4KW Januar 2018 – Regenwetter, Nebel und die ersten Winterlinge

Nun also mein Wochenbericht. Dabei stelle ich immer fest, dass ich mich noch nicht mal von Montag bis Sonntag erinnern kann. Schlimm. Aber ich mache mir ja Notizen bzw. schreibe ich so Kurztagebuch. Sehr nützlich das.

**Wie jeden Montag bin ich Yogaschülerin und danach gab es beste Restesuppe vom Samstag.

** Am Dienstag war ich arbeitsbedingt mit einer sehr netten Damenrunde in der Gemäldegalerie. Da werde ich demnächst noch einmal hingehen. Denn wir hatten nicht genug Zeit und ich war bisher nur 2x dort und jedes Mal in einem Arbeitszusammenhang. So geht das nicht, habe ich beschlossen. Denn es ist wirklich schön dort und ich möchte mir mal länger das Riesengemälde mit den vielen Tieren (Die Menagerie des Landgrafen Carl) ansehen. Auf dem Weg dort hin hatten wir viel Blick.

**Am Abend gab es Linsensuppe mit Spinat und dazu Spontanbesuch von einer Yoga-Freundin.

**Und dann noch so „Guten Tag, ich bin ihre Marokko-Beraterin“. Es spricht sich wohl herum, dass ich ein paar Mal in Marokko war und so wird hin und wieder mit der Bitte um Beratung an mich herangetreten. Das mache ich natürlich ausgesprochen gerne. Denn wer erzählt nicht gerne über etwas, was ihr Spaß macht oder gut gefällt? Ich jedenfalls finde es toll. Also habe ich zwei Yoga – Freundinnen beraten, die bald einige Tage in Marrakesch verbringen werden. Am Mittwoch Nachmittag habe ich M. kennengelernt. Sie wird im März drei Wochen durch Südmarokko reisen. Wir haben zwei sehr kurzweilige Stunden miteinander verbracht. „Ich wollte schon immer mal so gerne in die Wüste.“ „Ach, du auch? Ich auch. Und die Wüste ist so toll. Oh und du bist auch Yogalehrerin?“…

**Mal so vorne weg: ich bin bestens mit regenfester Fahrradkleidung ausgestattet. Regenjacke, Regenhose, alles vorhanden. Nur trage ich diese Ausrüstung nicht immer, wenn es regnet. Was schade ist. Donnerstag um halb 8 aus dem Haus gegangen, durch den Garten gelaufen, es regnete etwas, das Rad geholt, es regnete mehr, Rad bepackt und zur Haustür heraus, es regnete noch mehr. Um zwei Ecken gebogen, Jeans an den Oberschenkeln sehr nass, geradeaus gefahren, Jeans noch nasser, überlegt umzukehren, weiter gefahren, Jeans an den Schienbeinen nass, nochmal überlegt umzukehren, eingefallen das im Schrank keine Hosenalternative wartet, weiter gefahren, mehr Regen, alles noch nasser geworden, das Wasser läuft an den Schienbeinen herab und in die Schuhe hinein, der Regen regnete ins Gesicht, die Haare wurden nass. Alles nass. Im Büro wartete die liebe A. nicht mit Kaffee auf mich, denn sie war außer Haus tätig. Sehr blöd das alles. Die nasse Hose ausgezogen und den großen Schal um mich herum drapiert. Die Tür geht auf und die Kollegin V. kommt herein. Wir wickeln meine Jeans in ein Handtuch und wringen sie ordentlich aus und ich lege sie auf die Heizung. Dann koche ich Espresso, es wird Cappucchino getrunken. V. geht wieder und ich warte 30min. Dann ist die Hose klamm und warm und ich ziehe sie wieder an, denn die andere Kollegin wartet im Klassenzimmer auf mich. Kurze Zeit später kommt die liebe V., klopft mich aus dem Klassenzimmer und hat mir 5 Jeans in unterschiedlichen Größen mitgebracht. Ich werde ihr nächste Woche Pralinen schenken. Viele.

**Am Freitag regnet es nicht, als ich an der Fahrradampel stehe und ein junger Mann mit seinem Fahrrad neben mir hält und mich ansieht als sollte ich ihn kennen. Mein Hirn rattert. Womöglich ein Jugendlicher aus dem betreuten Wohnen, wo ich mal vor vielen Jahren gearbeitet habe und der nun 15 Jahre älter ist? „Sie haben eine tolle Brille“, sagt er und ich gucke verblüfft und bin erfreut. „Wo haben sie die denn her?“ Und dann geht es weiter wie in der Werbung. Brille: F……Wir lachen, seine aktuelle Brille ist von der gleichen Firma. Wir plaudern über Brillen und Preise. Die Ampel wird grün, er verabschiedet sich und flitzt an mir vorbei. Vielen Dank unbekannterweise, für den ausgesprochen netten Start in den Tag. So ein Kompliment am Morgen beschwingt doch ungemein.

**Am Freitagabend hatte meine Arbeitsstelle zum Neujahrsempfang geladen. Ich bemalte mir die Fingernägel und die Lippen gegen das Grau, machte mich auf den Weg und kam eine Stunde zu spät. Nicht weil ich durch die mir seit 36 Jahren bekannte kleine Stadt geirrt bin, sondern weil es in meinem Haushalt Uhren mit Sommerzeit und Uhren mit Winterzeit gibt und ich mich wohl verguckt habe. Verwirrend das alles, aber eine lustige Feier.

**Der Samstag begann mit Nebel.

Nach dem Yoga wollte ich auf dem Sofa rumlungern. Dann ist mir aber eingefallen: Das Lieblings-Café wird morgen schließen. Ich werde nie mehr einen Samstag dort vertrödeln können. Also nix wie hin.

Ich hatte die Kamera dabei für Erinnerungsfotos. Die Kamera neben der Kaffeetasse bescherte mir dann mein lustigstes Erlebnis des Tages. Stellt sich ein junger Mann vor die Kuchentheke. Schaut den Kuchen an, schaut auf meinen Tisch, bestellt ein Stück Kuchen, schaut wieder zu mir und sagt: „Ist das eine 6000er oder eine 6500?“ Mein Kopf rattert, meine Augen stehen sicher kugelrund hervor und an meiner Stirn werden sich Schweißperlen bilden, um was es wohl geht frage ich mich. Schnell, eine Antwort muss her. Ich sehe das er auf die Kamera schaut. Und dann sehe ich oben in der rechten Ecke steht ganz klein 6000. „6000“, antworte ich freundlich und erleichtert und hoffentlich klang es auch etwas cool. „Ahh“, sagt er, „ich wollte nämlich auch bald auf eine 6000 oder 6500 upgraden“. Freundlich gucken kann ich gut und vielleicht hab ich auch noch sowas wie „Schön“ gestottert. Als er später ging haben wir uns einen schönen Tag gewünscht. Am Abend als ich dann auf dem Sofa saß hab ich mir meine Kamera mal genauer angesehen. Da steht ja so einiges drauf.

**Auf dem Weg zum Samstagseinkauf mit Erica schien die Sonne, das Autoradio war weit aufgedreht und mein Kopf hat zur Musik gewackelt. Gut gelaunt bin ich über die Dörfer gefahren. Und dann ist mir eingefallen, dass ich mir vor vielleicht 15 Jahren mit der lieben A. ein Auto geteilt habe. Ich bin damit zu meinen wechselnden Diensten in einem betreuten Wohnen für Jugendliche gefahren und in der der restlichen Zeit hatte sie das Auto. Hat prima funktioniert. Bis auf einen Punkt. Ich habe schon immer gerne im Auto Radio gehört. Einfach so einen Sender mit mainstreamiger Popmusik für junge Menschen und zwar so richtig laut. So zum mitsingen und rumwackeln. Ich habe das Radio nie aus gemacht wenn ich es der A. vor die Tür gestellt habe. Und sie hat jedes mal einen großen Schreck bekommen wenn ihr die Musik entgegengekracht ist. Ansonsten höre ich in meinem Alltag sehr selten Musik. Also so richtig selten, manchmal wochenlang Garnichts. Ich habe es gerne still. Ich mag auch Musik, sehr sogar, aber die Zeit reicht nicht um mein Stillebedürfnis und dann auch noch das Musikbedürfnis zu befriedigen. Schade eigentlich.

**Nach dem Samstagseinkauf habe ich Holz in die Schubkarre geladen und in die Waschküche gefahren,damit Erica nicht raus muss wenn es regnet oder schneit.

Ich hole gerne Holz denn ich bin gerne in der Holz-Garage. Die war nämlich das Reich von meinem Vater, es riecht nach Holz und Maurerzeug. Ich finde dort Günther-Dinge und freue mich und werde etwas wehmütig.

Im Garten gab es Winterlinge und die Schneeglöckchen schauten hervor. In Kassel blühen die Schneeglöckchen schon, aber auf dem Dorf dauert es immer länger. Bambi hat schon bei uns gewohnt als ich 2 Jahre alt war. Auf dem Rückweg vom Einkauf haben wir sieben Rehe auf einer Wiese gesehen.

**Und jetzt wird es Zeit mich endgültig vom Lieblings-Café zu verabschieden. Und womöglich will ich später nichts mehr darüber schreiben.

 

 

 

 

 

 

 

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