31 KW Juli/August 2019 – Teil II, Berlin Berlin

Zurück aus Weimar sollte der Mittwoch vertrödelt werden. Zuerst sitze ich lesend auf dem Balkon. Da fällt mein Blick auf die nächste Gruppe Raupen die, ganz unbemerkt von meinen Adleraugen die jeden Tag die Blätter absuchen, geschlüpft und sogar schon recht groß sind. Mein Plan diesmal: ich werde abwarten. (Ich warte so lange bis ich vergesse vor meiner Berlin Fahrt die Raupen im Garten auszusetzen. Als ich aus Berlin zurück komme sind sie spurlos verschwunden und zwar ohne sämtliche Blätter zu fressen. Es ist mir rätselhaft. Ich muss dazu die Nachbarin befragen, sie hat die Blumen gegossen und weiß vielleicht mehr.)

Seit sehr vielen Jahren gehört Kapuzinerkresse zu meinen Lieblingsblumen. Blüten und Blätter sind zudem noch sehr lecker auf Butterbrot.

Dann kommt mir die Idee für den Besuch in Berlin Plätzchen zu backen. Es werden Weisse Schoko-Limetten-Cookies mit Pistazien und Kokos. Ich finde sie sind mir gut gelungen. Den Rest des Tages verbringe ich mit Haushaltsdingen, lesen und Weimar-Fotos sortieren.

Donnerstag auf dem Weg zur Fulda fahre ich über den Rummelplatz der gerade aufgebaut wird. Am Wochenende ist wohl Zissel. Ich bin sehr froh nicht in Kassel zu sein.

An und in der Fulda ist es schön, eigentlich will ich noch etwas rumliegen und lesen aber es ziehen Wolken auf und deshalb fahre ich lieber zurück.

Zuhause packe ich meine Tasche für die Reise nach Berlin. Auf dem Weg zum Bahnhof treffe ich in der Straßenbahn eine Freundin die zufälligerweise mit dem gleichen Zug fährt wie ich. Unser Zug hat Verspätung, das bedeutet Zeit für einen Kaffee. Letztendlich fährt der ICE die verspätete Zeit wieder herein und wir kommen nach einer kurzweiligen Fahrt pünktlich in Berlin an. Zusammen fahren wir dann noch mit S und U Bahn. Ich steige in Kreuzberg aus und die I. fährt weiter. Ich war schon voller Vorfreude auf ein Wiedersehen mit der M. und wir verbringen einen so schönen Abend mit Pizza, Spaßbier und miteinander bis spät in die Nacht hinein. Um halb drei liege ich erst im Bett, kaum zu glauben, wo ich doch üblicherweise so eine Frühschläferin bin. Aber mit der M. verfliegt die Zeit immer im Nu und wir hatten uns wirklich viel zu erzählen. Dem entsprechend habe ich bis halb 11 Uhr am Freitag geschlafen und anschließend wieder bis fast 15 Uhr in der Küche Kaffee getrunken. Dann musste ich aber mal raus an die Luft. Loslaufen ohne Plan. Die Füße wollen Richtung Südstern, nun dann.

Unterwegs merke ich wie hungrig ich bin. Wir haben viel geredet und Kaffee getrunken, aber ich hatte noch nichts gegessen. An der nächsten Ecke ist ein Thai Restaurant und es gibt Sommerrollen, sehr gut. Nach dem Essen laufe ich nur ein kleines Stück die Bergmannstraße entlang, an der Passionskirche vorbei und schon stehe ich vor dem Eingang von einem Friedhof. Es ist der Alte Luisenstädtische Friedhof und weil ich dort sowieso gerne einmal hin wollte, kann ich auch gleich abbiegen.

Ziemlich am Anfang finde ich schon gleich einen Engel.

Das Metallkreuz mag ich trotz Plastikefeu.

Gräber direkt mit Hauswänden verbunden.

Ab ungefähr hier höre ich das erste Donnergrollen, sehr bedeckt ist der Himmel schon lange.

Auferstehungsengel von Otto Geyer – hat mir die Suchmaschine gesagt, nicht das jemand denkt ich hätte Ahnung.

„Trauernde“ von Robert Baerwald, Löblich Mausoleum.

Friedhofskatze, sehr müde.

Bewohnt und unbewohnt sind vielleicht nicht die richtigen Worte, ist mir aber zuerst eingefallen. Es donnert nun immer mehr und manchmal glaube ich auch einen Blitz zu sehen, hoffe aber noch immer das Gewitter zieht vorüber.

Einhorn Katze. Was es alles gibt, tse tse.

Ich kann mir nichts mehr vor machen. Das Gewitter ist da und gleich wird Regen fallen. Ich werde mir eine Gruft suchen zum unterstellen. Leider sind beide an denen ich vorbei komme zugemauert. Die nächste Gruft hat eine Holztür mit einem Schloss. Ich finde dort etwas Platz. Und dann geht das Gewitter und der wilde Regen los.

Fast eine ganze Stunde stehe ich an der Gruft und schaue mir das Gewitter an, die Gräber um mich herum, den Weg vor mir der zu einem kleinen Fluss wird, eine Spinne die im Netz sitzt und es auch blöd findet nass zu werden, hinter mir in der Gruft tropft es und manchmal knarrt die Holztür. Etwas unheimlich ist es schon auch. Ein Mann mit Regenschirm läuft durch den kleinen Fluss an mir vorbei. Ein Mann ohne Regenschirm läuft hinter ihm her, sieht mich und wir lachen. Weil der Regen einfach nicht endet und mir mittlerweile etwas kalt ist, lege ich mir absurderweise mein dünnes Tuch über den Kopf, presse meinen Stoffbeutel an mich und mache mich auf den Weg. Im ersten Café mache ich Pause, wärme mich etwas auf, esse Zitronenkuchen und laufe dann nach Hause. Später, auf dem Weg zur Abendverabredung, scheint schon wieder etwas die Sonne und ein Ungeheuer schaut mich aus dem Fenster an.

Die Abendverabredung mit C. verläuft ähnlich wie der letzte Abend und der Vormittag. Wir essen leckere Dinge und erzählen uns viel. So schön. Und später wieder zu Hause bei M. geht es genau so weiter. Wieder spät ins Bett und gut geschlafen. Der Samstag hingegen ist gut geplant. Zuerst fahre ich mit der U8 zur Jannowitzbrücke um dort in die S5 umzusteigen. Noch schnell ein Foto durch viele Fenster vom Lieblingsturm.

Die M. hat mir eine Ausstellung im Schloss Biesdorf empfohlen und dort hin laufe ich nun durch den Park.

Der Park ist richtig schön und es gibt sogar sowas tolles:

Dort kann man auf einer Bank sitzen, lesen, ruhen, in die Luft gucken, meditieren, Vögel beobachten und weitere ruhige Dinge tun die mir jetzt nicht einfallen.

Ich laufe zum Eingang vom Schloss und dann einmal ganz drumherum bevor ich die Ausstellung besuche.

Der Park und das Schloss Biesdorf wurde 1867/1868 errichtet, es war viele Jahre die Heimat der Familie von Siemens. 1919 wurde das Schloss in Wohnungen unterteilt, 1920 wurde dort eine Polizeidienststelle eingerichtet. 1927 erwirbt die Stadt Berlin das ganze Anwesen und macht es der Öffentlichkeit zugänglich. Nach 1933 zieht die NSDAP dort ein und im April wird das gesamte Gebäude völlig zerstört. 1946/47 wird es vorerst provisorisch durch die Rote Armee repariert und ab 1954 ist es eine Freizeitstätte, ein Dorfklub und später Kreiskulturhaus. Seit 1979 stehen Schloss und Park unter Denkmalschutz und die Wiederherstellung des Parks und Rekonstruktionen der Gebäude beginnen. Heute finden im Schloss Ausstellungen statt, zu den Ausstellungen gibt es Angebote zur Kunstvermittlung, das Labor M hat einen „Laborraum“, eine Werkstatt im Keller in dem Workshops für verschiedenen Alters- und Zielgruppen stattfinden. Und natürlich darf auch ein Café nicht fehlen.

(Vielleicht ist das hier Werbung wegen Namen Nennung und Verlinkung)

Die Ausstellung die dort noch bis zum 13. Oktober zu sehen ist heißt KLASSE DAMEN! 100 Jahre Öffnung der Berliner Kunstakademie für Frauen.

Und weil es leider Frauen in der Kunst (und auch anderswo) immer noch viel zu wenig Beachtung und Aufmerksamkeit bekommen, möchte ich hier alle Namen der Künstlerinnen nennen die mitgewirkt haben:

Birgit Bellmann (Druckgrafik), Alke Brinkmann (Malerei), Ines Doleschal (Collage), Else (Twin) Gabriel (Fotografie, Video, Malerei), Ellen Kobe (Performance, Installation), Coco Kühn (Installation), Petra Lottje (Video, Zeichnung), Seraphina Lanz (Wandarbeit, Objekt), Cornelia Renz (Zeichnung), Karin Rosenberg (Objekt), Fiene Scharp (Cut-out), Elisabeth Sonneck (Installation), Ute Weiss Leder (Installation), Gaby Taplick (Installation)
sowie Charlotte Berend-Corinth (Malerei, Druckgrafik), Hannah Höch (Collagen), Marg Moll (Plastik), Lotte Laserstein (Zeichnung), Doramaria Purschian (Zeichnung, Malerei), Emy Roeder (Plastik), Erna Schmidt-Caroll (Zeichnungen, Malerei), Maria Slavona (Malerei), Gertrud Spitta (Malerei), Milly Steger (Plastik), Elisabeth Voigt (Druckgrafik) und Julie Wolfthorn (Malerei).

Fotos habe ich keine gemacht, denn dann kann ich mich nicht gut auf die Ausstellung konzentrieren. Also gerne selbst hinfahren und ansehen. Nur am Ende einen Blick aus dem Fenster festgehalten.

Nach einem Spaziergang durch den Park fahre ich zurück und steige an der Warschauer Straße aus um durch die Vergangenheit zu laufen und festzustellen:

Mit großen Augen habe ich all die neuen Gebäude von der Oberbaumbrücke bis zum Ostbahnhof betrachtet und vor Schreck die bekannte und geliebte Brücke mit Kabelgewirr, Ampeln und Kränen fotografiert.

Und auf der anderen Seite die Kräne und den Turm. Und all die neuen Gebäude einfach ignoriert.

In der Falckensteinstraße gab es einen kleinen Schmuckladen in dem es sehr schöne Ohrringe gab die mir mal zum Geburtstag geschenkt wurden. Die Ohrringe habe ich immer noch, der Laden ist leider verschwunden.

Die kleine Lieblingsbuchhandlung gibt es noch. Ich freue mich und finde zwei Postkarten und ein Buch.

Aus diesem Laden ist die Kommode die noch immer in meinem Schlafzimmer steht.

Bei NOUR – Libanesische Spezialitäten habe ich früher und auch heute Falafel gegessen. Schon früher stand ein Sammelsurium an Stühlen vor der Tür und der Inhaber ist noch immer so unglaublich freundlich.

Schräg gegenüber, neben Kaiser’s was nun Rewe heißt, steht eine neue Moschee.

In der Görlitzer Straße, meinem alten Teilzeit Zuhause, hat sich, zumindest an Läden, nicht so viel geändert. Aber womöglich ist Aschenbrödel dort eingezogen. Zumindest habe ich einen Schuh und ihre Abendlektüre gefunden.

Nach links auf die Skalitzer Straße abbiegen und etwas müde sein. An der großen Moschee vorbei.

In die Oranienstraße einbiegen und wieder einen Elefanten finden. Der ist mir früher nicht so aufgefallen.

Diese Hausfassade hingegen kenne ich gut. An der Fassade hat die Künstlerin  Ayşe Erkmen 1994 die Endsilben der „miş“-Zeitform der türkischen Sprache angebracht. Das besondere an dieser Zeitform ist, dass sie Ereignisse in der Vergangenheit beschreiben, die jedoch nicht von dem*r Erzähler*in selbst erlebt, sondern ihr von Dritten zugetragen wurden.  Bis zu dieser komplizierten Zeitform bin ich während meines zwar sehr langen und intensiven, aber leider nicht ganz so erfolgreich wie gehofften Türkischlern Versuches nicht gekommen. Hier und hier gibt es mehr über die Künstlerin und das Haus zu lesen.

Durch die Adalbertstrasse …

… über denn Kotti …

… mit vielen Blicken in die Luft, schnell nach Hause und vor der Geburtstagsfeier noch etwas ausruhen.

Ich habe einen schönen und auch sehr leckeren Abend , der wieder in der Küche endet und schlafe glücklich ein. Am Sonntag scheint die Sonne und ich schlafe sogar länger als meine Gastgeberin, da bin ich doch sehr überrascht. Ich bekomme Kaffee, wir erzählen weiter und dann werden die Yogamatten ausgerollt und ich darf der M. ein paar Übungen zeigen. das finde ich ganz besonders toll und es macht mir sehr viel Freude. Leider muss ich danach recht schnell meine Sachen packen. Traurig uns wehmütig fahre ich zum Bahnhof. Abschied ist ein schweres Schaf.

Tröste mich damit, dass ich ja hoffentlich bald wieder kommen kann oder vielleicht einmal Besuch bekomme.

Während der Fahrt versuche ich zu lesen, werde aber immer wider von meinen Gedanken abgelenkt und freue mich dann über eine nette Unterhaltung mit meiner freundlichen Sitznachbarin. Zurück zu Hause setze ich sofort das neue Lieblings Sommergetränk an. Earl Grey Beutel in die Karaffe hängen, kaltes Wasser aufgießen und abwarten. Lecker. Noch eine Weile in den Hinterhofhimmel schauen und dann ab ins Bett.

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