29 KW Juli 2019 – Große Müdigkeit, Schlafmohn und ein Wochenende im Moor

Von Montag bis zum Donnerstag habe ich darüber nachgedacht ob mir vielleicht jemand große Mengen Schlaftrunk eingeflößt hat. Schlaftrunk sind Baldriantropfen. Die hat mir Erica als Kind immer unter die Nase gehalten wenn ich nicht schlafen konnte/wollte. Hat sofort funktioniert, ich wurde müde und hab geschlafen. Die ganze Woche über war ich so müde.

Dazu passend bin ich am Dienstag nach Germerode gefahren um die Schlafmohn Felder zu durchlaufen. Begleitet hat mich die I., dort unten versteckt sie sich gerade.

Wir laufen lange durch Mohnfelder oder kriechen auf dem Boden herum.

Ich versuche durch den Mohn zu schweben. Das Foto hat die I. gemacht. Wer noch mehr schönste Fotos von ihr sehen möchte schaut hier bitte.

Kornblumen gibt es auch.

Und Blumen die ich nicht kenne.

Hinter den Mohnblumen wachsen Sonnenblumen, daneben Getreide und dann Kürbisse. Ich laufe an den Kürbissen vorbei bis zu einem Graben in dem leider viele Brennnesseln wachsen. Also verbrenne ich mir die Füße und Waden. Aua.

Über einen Hügel geht es zu Frau Holles Blumenwiese.

Dort steht ein Vogelhäuschen mit Knopf. Wenn man drauf drückt singt Karel Gott das Biene Maja Lied. Ich bin etwas erschrocken.

Die I. knipst und knipst und knipst und ich muss mich mal einen Moment ablegen. Und schon knipst sie wieder.

Wir laufen bis zur Dämmerung.

Ich finde einen Keks. Merke das ich Hunger habe. Leider habe ich nichts dabei. Ich esse den Keks trotzdem nicht. Er ist auch wirklich klein.

Noch einmal über ein Mohnfeld, diesmal wachsen Kornblumen dazwischen.

… am Wildschwein vorbei und dann sind wir am Auto angekommen.

Mittwoch bin ich immer noch müde, muss aber mit Erica einkaufen fahren. Zurück zu Hause koche ich für die Nachbarin und mich und gehe früh ins Bett.

Donnerstag ist dann plötzlich alles ganz anders. Das Wochenende steht schon vor der Tür und da bekomme ich sofort einen kleinen Energieschub. Waschmaschine an. Endlich alle Pflanzen eintopfen die ich vom Voodooschaaf bekommen hab. Wurde auch wirklich Zeit. Wäsche aufhängen. Aufräumen überall. Tasche packen. Ja, Tasche packen – denn ich fahre schon wieder weg.

Freitag um 9:02 geht es los. Vom Bahnhof Wilhelmshöhe über Hamm nach Münster und von dort nach Lingen an der Ems. Dort werde ich von der I. abgeholt und wir fahren nach Neugnadenfeld. Die I. und ich wir kennen uns noch nicht so lange. Wir haben uns im Frühjahr beim Yoga & Coaching Workshop kennengelernt, hatten uns viel zu erzählen und sind Freundinnen geworden. So ein Glück.

Zuallererst, noch bevor ich meine Tasche aus dem Auto geholt habe, werde ich von Sous begrüßt.

Nun noch eben die Tasche ins Zimmer bringen, schnell auspacken und schon geht es auf Entdeckungstour. Zuerst im Haus. Hier wohnt außerdem noch eine Elefantenherde …

…ein Vogelschwarm und der H. Von ihm und auch von I. gibt es leider kein Bild. Ich habe vergessen zu fragen. Schade.

Im Garten wohnt der Frosch. Aber er ist nicht allein, sondern wohnt dort mit seiner großen Verwandtschaft, vielleicht ist es auch eine Frosch – WG, wer weiß das schon…

Bei unserem ersten Spaziergang, zeigt mir I., die meine Friedhofsliebe kennt,  die sowjetische Kriegsgräberstätte.

Wir laufen weiter durch den Wald bis wir an eine Rasthütte kommen.

Kurz danach überqueren wir eine Straße und sind auch schon beim nächsten Friedhof. Es ist der Friedhof der Herrnhuter Brüdergemeine. (Die Herrnhuter Brüdergemeine ist eine aus der böhmischen Reformation (Böhmische Brüder) herkommende nominell überkonfessionelle christliche Glaubensbewegung, welche vom lutherischen Protestantismus, Calvinismus und dem späteren Pietismus geprägt wurde. So ist es hier in kurz erklärt) „Was ist eigentlich mit den Schwestern?“ frage ich mich. Und nein, ich hab nicht das ‚d‘ in Gemeine vergessen, die Herrnhuter benutzen die historische Schreibweise von Gemeinde, also ohne ‚d‘. Wieder was gelernt.

Ein Friedhof der Herrnhuter Brüdergemeine heißt Gottesacker. Die Vorstellung ist, dass alle Menschen gleich sind und deshalb auch alle Gräber gleich aussehen und es wird in der Reihenfolge des Todes begraben. Im hinteren Teil sind die ältesten Gräber und im vorderen Teil sind die Gräber der jüngst Verstorbenen.

Neugnadenfeld wurde 1946 in dem ehemaligen Barackenlager für russische Kriegsgefangene Alexisdorf gegründet. Es gibt ein kleines Museum zur Dorfgeschichte welches gerade umgebaut und vergrößert wird.

Die Tür steht offen und weil sich im Dorf alle kennen, werden wir gleich begrüßt und dürfen vorab schon einmal durch das kleine Museum laufen. Mehr zur Geschichte von Neugnadenfeld gibt es hier zu lesen.

Das Telefon am Straßenrand ist zwar nicht ganz so alt wie die Dinge die wir im Museum gefunden haben, aber so ganz von heut ist es auch nicht. Jedoch: es ist noch voll funktionsfähig.

Nach dem Spaziergang nehme ich mein erstes Bad im Teich.

Später dann Abendessen mit Tomaten aus dem Garten, Austausch über unser Yogalehrerinnen Leben und dann gehe ich früh ins Bett.

Der Samstag startet mit Tee im Bett, Yoga und natürlich einem Bad im Teich. Das sind allerbeste Voraussetzungen für einen schönen Tag. Weil für den Nachmittag Regen angesagt ist, fahren wir am Vormittag mal eben nach Holland in den Internationalen Naturpark Bourtanger Moor-Bargerveen. Dort gibt es einen Schaapskooi, was ein Schafstall ist. Schafe haben wir darin nicht gefunden. Sondern eine Kuh und ein Kälbchen.

Und ein Kuhschrubbeldings.

Und sehr viele Schwalben.

Und einen Hofhund.

Am Schaapskooi vorbei geht es ins Moor. Der Boden ist sandig und torfig und ganz weich. Da freuen sich meine Füße.

Ein wenig unheimlich sieht es auch aus. Als würde jemand die Arme aus dem Wasser strecken.

In der Mitte vom Spinnennetz wohnt die Spinne, immer wenn ich denk ich habe sie, verkriecht sie sich wieder blitzschnell ganz tief hinein.

Wir sind so lange unterwegs bis wir Kaffee-Lust bekommen und zurück gehen, denn am Eingang gibt es ein Besucherzentrum mit einem Café.

Wir sitzen draußen,trinken Kaffee, dazu gibt es ganz besonders leckere Kekse und flauschige Feder-Lampen gibt es auch zu sehen.

Auf dem Weg zum Auto treffen wir dann doch noch ein paar Bewohner*innen vom Schaapskooi. Dieser ist der Kopf sehr schwer.

Auf dem Heimweg geraten wir in den ersten Regenschauer.

Nach der Mittagspause, die ich im Bett verbringe und dem Regen zuhöre, mache ich allein einen Spaziergang. Vorbei am Kindergarten, dort ist gerade Sperrmüll.

Kein Dorf ohne Katze.

Im Wald ist es nass und verwunschen.

Zurück aus dem Wald, treffe ich auf ein seltsames Iglu.

Als ich näher heran gehe, sehe ich das es aus Torfblöcken ist.

Ich laufe einmal drumherum und finde eine Tür an der dieses Schild hängt. Schade, zu gerne hätte ich neugierig hinein geschaut.

Gleich neben dem Torf-Iglu steht die Kirche.

Ich finde sie besonders schön weil sie so einen luftigen Eindruck macht, mit ihren klaren Fenstern durch die man einmal ganz durch das Gebäude hindurch schauen kann. Als ich gerade um die Ecke gehen will, höre ich eine Stimme. Und dann steht da der Pfarrer, der hier anders genannt wird, ich habe aber vergessen wie. Er winkt mich heran und fragt ob ich hereinkommen und die Kirche ansehen möchte. Das möchte ich sehr gerne. Und so darf ich die Kirche besichtigen und erfahre, das alle Kirchen der Herrnhuter Brüdergemeine sehr einfach ausgestattet sind. Die vorherrschende Farbe ist weiß, die Holzbänke sind nicht fest stehend sondern können nach Bedarf zur Seite geräumt werden, so das der Raum auch für andere Zwecke genutzt werden kann. Es gibt keine Kanzel und wie schon auf dem Friedhof, erfolgt die Sitzordnung in der Reihenfolge in der man die Kirche betritt. Ich vermute eine Orgel auf der Empore. Es gibt aber nur eine kleine Orgel für den Notfall, sie steht unten in einer Ecke. Der Notfall tritt einmal im Monat ein, wenn der Bläserchor frei hat. Die Bläser spielen ansonsten an jedem Sonntag. Dann verabschieden wir uns voneinander und ich bekomme noch viele Grüße für I.&H. mit auf meinen Weg. So eine wirklich nette Begegnung.

Als ich zurück komme ist es Zeit für das Abendessen. Anschließend eine Runde lesen bis zum nächsten großen Regenguss.

Nach dem Regen will ich gerne nochmal raus. Und so machen wir uns auf den Weg zu einem dritten Spaziergang. Überall dampft es vor Feuchtigkeit. Und wenn die Pferde auf der nebeligen Wiese Einhörner gewesen wären, hätte ich mich auch nicht gewundert.

Am glitzernden Spargelfeld vorbei.

Über den Kanal, auf den Feldweg und dann ein Blick nach links: Reh im Nebel.

Ein paar Meter weiter, Blick nach rechts: das sind ganz sicher Moorgeister oder Nebelgeister. Einen Namen gibt es dafür auch, aber ich kann mich leider schon wieder nicht erinnern.

Ein letztes Mal auf den Kanal schauen und hoffen, das ich ein Nutria sehe. „Was ist denn das für ein Tier?“ habe ich die I. gefragt. So eine Art Biberratte sagt uns später das Lexikon.

Dann ist es Zeit zum schlafen gehen.

Der Sonntag startet auch wieder mit einem Bad im Teich.

Danach bin ich bereit für den letzten Spaziergang. Wir laufen am Kanal entlang, kommen am Friedhof vorbei und gehen noch einmal durch den Wald. Als wir zurück kommen gibt es Mittagessen, ich packe meine Sachen und laufe noch ein letztes Mal durch den Garten.

Abschied von Sous und ihren zwei Menschen. Ganz herzlichen Dank, es war so schön.

Lesen, aus dem Fenster schauen, lesen, aus dem Fenster schauen. Alles schön.

Ankommen zu Hause beim Hinterhofhimmel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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10 Kommentare

  1. Zum Mohn noch eine kleine Kindheitsgeschichte meiner Mutter: Meine Großeltern bauten auch Mohn an. Nach der Ernte mussten (meist abends) die Kapseln geöffnet werden. Dabei halfen auch die Kinder. Vor Übermüdung, aber auch wegen der aufsteigenden Dämpfe wurden die Kinder schläfrig, und eines nach dem anderen rutschte von seinem Stuhl.

  2. Liebe Simone,
    Es war schön, dass du uns besucht hast und solche
    Tolle Bilder hast du gemacht!
    Übrigens: die nebelgeister heißen auf niederländisch Witte Wieven: weiße Weiber.

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