Mit Werbung wg. Verlinkung

Pünktlich um Mitternacht kamen ich und die ersten 3 Mitreisenden, die ich schon am Flughafen von Casablanca getroffen hatte, in Errachidia an.

Wir wurden direkt am Flughafen abgeholt und nach einer ca. 2-stündigen Autofahrt nach Merzouga fielen wir sehr müde gegen 3 Uhr in unsere jeweiligen Betten. Überraschenderweise war ich recht früh wach und hatte Zeit, mich in aller Ruhe im Zimmer umzuschauen. Ich hatte in der Nacht kaum gesehen, wie das Zimmer aussah, in dem ich schlafen würde. Gemütlich.

Nach einer Dusche trat ich aus der Tür in den Morgensonnenschein.

Bei diesem Ausblick hatte ich sofort Glückstränen in den Augen.

Auf der Bank am Frühstückstisch begrüßten mich drei weitere Mitreisende und die Katze. Na ja, sie begrüßte mich nicht wirklich, sondern schlief einfach weiter.

Morgenkaffee mit Blick auf die ersten Dromedare. Kurze Zeit später lief eine kleine Karawane mit lebendigen Dromedaren an den Dünen entlang.

Nach und nach kamen dann alle zum Frühstückstisch und es konnte ein erstes Kennenlernen stattfinden. Wir waren eine kleine Gruppe, insgesamt 7 Personen, mit Jenny, unserer Yogalehrerin. Weil ich mich nur in zwei Richtungen umgesehen hatte, habe ich erst nach dem Frühstück den Pool entdeckt. Ich habe nur eine Sekunde überlegt, ob ich mich nochmal umziehe, obwohl ich schon geduscht hatte und eigentlich auch die Tasche schon wieder abfahrbereit im Zimmer stand. Dann bin ich losgerannt, hab mich umgezogen und kurze Zeit später schwammen wir zu dritt im kalten Wasser herum. Es war toll.

Gegen Mittag wurde das Auto mit all unseren Taschen, Koffern und Schlafsäcken bepackt, und die letzte Etappe der Anreise in die Wüste ging los.

Nach nicht besonders langer Fahrt gab es schon einen ersten Fotostopp. Wir haben uns alle total über die Dromedare gefreut.

Ich finde sie so toll.

Den nächsten Halt gab es dann aber erst nach ca. 2 Stunden. Alle mal schnell zur Toilette gelaufen und dann ging es weiter.

Ich glaube, hier waren wir schon 3 Stunden unterwegs und sehr durchgerüttelt von der Fahrt im Jeep (wir haben zwischendurch mal kurz gehalten und sind in 2 Jeeps umgestiegen) und haben uns sehr über eine kleine Pause mit Kaffee und Tee gefreut. Und Katze natürlich.

Und so ging es dann weiter.

Fünfzehn Minuten von unserem Ziel entfernt begegnete uns dann eine riesige Herde Dromedare.

Das war der zweite Glückstränenmoment.



Zuerst habe ich mich in meinem Zimmer eingerichtet. Dort würde ich zum letzten Mal in einem richtigen Bett und mit festen Wänden um mich herum schlafen.

Etwas später trafen wir uns zur ersten Yogastunde auf der Dachterrasse.

Während wir von Jenny durch eine erste wundervolle Yogastunde geführt wurden, die meine durchgerüttelten Knochen und Muskeln lockerte, wurde für uns der Tisch fürs Abendessen gedeckt. Das Essen war fantastisch und, das kann schon mal gesagt werden, genau so würde es den Rest der Woche bleiben. Sehr satt und glücklich fiel ich etwas später in mein tolles, riesengroßes Bett.

Am nächsten Morgen wurden wir nach dem Frühstück in die Tuchwickeltechnik eingeweiht. Es ist gar nicht so einfach, sich das große Tuch so um den Kopf zu wickeln, dass es nicht vom Wind verweht wird. Wir haben dabei, besonders an den ersten Tagen, sehr gerne Hilfe in Anspruch genommen.

Der rote Teppich oben auf dem Dach war unser Yoga-Teppich für die nächsten Tage.


Falls jemand sich fragt, wie ich hier überhaupt hingekommen bin, folgt hier eine kleine Einführungsgeschichte:
Vor 6 Jahren habe ich an einer Yoga & Coaching Immersion von Silja Mahlow teilgenommen und dort Jenny kennengelernt. Sie war damals nicht zufrieden mit ihrem Job in einem Büro und dachte darüber nach, sich als Yogalehrerin selbstständig zu machen. Nach den Immersion-Wochenenden in Ratingen hatte ich über Instagram verfolgt, wie es bei Jenny weiterging. Sie hat tatsächlich ihren Job gekündigt und ist in die Selbstständigkeit gegangen. Ich fand das sehr toll und mutig, ganz besonders, weil wir dann ja auch plötzlich von der Pandemie überrollt wurden. Mir hat es sehr gefallen und imponiert, wie sicher, professionell und engagiert sie weiter an ihrer Selbstständigkeit gearbeitet hat und ich habe mich immer sehr über ihre Instagram-Posts gefreut.
Irgendwann nahmen die Infos zu Yogawochenenden und Yoga Retreats zu und weil ich gerne zu irgendwelchen Yogaveranstaltungen fahre, dachte ich mir, dass ich irgendwann vielleicht auch mal zu einem Yogaurlaub mit Jenny fahren könnte. Also irgendwann in den nächsten Jahren, denn vorher wollte ich so gerne mal wieder nach Marokko und in die Wüste, denn meine letzten Wüstenerlebnisse hatte ich vor sehr vielen Jahren.

Und dann – zack – bewarb Jenny eine Wanderreise mit Yoga in Marokko. Wer gerne auch mal eine Yogareise oder ein Yogawochenende unternehmen möchte, findet die Angebote von Jenny auf ihrer Homepage: Yoga mit Jenny.

Das ist eine Kolonquinte. Sie wird auch Papiergurke oder Bitterapfel genannt und gehört zur Familie der Kürbisgewächse, obwohl ich immer, wenn ich sie sah, zuerst an eine Melone gedacht habe. Wusste ich natürlich nicht, als ich dort vorbeilief, sondern hab ich mir gerade eben erst angelesen.

Wasserstelle für Dromedare, Ziegen, Vögel und alle anderen, die Wasser brauchen.

Der Teil der Organisation, Verpflegung, Übernachtung sowie die ganze restliche Betreuung lag in der Hand von Sahara Yoga .

Und diese Hand war wirklich ganz außergewöhnlich groß, herzlich, lustig, lecker, professionell, sicher und einfach wunderbar.


Wir waren eine kleine Gruppe von 7 Reisenden und wurden von einem Team von 7 Personen begleitet und betreut. Und ich hatte mir vorher natürlich Gedanken gemacht, wie es mir als Alleine-Reisen- Liebhaberin wohl in einer Wandergruppe in der Wüste ergehen würde. Und deshalb freue ich mich sehr sagen zu können, dass es mir richtig gut ging. Ich mochte alle sehr gerne, finde wir haben uns gut verstanden und das freut mich sehr.


Unsere erste Mittagspause fand hier statt und wir waren alle überrascht, was für tolles Essen uns serviert wurde.

Ich hatte nicht mit so viel frischem Obst und Gemüse gerechnet und ich glaube, die anderen auch nicht.

Oscher oder auch Fettblattbaum. Die Pflanze war mir noch aus den vorherigen Wüstenreisen bekannt. An den Namen konnte ich mich allerdings nicht erinnern.

Die Frucht wird auch als Sodomsapfel bezeichnet. Ich finde ja, sie sieht viel mehr wie eine Mango aus. Allerdings ist sie innen fast hohl, bis auf die schwarzen Samen, an denen lange Haare sind, die als Flugorgane dienen, um die Samen weit verbreiten zu können. Der weiße milchige Saft der Blätter ist giftig und kann bei Berührung mit der Haut und besonders den Augen zu Reizungen führen.

Nach einer langen Mittagspause ging unsere Wanderung weiter.

Und weiter.

Und immer noch weiter. Ich fand den ersten Tag ganz besonders toll und auch ganz besonders anstrengend. Am Anfang war der Untergrund so, dass ich angenehm darauf laufen konnte. Irgendwann wurde es sehr sandig und dadurch beschwerlicher. Auf dem festeren Untergrund trug ich Sneaker und fand das sehr bequem. Später, im Sand, lief ich und einige der anderen in Socken. Das war auch angenehm, aber im Sand zu laufen ist trotzdem sehr anstrengend.

Am späteren Nachmittag dachte ich zwischendurch immer mal, ich kann nicht mehr und lasse mich gleich in den Sand sinken. Glücklicherweise ging es nicht nur mir so. Als wir dann über das Walkie-Talkie unseres Wüsten Guides Medi gefragt wurden, ob wir vielleicht abgeholt werden möchten, fanden wir das aber alle überhaupt nicht nötig und wollten unbedingt weiter laufen. Keine Ahnung, was da für ein Ehrgeiz in mich gefahren war, ich bin normalerweise überhaupt nicht ehrgeizig und kann es mir eigentlich nur mit großer Verwirrung durch Hitze im Kopf erklären. Wenn ich daran denke, muss ich immer noch lachen.

Irgendwann waren wir aber am Ziel für die erste Nacht. Wir bekamen Tee und konnten erst einmal auf dem großen Teppich herumliegen. Danach haben wir die Zelte bezogen und ich habe mich umgezogen für die Yogastunde am Abend. Eigentlich hatte ich nicht gedacht, dass ich dazu noch in der Lage wäre, aber Jenny hat auch nach dem sehr anstrengenden ersten Tag eine erfrischende und gleichzeitig entspannende Stunde unterrichtet. Kurz nach dem Abendessen lag ich gemütlich in meinem Schlafsack. Und dann gingen leider die Beinschmerzen los und nahmen sehr lange kein Ende. Keine Ahnung, was da los war, aber ich konnte vor Schmerzen nicht einschlafen. Ich wusste nicht, dass man überhaupt solche Schmerzen in den Beinen von oben, nach unten und überall, auch in den Füßen, haben kann. Leider kam ich nicht auf die Idee, mal eine Tablette zu nehmen, und schlief deshalb erst um Mitternacht ein.

Ich bekam vor und nach der Reise viele Fragen gestellt. Einige Fragen galten der Unterbringung und Verpflegung, aber viele wollten auch wissen, wie es denn so war mit der Toilettensituation. Bei meinen vorherigen Wüstenerlebnissen wurde sich einfach hinter einen Sandhügel oder einen Busch gehockt. Und so war es auch tagsüber, wenn wir unterwegs waren. Am abendlichen Rastplatz wurde allerdings ein kleines Zelt etwas abseits vom Lager aufgebaut und darin befand sich eine Campingtoilette mit einem großen Sack Späne, Toilettenpapier und einer lilapinken Desinfektionsflüssigkeit. Auch das fand ich sehr luxuriös.

Am nächsten Morgen gab es, wie auch an den folgenden Tagen, um 7:15 heißen Tee und um 7:30 saßen wir auf unseren Yogamatten. Die Zeitangaben sind immer in marokkanischer Zeit zu betrachten – es kann also auch etwas später gewesen sein. Aber niemals früher. Der erste Kaffee des Tages war dann für mich immer ein ganz besonderer Genuss.

Zwischen Yoga und Frühstück wurden die Taschen gepackt und die Zelte ausgeräumt. Und während wir gemütlich beim Frühstück saßen, wurden schon die ersten Zelte abgebaut.

Und während wir schon losliefen, wurden die Autos fertig beladen und alle Sachen weitertransportiert. Ich glaube, es war so, dass ein Wagen zum Rastplatz für die Nacht fuhr und dort die Zelte wieder aufgebaut wurden und der andere Wagen zum Mittags Rastplatz und dort wurde dann schon mal das Mittagessen vorbereitet.

Ich möchte die Spuren von allerlei kleinen Lebewesen im Sand ganz besonders gerne.

Manchmal konnte ich sogar eine kleine Eidechse vorbeihuschen sehen.


Diese kleinen, runden, hellgrünen Schnörkel hätte ich essen können.


Ich war aber zu sehr damit beschäftigt Medi bei seinen Erklärungen zu fotografieren.

Medi war unser Guide und für mich das Herz der ganzen Wüstenwoche.



Er hat uns ruhig und fröhlich und voller Feingefühl durch die Tage geleitet. Bis auf etwas Französisch hatten wir keine gemeinsame Sprache. Seine Sprache war Tamazight.
Ich fand es eine sehr schöne Erfahrung und habe mich auch ohne Worte sehr verstanden gefühlt.


Der zweite Tag war überhaupt nicht mehr so anstrengend wie der erste. Ich hätte sogra noch etwas weiter laufen können. Trotzdem habe ich mich sehr gefreut als wir von Mohammed so strahlend begrüßt zu werden.

Es war eine etwas aufgeregte Ankunft, denn wir hörten ein Dromedar Weibchen mit einem nur 2 Tage alten Kind laut brüllen und konnten uns nicht erklären was los war. Soviel ich verstand, gehörten die beiden zu der großen Herde, die wir 2 Tage zuvor gesehen hatten. Sie waren zurückgeblieben und wurden etwas später von jemandem aus der Nomadenfamilie die in der Nähe ihr Lager hatte, zur Herde zurückgebracht.

Unser Yogaplatz und die Trommeln für das Abendkonzert am Lagerfeuer.

Spatzen an der Wasserstelle.

An diesem Lagerplatz hatten wir sogar Wasser und eine kleine Duschkabine wurde auch aufgestellt. Ich weiß, dass ich auch ohne Dusche und Wasser auskommen kann, finde es aber auch toll diese Duschen nutzen zu können, wenn sie schon extra aufgebaut wurde.

An diesem Ort bleiben wir für zwei Nächte und dürfen jeden Morgen und Abend Yogastunden genießen, herumtrödeln, lesen, schweigen und herumspazieren, am Lagerfeuer sitzen und werden 3x am Tag mit leckerstem Essen verwöhnt.

Offline zu sein, war mir vollkommen egal. Ich hatte schon nach dem ersten Tag das Handy vergessen, weil ich es auch gar nicht zum Fotografieren nutze.

Am Morgen wurde wieder alles aufgeräumt, zusammengepackt und für die Weiterreise vorbereitet.

Weil wir glauben, ein Kind hätte sie verloren, wird die kleine Schuldkröte von Medi zur Nomadenfamilie gebracht.

Es gab einige weitere Fundstücke unterwegs.




An diesem Tag, ich glaube es war der Mittwoch, sind wir am Morgen ca. 3 Stunden gelaufen. Oft wurde ich gefragt, wie weit wir täglich gelaufen sind. Ich habe keine Ahnung und keinerlei Gefühl für Kilometer oder Zeit. Ich würde mal denken am Vormittag 3 Stunden und am Nachmittag 3 bis 4 Stunden. ich kann aber auch völlig falsch liegen. Aber nach dem ersten Tag war es nie wieder so anstrengend sondern für mich immer gut zu schaffen.

Ich habe mich total gefreut, dass wir in unserer Mittagspause endlich mal auf dem Boden essen konnten. Besonders weil ich wirklich überhaupt nicht gerne auf Stühlen sitze. So auf dem Boden war alles gleich noch viel leckerer.


Nach der Mittagspause liefen wir noch ca. 1,5 Stunden. Dann wurden wir abgeholt und verteilten uns auf und im Jeep.

Es folgte eine längere Fahrt durch unterschiedlichste wunderschöne Landschaft, durch die ich gerne noch ein paar Tage gelaufen wäre. Fotos gibt es keine weil ich mit schauen beschäftigt war und wir keine Pause gemacht haben.

Leider hatten wir nur noch 2 Tage und wollten auch noch gerne die großen Dünen bei Merzouga sehen. Die Fahrt fühlte sich für mich schon an wie eine Abschied von der Wüste und ich war sehr wehmütig.
Weil dieser ganze Blogpost sowieso schon viel zu lang geworden ist, beende ich hier den ersten Teil der Wanderwoche. Teil II folgt hoffentlich sehr bald.
4