz am Ende vom 3. Advent wartet der angebrannte Linsensuppenbrei auf mich.

 

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