
Ganz am Anfang vom Juli war meine Welt noch in Ordnung. Ich konnte ein Buchpaket mit 4 neuen Secondhand Büchern abholen und hab mich nach langer Zeit (vielleicht sogar drei Jahren) endlich mal wieder mit einer Freundin getroffen, die jetzt wieder sehr nah an Kassel wohnt (als sie noch in Darmstadt gewohnt hat, haben wir uns eindeutig öfter gesehen). Und es war schönes, aber manchmal auch zu heißes Sommerwetter.

In die Mitte vom Juli platze dann ein Unwetter und ein Anruf von Ericas Nachbarn während ich bei der Arbeit war. IN der Nacht gab es ein schlimmes Unwetter mit Hagelschauer. Das Wetter tobte im Raum Calden und war ausgerechnet in dem Dorf und dann auch noch ganz besonders in der Straße in der Erica wohnt am allerschlimmsten. Weil an Arbeit nicht mehr zu denken war, fuhr ich gegen Mittag sofort hin. Naiv wie ich war dachte ich noch ach, das wird schon irgendwie zu bewerkstelligen sein.


Tja, war es nicht, wie ich dann sehr schnell feststellen musste. Alle Kellerräume und Zimmer standen unter Wasser. Zuerst habe ich versucht das ganze Wasser aus der Waschküche heraus zu fegen. Das hat bedingt geklappt, aber eigentlich kam sofort wieder Wasser aus den anderen Räumen nachgeflossen. Nachdem ich 4 Stunden gefegt hatte, habe ich aufgegeben und war ratlos.

Ich rief die Gartenchefin an, die auch gleich kommen wollte, aber weil ich schon so platt war, haben wir uns für den nächsten Tag verabredet. Die Freundin aus Berlin bot auch sogleich ihre Hilfe an, aber ich war noch in so einem desolaten Zustand, dass ich immer noch glaubte, es geht schon irgendwie. Am Abend war mir schlecht und ich hatte Kopfschmerzen.

Am nächsten Tag war mir immer noch schlecht und ich blieb erstmal eine Weile im Bett liegen. Bei der Arbeit hatte ich mich entschuldigt. Ich fühlte mich vollkommen desorganisiert und irgendwie unter Schock.

Mittags wurde ich von der Gartenchefin abgeholt, die dann glücklicherweise die Organisation der Chaos- und Wasserbeseitigung übernahm. Zuerst waren wir zu zweit und später kam noch die Freundinkollegin, die Kolleginfreundin und der Neffe dazu.
Der Nachbar erzählte, das das Wasser aus den Abflüssen der Dusche, des Waschbeckens und der Toilette kam. Und mit ihm auch all die Erde, zerhagelte Blätter und Moosklumpen vom Dach. Glücklicherweise hat es nirgendwo nach Kläranlage gerochen. Ich kann mir garnicht erklären warum nicht. War aber total froh darüber.

Das war Günthers Wurstekeller. Dort hatte mein Vater die Wände mit Lehm verputzt um ein besonders gutes Klima für die Würste und den Schinken zu schaffen. Bei meinen Eltern wurde 1x im Jahr zuhause geschlachtet und die Produkte brauchten gute Bedingungen. Außerdem haben auch noch andere Familien aus der Straße ihre Wursch bei uns im Keller aufgehangen.
In dem Keller stand sehr viel Wasser und es war kein Vergnügen es mit Eimern hinauszuschütten.

Nachdem es einigermaßen trocken war, stellten wir fest, das ein Abwasserrohr beschädigt wurde und letztendlich war die ganze Wand nass und alles brach auseinander. Außer, dass dort mittlerweile alles trocken ist, sieht es immer noch so aus.

Ericas Fußmattensammlung. Alle putschelnass und deshalb zum trocknenhingelegt. Drei Tage später kamen sie zum Sperrmüll.

Wir haben einen großen Teil der Möbel etc. rausgeräumt und auch schon etwas sortiert in Sperrmüll, gelber Sack, Papier, Restmüll etc. Als ich am Abend im Bett lag, war ich so froh und dankbar so tolle, hilfsbereite und tatkräftige Freundinnen zu haben. Und einen hilfsbereiten Neffen natürlich auch.

Danach hatte ich zwei Tage Pause bzw. mußte ich ja wieder arbeiten. U d hab mich immer mal über meine Balkonblumen gefreut, wenn die Sorgen wieder sehr groß wurden. Denn ich konnte keinerlei Versicherngsunterlagen finden. Und auch bis jetzt ist noch nichts aufgetaucht. Aber ich hab mich etwas zurückgelehnt und entspannt, denn es ist ja nicht zu ändern. Ich bin sehr froh, das eigentlich nichts vonn all den Möbeln und anderem Kram so wertvoll ist, dass es ersetzt werden müßte. Alles kann auf den Sperrmüll. Und wenn der Rest gut trocknet, ist nur die kaputte Leitung zu reparieren. Die kleine Baustelle muß dann allerdings bezahlt werden, aber ich denke da bekomme ich hin.

Am nächsten Tag bekam ich eine Nachricht von der Freundin aus Köln: Ich komme am samstag mit meinem großen Auto und dann laden wir das ganze viel Altpapier ins Auto und bringen es weg. Da war ich ganz sprachlos und ergab mich dem schönen Schicksal. Und weil ich ihr eine Woche vorher noch geschrieben hatte, sie müsse unbedingt mal kommen und mein tolles Lieblingsschwimmbad kennenlernen, trafen wir uns am Samstagmorgen um 10 Uhr vor dem Schwimmbad in Grebenstein. Wir hatten ein schönes schwimmvergnügen mit Kaffee und Cambozola-Broten wie früher als wir 20 waren und immer zusammen schwimmen gegangen sind.

Und nach dem Schwimmbad wurde weiter entrümpelt und Zeug sortiert. Das ist mein allererster Plattenspieler. Der kam auf den Elektromüllhaufen.

Der Nachbar hatte die Aufsicht über die Belüftung aller Räume und es war in den 2 Tagen schon viel trockener geworden. Und so konnte eine von uns die Räume fegen (mehrmals und gründlich) und die andere hat den Boden gewischt (nur 1x aber immerhin). Alles sah so viel besser aus.

Die Dusche ist noch immer nicht so richtig sauber aber ich wollte hier mal die bunte kachelkreation meines Vaters festhalten.

Als wir fertig waren habe ich der Freundin noch die Störche gezeigt und dann sind wir nach Hause gefahren, haben gegessen, geredet und dann sehr müde ins Bett gefallen.

Am nächsten Morgen haben wir etwas herumgetrödelt und gefrühstückt. Sind dann nochmal losgefahren, und haben noch ein paar wenige Dinge erledigt

Und dann ist sie einfach – zack – mit vollgepacktem Auto wieder weg gefahren. Das ganze Papier kam dann in Köln zum Recyclinhof. Denn die in Kassel haben am Wochenende geschlossen.

Wie Erica alles überstanden hat kann ich garnicht wirklich sagen. Ich war zu sehr mit mir und dem Chaos beschäftigt. Sie hat aber leider an den ersten 3 Tagen jeden Morgen einen Schreck bekommen weil sie vergessen hatte, was passiert war. Danach habe ich die Tür in den Keller abgeschlossen, damit dort alles durchlüftet wird. Sie hatte immer wieder die Fenster und Türen geschlossen. Der Nachbar passt bis heute auf, dass es mit dem Lüften weiterhin funktioniert.

Um sie abzulenken gab es an den folgenden Wochenenden Ausflüge mit Kaffee & Kuchen. Einmal waren wir in Trendelburg und am nächsten Wochenende im Wasserschloss Wülmersen. Dort habe ich wieder die Straußenfarm besucht.

Weil es heiß war, haben sich die großen Vögel immerzu Luft mit ihren Flügeln zugefächelt.

Schwalben wurden auch beobachtet.

Weil die Gartenchefin leere Stühle gerade besonders gerne mag. Hier sind zwei, auch wenn es ganugenommen keine Stühle sind. Ich mag sie trotzdem.

Der Rest vom Juli war etwasruhiger, auch wenn ich immer noch Sorgen im Kopf hatte und habe. Aber zwischendurch habe ich auch schöne Dinge erlebt. Wie zum Beispiel einen Kaffee & ZitroneMohnMuffin mit der Freundinkollegin.
Und einen Sushi Abend mit der Gartenchefin.

Aber auch nochmal ein sehr schreckliches Ereignis. Während ich mich am 25. Juli den ganzen Tag über immer wieder über die bunten, fröhlichen Bilder vom CSD in Berlin freute, las ich am Sonntagmorgen, dass es einen Anschlag gab bei dem eine Frau getötet und 29 Personen verletzt wurden. Ich war sehr schockiert und fassungslos und traurig und bin es immer noch. Meine Weltsorgen werden immer größer.

Für etwas Ablenkung vom Weltgeschehen nahm ich mir einen freien Tag an dem ich morgens zum Baden zur Fulda fuhr und dabei die ersten Anzeichen des Zissel entdeckte.

Anschließend geb es Frühstück.

Und auf dem Heimweg habe ich diesen hübschen, bunten Vogel gesehen. Es ist wohl ein Distelfink wenn die App Recht hat.

Sommerrollen hatte ich mir auch mal irgendwann im Juli gemacht. Die sollte ich öfter machen.
Bei all dem Schrecken, den der Juli gebracht hat, habe ich aber auch wieder gemerkt, dass ich die allerbesten Freundinnen habe. Das ist so toll. Jetzt kann der August kommen.
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