48 KW November 2019 – Freitagsausflug, jahreszeitliches Klimbim, ein Geburtstag und am Ende Missmut

Kunstwerk geknipst und auch das Schild mit dem Künstler: Leider kann ich seinen Namen nicht entziffern. Schlimm. Aber ich finde es grandios wie jemand etwas so Zartes malen kann.

Bester Wochenanfang mit der neuen Gruppe: syrisch-kurdisches Frühstück. Weil ich erst etwas später dazu kommen konnte und dann sehr hungrig war, gibt es kein Foto. Nach dem Frühstück haben wir begonnen Märchen aus dem Nahen Osten zu lesen. Wir haben eine Ausgabe in einfacher Sprache, das klappt richtig gut und ich freue mich über die Entdeckung des Verlags. Da ich die Leseeinheit immer nach ca. 2 Seiten beende, nennen mich die Frauen nun lachend Sheherazade.

Nur die Madonna: Guercino (1591–1666); Madonna mit Kind, um 1621/22;

Die Arbeit fühlte sich jeden Tag viel, dicht, intensiv und mitunter auch anstrengend an. Umso größer war die Freude darüber, am Freitag frei zu haben. Den freien Freitag hatte ich mir ausgedacht um mit der Gartencefinfreundin nach Frankfurt ins Museum zu fahren. Städel Museum, van Gogh Ausstellung – falls sich hier schon jemand über die Fotos gewundert hat die nicht zum Text passen.

Füsse: Pompeo Girolamo Batoni (Lucca 1708-Rom1787), Allegorie der Künste, 1740

Wir sind also am Freitag, nicht so früh weil ich gerne vorher noch auf dem Markt einkaufen wollte, mit dem Hessen Ticket 2 Stunden nach Frankfurt gezockelt. Schön gemütlich war es im Zug, wir hatten Frühstück dabei und Kaffee und haben erzählt und aus dem Fenster geschaut. Und weil ich schon vorher Tickets bestellt hatte, mussten wir nirgendwo warten und konnten gleich ins Museum spazieren.

Was ich dann von den Werken van Goghs gesehen habe sah ungefähr so aus wie hier oben. Es war recht voll würde die Freundin sagen. Es war schlimm voll sage ich. Es ist ja nun nicht neu für mich, dass es mir nicht gut bekommt wenn irgendwo zu viele Menschen um mich sind, allerdings bin ich manchmal dann doch überrascht wie sehr anstrengend ich es finde. Diesmal war ich nach schon kurzer Zeit so genervt, dass ich am liebsten die fremden Menschen angeschrien oder auch wahlweise vors Schienbein getreten hätte. Schlimm.

Über diese heftige Reaktion war ich so erschüttert und bin deshalb schnell die Treppe nach oben gegangen und hab überlegt, was ich nun mache. Oben war es viel weniger voll und ich stand eine Weile vor der Glitzerspiegelwand bis ich mich auf den Weg noch ein Stockwerk höher zu den alten Meistern machte.

Max Liebermann, Berlin 1847-1935: Simson und Delila, 1902

Das war wirklich eine gute Idee und ich war sofort erleichtert, erfreut und manchmal auch richtig begeistert.

Max Liebermann, Berlin 1847-1935, Simson und Delila, 1902
Max Liebermann, Berlin 1847-1935, Simson und Delila, 1902
Max Klinger, Leipzig 1857 – Naumburg 1920, Bildnis einer Römerin auf einem flachen Dach in Rom, 1891

Und so bin ich durch die leeren Räume gelaufen und habe Füße und Hände geknipst.

Anselm Feuerbach, Speyer 1829 – Venedig 1880, Lucrezia Borgia; Bildnis einer Römerin in weißer Tunika und rotem Mantel, ca. 1862 – 1866
Sandro Botticelli, Florenz 1445 – 1510
Weibliches Idealbildnis (Bildnis der Simonetta Vespucci), um 1480

Und Ringe und Perlen und eine Zopffrisur. Nach zwei Stunden treffe ich auf die Freundin und wir setzen uns ins Café und erzählen unsere Erlebnisse und was wir so gelernt haben über van Gogh. Bei mir war es nicht ja nun nicht so viel und so konnte ich von der Freundin allerlei erfahren. Was wir schon im Zug gerne wissen wollten: Womit hat er sich denn nun eigentlich das Ohr abgeschnitten? Wie ich lesen konnte war es ein Rasiermesser. Nachdem das nun geklärt, der Kaffee getrunken und der Museums Shop besichtigt war, wollen wir unbedingt an die frische Luft.

Wir laufen zur Hauptwache und ein kleines Stück die Zeil entlang. Da ist es natürlich auch viel zu voll und wir drehen um.

Weil es schon fast dunkel ist und wir hungrig werden laufen wir zum Indischen Restaurant. Es wurde mir von der besten Nachbarin empfohlen.

Es gibt nichts zu sagen außer: Es war richtig lecker und wir sind satt geworden. Nach dem Essen sind wir satt und müde und sehr zufrieden (ich zumindest und ich hoffe die Freundin auch) mit dem Bummelzug nach Hause gezockelt.

Der Samstag beginnt mit Lieblingsdingen: Tee und Buch auf dem Sofa. Später Wäsche waschen und aufhängen und über die jahreszeitliche Dekoration nachdenken. Ich hab aber nicht so richtig Lust dazu. Stelle dann fest: Ahhh die Leiter steht nicht an ihrem Platz. Dann hat sie wohl noch der Nachbar von oben und somit kann ich das türkise Geglitzer und die Sterne nicht erreichen. Sie liegen zu weit oben im Regal. Bleibe ich eben auf dem Sofa liegen bis es Zeit für Ericas Einkaufsbesuch wird.

Vorher fahre ich noch schnell bei der Freundin vorbei, bei der ich schon im Oktober 4 große und 2 kleine Kränze bestellt hatte. Einer für Erica, einer für mich und der Rest für die Kollegin und die Nachbarin.

Bei Erica angekommen gibt es Rösterbrot vom Küchenofen – ich hatte noch kein Frühstück. Das schmeckt ganz vorzüglich und völlig anders als wenn ich die Brotscheiben bei mir in den Toaster stecke. Butter und Salz gehört noch oben drauf.

Während ich kauend an Ericas Küchentisch sitze, werde ich von Mario beobachtet. Mario sitzt schon so ungefähr 45 Jahre in der Küche auf dem Kissen (Ich habe den Kissenbezug nicht gehäkelt). Davor habe ich mit ihm gespielt und ihn auch getauft. Mario war zu der Zeit mein Lieblingsname. Die Erwachsenen um mich herum waren irritiert und erklärten mir das die Puppe ein Mädchen sei und Mario ein Jungenname. Pffff, mir doch egal.

Als ich zurück bin vom Erica Besuch hänge ich ein paar Sterne auf, die lagen ein Jahr im dicken Weltatlas. Ich habe immer noch keine Lust auf die Leiter zu klettern die mir der Nachbar mittlerweile vor die Tür gestellt hat. Ich will auf dem Sofa liegen und lesen. Das mache ich dann auch bis zum schlafen gehen.

Am Sonntag liege ich nicht etwa schon wieder lesend auf dem Sofa rum sondern treffe mich am Morgen heimlich mit der Kollegin im Büro. Wir schauen den Wichteln dabei zu wie sie einen Adventskalender für die Kolleginnen aufhängen. Anschließend muss die bedauernswerte Kollegin tatsächlich noch arbeiten.

Ich aber nicht. Ich darf zur Geburtstagsparty vom unechten Patenkind. Es ist der 12te Geburtstag und der wird, wie auch schon der 10te, in der Skatehalle gefeiert.

Ich finde das cool und das Kind plus die zahlreichen Gäste (die hier nicht zu sehen sind weil ist ja verboten) hoffentlich auch.

Womöglich sehen die Schuhe vom 12jährigen auch so aus. Ich muss demnächst mal nachsehen. Dann würde ich neue Schuhe spendieren.

Diesmal hab ich Pizza für Alle spendiert und die Mutter hat eine große Schüssel voller Amerikaner gebacken.

Zurück zu Hause bin ich müde, will aber nicht schlafen. Bügeln will ich auch nicht, auch nicht aufräumen, staubsaugen, auf die Leiter klettern, hier rumbloggern. Auch nicht lesen. Auch nicht meditieren. Obwohl das sicher gut wäre. Aber ich hab schon die ganze Woche nicht meditiert. Darüber kann ich mich ja gleich mal ärgern. Ärgern und missmutig rumsitzen geht auf dem Sofa gut. Daran ändert sich leider nichts und so lese ich missmutig im schönen Buch und gehe dann ins Bett. Dort dämmert mir dann auch langsam woher mein Missmut kommt: Ich war zu wenig allein. Wenn ich die ganze Woche über arbeite und immerzu mit so vielen Menschen zusammen bin dann brauche ich am Wochenende immer mindestens einen Tag ohne Menschen. Zur Regeneration. So seltsam bin ich. Das vergesse ich manchmal im Eifer der tollen Unternehmungen. Nachdem mir das klar geworden ist geht es mir schon gleich etwas besser. Nächste Woche passe ich auf.

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